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Gotha, den 24ten Januar 1870
Meine liebste Marie!
Es sind dießmal wohl fast 4 Wochen ver- gangen seit ich Dir das letzte mal schrieb, ich habe in dieser Zeit so sehr viel an Kopfweh gelitten u. dabei recht viel Aufregung durch das Einrichten einer neuen Köchin gehabt was mich hinderte früher zu schreiben. Für Deinen lieben Brief vom 27ten Dez. danke ich Dir herzlichst, ich freue mich aus dem- selben zu sehen daß unsere Geschenke Euch willkommen waren u. Vergnügen gemacht haben. Auch über Lilian's Briefchen habe ich mich sehr gefreut u. schicke ihr den besten Dank dafür, es ist ihr gewiß nicht leicht ge- worden sich gleich in ihrer Weihnachtsfreu- de hinzusetzen um einen Brief zu schreiben, darum hat es mich aber auch um so mehr gefreut daß sie mir geschrieben. Ich dachte mir daß die kleine Puppe ihr Freude machen würde u. habe sie darum mit vielem Vergnügen
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mir sein Zustand doch noch nicht schlimm zu sein. Die arme Tante war heute recht angegrif- fen, es ist auch wirklich ein gar zu trostloses Lei- den, am aller schwersten wird ihr seine geisti- ge Zerüttung zu tragen, darein kann sie sich gar nicht finden u. versucht immer noch ihn durch Zureden von seinen fixen Ideen abzubringen. Daß er dabei bleibt nicht zu Hause zu sein, die eigenen Räume für fremde hält, seine eigenen Sachen oft nicht kennt, das alles ist ihr so schrecklich. Länger wie bis zum Frühjahr wird er wohl nicht mehr dieses Leiden aushalten, das fortwährende Näs- sen, dem gar kein Einhalt zu thuen ist macht den Körper aufreiben. Es ist nur ein Glück daß die Tante an Ida ein bewährtes Mädchen hat das treulich aushält, nicht viele wird es geben die sich dazu verständen das alles mit durchzumachen ohne eine Hülfe noch dabei zu haben. Früher war ich auch so sehr dafür daß sie eine Hülfe zur Pflege nehmen sollten, jetzt aber rathe ich auch nicht mehr dazu, es würde nur eine Plage für die Tante sein u. ihm auch unangenehm, denn er ist so sehr an ihre Pflege gewöhnt, zeigt sich ihr auch immer so dank-
[text continued on top of page 3, written upside down] bar. [?] bitte ich zu grüßen, ich freue mich daß sie die Kleinigkeit freundlich angenommen. [/text on top of page 3, written upside down ]
[text on top of page 2, written upside down] Geheimrath Brauns geht es gut. Ich bitte auch Hans Braun zu grüßen. [/text on top of page 2, written upside down]
[text on top of page 1, written upside down] Dem lieben Vati geht es gut, er ist sehr fleißig u. schickt Euch herzliche Grüße. An Bayards Geburtstag haben wir seiner mit den besten Wünschen gedacht. Nun leb wohl, lieb- ste Marie, grüße Deinen lieben Mann recht herzlich u. für lieb Lilian einen Kuß. Gott erhalte Euch alle gesund! Deine Mutter. [text on top of page 1, written upside down]
