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Gotha, den 21ten März 1872
Meine liebste Maria!
Zuerst den herzlichsten Dank Euch allen dreien für die lieben Briefe welche mir viel gute u. liebevolle Wünsche zu meinem Geburtstag brach= ten. Sie kamen nur einen Tag später hier an u. wurden mit großer Freude von mir empfangen. Obgleich Dein lieber Mann sich noch ganz unbestimmt über die Zeit Eurer Abreise von Amerika aus= spricht, so erfüllte mich doch die Hoffnung des Wie= dersehens in nicht gar zu ferner Zeit mit einen [sic] sehr freudigen Gefühl. Ueber Lilians Brief habe ich mich sehr gefreut, der gute Unterricht den sie in deutscher Sprache gehabt hat ist an ihm unver= kennbar. Ich bitte Dich, liebe Marie, ihr zu sagen daß ich sie gar zu gerne am 16ten bei mir gehabt u. sie den Tag vielmal zu mir gewünscht hätte, ihr auch vielen Dank für ihren lieben Brief schicke. Wir haben den Geburtstag ganz still verlebt, um so größere Freude wäre es mir da gewesen sie bei uns zu haben. Von Wilhelms war Fritz der ein= zige den ich an diesem [sic] Tag sah, Wilhelm war unwohl,
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leid thut es mir daß Ihr von Annie keine besseren Nachrichten habt, indeß hoffe ich daß das Frühjahr, wenn der Uebergang erst überwunden ist ihren [sic] Mann wieder neue Kräfte zuführen wird, wenn keine anderen Lei= den mit dieser Hinfälligkeit verbunden sind, wird sie sich gewiß heben lassen. Wie geht es denn Emma, hat sie sich in Kansas leicht eingewohnt? Mit Onkel Buflebs Befinden ist es in letzter Zeit gar nicht gut gegangen, der März ist immer ein schlimmer Monat für ihn gewesen, aber die Schwäche hat gar zu sehr zu= genommen, so daß ich oft fürchte er würde nicht über das Frühjahr hinkommen. Diese Zeit wird ja für sol= che Kranke gar oft verhängnißvoll. Das Wetter ist unvergleichlich schön gewesen, so warm, milde Luft u. sonnig bis vorgestern wo plötzlich die Temperatur wechselte u. dann ein Schneesturm den andern jagte. Doch ist heute Nachmittag der Himmel wieder vollstän= dig wolkenlos u. sieht aus als würde es wieder beständig schönes Wetter werden. Daß wir Anfang März durch einen Erdstoß in Schrecken gesetzt wurden hat Dir wohl Tante Augusta geschrieben. Wie wir im Saal alle eine Erschütterung fühlten u. ich die Gewächse auf dem Blumentisch sich hin u. her neigen sah, dachte ich doch nicht daran daß es ein solches Naturereigniß sein könnte. Wilhelm war 7 Wochen abwesend, er kam mit Erkältung zurück u. hat sich noch nicht wieder ganz davon erholt, er sah vorigen Sontag sehr elend sehr elend aus u. ist auch bis jetzt noch nicht besser.
