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[page 1, right-hand side of sheet 1]
Gotha, den 27ten Nov. 1871
Meine liebste Maria!
Heute kann ich Dir wieder selbst einige Wor= te schreiben u. Dir sagen wie sehr schmerzlich es mir gewesen daß Du eine so schwere, gefährliche Krankheit überstehen musstest. Nicht genug kann ich Gott dafür danken daß er Dir darüber hingeholfen hat u. Dir nach u. nach Genesung giebt. Bayards Brief mit der Nachricht von Deinen [sic] Kranksein kam gerade an dem Tag an wo ich krank wurde, wie sehr er mich mit Sor= ge erfüllte wirst Du Dir wohl denken können, wenn er es auch nicht sagte, so wusste ich daß Du sehr krank warst u. mein eigenes Leiden war nicht dazu geeignet mir Muth u. Gemüthsstär= ke zu heben. Hätte ich gleich erfahren daß Deine gute Schwiegermutter bei Dir geblieben, so hätte Ich doch einen großen Trost gehabt, es war mir zu schmerzlich Dich ohne eine treue u. erfahrene weibli= che Pflege zu wissen. Ich bin ihr so innig dank= bar dafür daß sie bei Dir blieb u. bitte Dich
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bald wieder u. seine Augen, obgleich sie recht schwach sind, sind doch besser wie zu Anfang dieses Jahres, nach u. [underline in pencil:] nach hat er sich auch daran gewöhnt stun= denlang ohne Beschäftigung zu sein. In der Dämmerung nimmt er jetzt immer das Schachspiel zur Hand u. setzt sich Spiele nach dem Schach= buch auf, lehrt es auch Lina u. Frl. Schilbach [/underline in pencil] zu spielen u. dabei geht ihm die Zeit recht hin, ich bin so froh darüber daß er sich diese Beschäftigung macht, vorigen Winter wollte er gar nichts davon wissen. Ich wollte Dir gerne noch vieles schreiben, meine liebe Maria, aber ich kann nicht, es greift mir den Kopf noch zu sehr an. Lina wird noch an Lilian schreiben. Ich werde es versuchen Briefpapier für sie un= ter Kreuzband zu schicken, wenn ich Euch doch nur noch etwas zu Weihnachten schicken könnte, der Verlust des Briefes mit den beiden Kragen hat mich abgeschreckt wieder etwas einzulegen. Ihr sollt es bekommen wenn Ihr nächstes Frühjahr kommt, wie sehr freue ich mich auf das Wiedersehen u. wünsche diese Zeit herbei. Jüngst wünsche ich, meine liebste Maria, daß diese Zeilen Dich wieder ganz gekräftigt erreichen mögen, die herzlichsten Grüße von uns an Euch Alle, Lieb Lilian einen Kuß. Gott behüte Euch! Mit innigster Liebe Deine Mutter.
[text on top of page 1, written upside down:] Ich werde diese Woche eine Papiterie für Lilian schicken u. bitte sie ihr erst zu Weihnachten zu geben. Ich lege etwas buntes Papier bei von dem sie allerlei an dem Christbaum verfertigen kann, Lina hat ihr ein paar Muster dazu beigelegt. [/text on top of page 1, written upside down]
