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Gotha, den 18ten August 1870.
Meine liebste Marie!
Gern hätte ich Dir schon früher Deine beiden lie= ben Briefe beantwortet u. für diesel= ben gedankt, aber ich war in der ganzen Zeit recht leidend u. angegriffen u. kam deßhalb nicht zum Schreiben. Geistig habe ich mich ja stark erhalten aber auf meinen Körper hat doch der Schmerz über die große Nacht die über unser armes Deutschland ge= kommen u. der Jammer der schon so viele Fa= milien getroffen einen schlimmen Einfluß gehabt. Die gemüthliche Aufregung in der man beständig lebt ist gar zu groß, die Nachrichten von den Schlachtfeldern gar zu ergreifend u. auch hier in Gotha ist schon manche Familie in tiefe Trauer versetzt. Ich schreibe nicht ausführlicher über dieses traurige Thema, es würde mich zu sehr angreifen u. schicke Dir wieder unse=
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nicht über Deutschland fortzusetzen, sie wäre äußerst beschwerlich für sie geworden u. bei der sehr gedrückten traurigen Stim= mung die auf allen Gemüthern liegt hät= ten sie sich nicht so behaglich fühlen kön= nen wie wir wünschen daß es ihnen bei uns sein möchte. Wir hätten gar zu gern erfahren ob sie Lausanne glücklich u. ohne Hindernisse erreicht haben, es scheint aber nicht daß sie uns eine Nach= richt darüber geben u. so muß ich mich geduldigen bis ich durch Dich von ihnen höre. Die Sprache hindert mich ja mich brief= lich an sie selbst zu wenden. Nun, lie= be Marie, muß ich Dir aber vor allen andern sagen daß Doris am 26ten July von einem kräftigen Knaben glücklich entbunden worden ist, August bat mich es den Geschwistern mitzutheilen. Wir haben uns sehr darüber gefreut daß es ein kleiner Stammhalter ist u. August scheint auch sehr glücklich über den kleinen Sohn zu sein. Doris ist noch angegrif= fen wie ich aus einen [sic] Brief von August den ich gestern erhielt sehe, das Stillen
