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erstaunt darüber war wie die kleinen Finger= chen das fertig gebracht hatten, denn sie ist ein sehr zierlich kleines Figürchen. Sie waren beide glück= selig mir das bringen zu können u. machten mir viele Freude damit. Von allen Seiten waren liebe Briefe für mich eingetroffen, nur allein von August u. Doris nicht, das betrübte mich nicht allein nur, sondern es ängstigte mich auch denn noch bin ich nicht davon überzeugt ob August wirk= lich das eheliche Glück gefunden hat welches ich ihm so sehr wünsche, seit fast 2 Monaten habe ich kein Wort von ihnen erhalten. Augusts Rücksichtslo= sigkeit ist nicht leicht zu tragen u. ich weiß nicht ob Doris Geist u. Verstand genug hat sich in diesel= be zu finden u. einen in dieser Hinsicht besseren= den Einfluß auf ihn zu ermöglichen. Die Sorge darum liegt mir längst schwer auf der Seele. Wie sehr wir uns über den so heiß ersehnten Frieden freuen, kannst Du Dir wohl denken, vorigen Donnerstag kam der Kaiser hier durch, während der Zug hielt wurde ihm von der Hünersdorf ein Lorbeerkranz überreicht Fr. v. Holzendorf credenzte Wein u. Maria [?] Confeckt u. viele Bouquete wurden ihm überreicht. Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem mit Fahnen u. Guirlanden reich geschmückten Bahnhof versammelt, die alle entzückt von des Kaisers Freundlichkeit zurück kamen. Unser Herzog hat ihn nicht begrüßt, er war auf der Fasanenjagd in Siebleben. Die Stimmung über ihn ist eine sehr ungünstige
[text on top of page, written upside down:] hier, die ganze Kriegszeit hat er im Hauptquartier unthätig ver= bracht, unserm so tapferen Regiment nicht das geringste Opfer [/text on top of page, written upside down]
[text on top of page 5, written upside down:] gebracht, während die Herzöge von Meiningen u. Weimar die Mühseligkeiten ihrer Regimenter getheilt u. viele Gaben an [/text on top of page 5, written upside down]
[text at bottom of page 5, written upside down:] an dieselben gespendet haben. [/text at bottom of page 5, written upside down]
