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aß bei B. Brauns u. Frl. Sch. ging gleich nach Tische zu ihrer Mutter. Ich war zu angegriffen u. ermü= det um Wilhelm mit seinen Kindern den Tag bei uns zu Tische haben zu können, es that mir sehr leid aber ich musste einen ganz ru= higen Tag haben um mich wieder etwas zu erho= len. Den 2ten Festtag reichten dann meine Kräfte wieder aus u. wir waren sehr erfreut daß diesen Mittag auch Ida mitkam, sie hatte sich fahren lassen, dennoch war unsere Treppe zu gehen eine zu große Anstrengung für sie. Es ist ein rechtes Leiden mit ihr u. mir ein Kummer daß Wilhelm so viel Hauskreuz hat, er selber klagt auch oft u. sieht elend aus. Er wird nächste Wo= che nach England gehen um eine Maschine für die Fabrick, die sehr vergrößert worden ist seit dem Herbst durch eine neue Gießerei, selbst zu be= stellen. Er ist sehr viel auf Reisen in der Woche vor Weihnachten war er in Osnabrück, dort hat= te er August u. Doris viel munterer gefunden als im vergangenen Jahre u. die Kinder waren munter u. frisch. Von Hamburg habe ich auch gute Nachrichten, Hans schreibt daß Ida viel kräftiger u. gesünder sei wie seit Jahren sie es nicht gewesen. In Pulkowa war Peter 8 Ta= ge vor Weihnachten glücklich angelangt, einige
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Stunden früher als er erwartet u. durch Wagen von der Bahn abgeholt werden sollte. Von Pleßkow, wo der Weg nach Dorpat abgeht, hatte er allein reisen müssen, wie er auf der Station bei Pulkowa ausgestiegen hatte er sich seinen Kof= fer verschafft, dann einen Wagen u. war damit nach Pulkowa gefahren. Wie er so unerwartet ins Zimmer trat als Emma eben in der Dämmerung be= schäftigt war Kaffee zu kochen erkannte sie im er= sten Augenblick den ganz vermummten Jungen nicht, dann war die Freude natürlich sehr groß. Im Sommer reist Wagner nach Deutschland, erhält da= zu Reisegeld u. so hoffe ich daß er Emma u. die Kinder mit zu uns bringen wird. Der liebe Vater ist diesen Winter viel wohler wie im vergangenen Winter u. Sommer, freilich darf er nicht aus seiner Ruhe u. Ordnung kommen was allemal nachtheilig auf ihn wirkt. Einen günstigen Einfluß hat es gewiß auf seine Ge= sundheit daß er nicht länger wie bis Mittag arbeitet, Nachmittag lesen wir ihm vor u. so wie es dunkel wird muß ich mit ihm Schach spie= len, wenn ich krank bin spielt er mit Lina oder Frl. Sch. Du wirst gewiß, liebe Marie tief betrübt sein zu erfahren daß mich im neuen Jahre durch Frl. Sch.'s Verlobung mit einem hie=
