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die einzig wahren Freunde von Wagners, sie haben diesen Sommer das Unglück gehabt ihren ältesten Sohn am Tiphus zu verlieren. Otto Struwe ist beim Ausbruch des Krieges in Paris gewesen u. wird nächsten Sommer auch wieder nach Deutschland reisen, er ist immer derselbe Egoist. Da Du in keinen [sic] Deiner Brie= fe etwas von Otto Braun's Verlobung erwähnt hast, so vermuthe ich fast daß ich ganz vergessen habe Dir davon zu schreiben. Im Oktober soll die Hochzeit sein, wenn es Friede wird. Hans wird Dir gewiß davon gesagt haben. Noch ehe Dein Brief ankam erhielten wir durch Ida, an die Deine Schwie= germutter geschrieben, daß die alten Leute Lausan= ne glücklich erreicht hatten u. waren sehr froh da= rüber. Daß Ihr Euch sehr um sie geängstigt habt beim Ausbleiben der Nachrichten von ihnen be= greife ich wohl u. bedauere es. Die Schwester der Frau Schreiber wird ja wohl nun noch reisen da die deut= schen Schiffe wieder nach Amerika gehen, sie soll jünger sein wie diese u. wird deßhalb wohl keine große Stütze für sie sein können. Ich hoffe sie nimmt nur etwas für Euch mit. Lilian habe Ich vorige Woche etwas buntes Papier geschickt, auch habe ich noch einmal Tageblätter an Dich abgeschickt, da Du schon eine deutsche Zeitung hälst, werden sie Dir wohl wenig neues bringen. Wir haben
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schon vollkommenen Herbst, zwar ist es durch den vielen Regen noch recht grün u. die Blumen in den Gärten blühen aufs üppigste, aber es ist so kalt daß man nichts davon genießen kann, das ganze Jahr durch ist so kalt gewesen bis auf 4 Wochen in denen wir sehr warm hatten. Im August mussten wir schon wieder anfangen des Morgens zu heizen. Mit meinen [sic] Fräulein bin ich ganz zufrieden, obgleich ich ihr noch viel lernen muß, was mir bei meiner Schwäche oft schwer wird, so ist es mir doch eine Wohl= that jemand zu haben das willig ist alles nach meiner Art zu thuen u. immer unermüdet u. munter ist. Auch der gute Vater hat sich sehr leicht an sie gewöhnt. Vorige Woche ging es ein= mal mit Onkel Buflebs Befinden nicht gut, der Geist war wieder ganz verwirrt, die heftigen Stürme die wir hatten mochten wohl Ursache da= von sein. Emma Br. ist vor 14 Tagen in's hiesige Irrenhaus gebracht worden, mir ist es eine wah= re Beruhigung daß dadurch der armen Tante eine große Last abgenommen worden ist. Madlung hatte längst dazu gedrungen aber die Tante konn= te sich nicht dazu entschließen bis endlich Emma so widerspenstig u. böse gegen die Tante selbst wurde daß sie es nicht mehr ertragen konnte.
