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[page 1, right -hand side of sheet 1]
Gotha, den 10ten April 1871
Meine liebste Marie!
Wieder ist eine Woche mehr verflossen ehe ich da= zu kommen konnte Dir zu schreiben, meine Zeit will gar nicht mehr ausreichen. Wenn ich auch nicht mehr so viel an Kopfweh leide wie den Winter durch, so kommt es doch immer noch oft u. durch des lieben Va= ters Augenleiden habe ich auch so manches für ihn zu schreiben, muß ihm die Briefe u. manches an= dere was ihm zugeschickt wird vorlesen, was mir da die jüngeren Astronomen mit sehr kleiner Schrift u. lateinischen Lettern schreiben oft recht schwer wird denn meine Augen sind ja auch schlecht genug u. muß ich meist zwei Brillen aufsetzen um die Briefe lesen zu können. Etwas Besse= rung ist bei des Vaters Augenübel wohl eingetre= ten, aber [underline in pencil:] sehr wenig, er arbeitet jetzt die Vor= mittage wieder weil ihm diese Unthätigkeit uner= träglich ist u. er behauptet das thuen zu können ohne daß die Augen sich dabei verschlimmerten. Er ist sehr angegriffen von Berlin zurück gekommen [/underline in pencil]
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Gute dabei herauszufinden, wenn ich auch fühlte wie schwer es für sie ist in der engen, nicht schönen Straße zu wohnen, so hat sie doch die Annehmlich= keit mit ihren [sic] Mann den Tag über in einem Haus zu sein, das Haus allein zu bewahren u. einen hübschen Garten dabei der ihr gewiß viel Annehmlichkeit gewähren wird. Und für immer wer= den sie auch nicht da wohnen, denn sie wollen ger= ne das Haus verkaufen. Da sein Theil desselben zum Löschwesen eingerichtet ist, so hoffen sie daß die städtische Behörde es kaufen wird. Es ist durch den Tod des Vaters eine gar zu empfindliche Lücke in die Familie gekommen, viel zu früh ist er ihr entrissen worden. Er ist nur 64 Jahre alt gewor= den. Von August u. Doris erhielt ich die Woche nach meinen [sic] Geburtstage Briefe, die Nachrich= ten die sie mir brachten beunruhigten mich mehr als daß sie mich erfreueten. Der kleine Andreas war in Folge des Zahnens lange Zeit unwohl u. sehr unruhig gewesen, hatte auch einen star= ken Ausschlag im Gesicht bekommen u. Doris die im July schon ihr zweites Wochenbett er= wartet, war äußerst angegriffen, durch die vie= le Unruhe die sie die Nächte mit dem Kinde ge= habt. Sie wird nächste Woche mit Andreas
[text on top of page 1, written upside down:] das Schriftchen welches Du mir zum Geburtstag bestimmt hattest, habe ich nicht erhalten. Nun, meine liebe Marie noch die herzlichsten Grüße von dem Vater u. mir an Dich u. Deinen lieben Mann u. lieb Lilian einen Kuß mit vieler Liebe. Deine Mutter. [/text on top of page 1, written upside down]
