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Gotha, den 7ten April 1872
Meine liebste Maria!
Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief vom 18ten März in welchem Du mir über Dein Be= finden nichts sagst, ich hoffe daß es gut ist, fürchte aber daß das kalte Frühjahr dort u. die viele Un= ruhe welche Dir vor Eurer Abreise noch bevor= steht, nicht gut auf dasselbe wirken. Sehr leid ist es mir daß sich noch kein Miether für Euer Haus gefunden hat, es bringt doch vielen Nachtheil wenn es so ganz unbewohnt stehen bleibt, ebenso küm= mert es mich daß die Farm u. Garten mit so wenig oder eigentlich gar keinen Vortheil für Euch ver= pachtet ist. Sehnlichst wünsche ich Ihr hättet alles was vor Eurer Abreise noch zu ordnen u. zu besorgen ist schon überstanden um Euch bald nach Europa ein= schiffen zu können, denn ein behagliches Heim habt Ihr jetzt doch nicht mehr dort. Wir haben hier ein viel schöneres Frühjahr als wir seit vielen Jahren gehabt haben, doch wechselt die Temperatur noch oft plötzlich, wir hatten die vorhergehende Woche sehr warme Luft, einen Tag 18° Wärme, darauf aber
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Hause lassen zu können u. hat mir überhaupt noch gar keine Hoffnung auf einen Besuch diesen Som= mer gemacht, was mir sehr wehe thut. August u. Doris mit den Kindern werden wohl zu Pfingsten kommen, August wohl nur auf einige Tage, aber Doris, hoffe ich, bleibt einige Wochen. Ob Lina noch ein Jahr länger bei uns bleiben wird, weiß ich noch nicht, Wagners scheinen noch unentschlossen darüber zu sein, denn Emma ant= wortete mir auf meine Frage darüber daß sie mir im nächsten Briefe darüber schreiben würde. Es würde mich besonders um Lina's willen sehr kümmern wenn sie sie diesen Sommer schon wieder den Unterricht hier unterbrechen ließen, diese [sic] eine Jahr ist nicht ausreichend für sie gewe= sen. Auch für ihre körperliche Entwickelung wäre es viel besser wenn sie ein Jahr länger hier bliebe. Der Onkel Bufleb hofft mit großer Sehnsucht auf den Besuch Deines lieben Mannes, es ist die letzte Zeit gar nicht gut mit ihm gegangen, seine Schwäche hat sehr zugenommen. Er klagt sehr oft daß er keinen Brief wieder von Bayard bekommen hat, die Tante ist auch jammerig darüber. Die alten Tanten sind ruhi= ger in ihrem Schmerz geworden, haben aber ei= gentlich noch keinen Trost gefunden, ich habe sie seit 3 Wochen nicht gesehen aber ich höre es von den andern. Lina ist in die Kirche zu Schwarz gegangen der die Kin= der heute confirmirt. Sie freut sich sehr auf das Zusam= mensein mit lieb Lilian. Nun muß ich schließen, liebste
[text on top of page 1, written upside down:] Maria, mit den herzlichsten Grüßen von uns an Dich Deinen lieben Mann u. seine Eltern. Lilian sende ich einen Kuß mit vieler Liebe. Gott behüte Euch! Mit herzlichster Liebe Deine Mutter. [/text on top of page 1, written upside down]
