Eugen and Lisbeth Haas to Eugen Klee, February 13, 1921, p. 4 - image of
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Liebe Tante! Lieber Onkel!
Schon lange wollte ich Euch, meine Lieben, auch einmal einige Zeilen schreiben, aber ich kam immer nicht dazu. Jetzt, wo Ihr mich aber wieder so nett bedacht habt, kann ich nicht umhin, Euch meinen innigsten Dank selbst auszusprechen. Ich habe immer sehr viele Arbeit. Im Sommer im Garten und im Winter wird genäht, geflickt und gestrickt. Ich nähe für unsern kleinen Liebling alles selbst. Bis jetzt hat sie noch wenig neue Sachen bekommen, sondern ich verwerte Reste oder Kleider, die ich nicht mehr tragen kann, für sie. Ich bin sehr froh um die Kleidchen und Hosen, denn jetzt hat sie doch weder etwas Schönes für den Sommer. Es paßt ihr alles recht gut. Auch über meine Sachen freute ich mich außerordentlich, denn ich kann sie gut gebrauchen. Das Samtkleid ist wunderschön, nur muß es um die Armlöcher etwas ausgeschnitten und der Rock einwenig gekürzt werden. Die Bluse paßt sehr gut, ebenso auch die Wäsche. Helenchen ist ein Kleiner Wildfang, manchmal fast zu lebhaft. Ich bin oft froh, wenn sie Abends im Bett ist und ich noch eine ruhige Stunde habe. Ihr werdet sicher viel Freude mit ihr haben und nun schreibt aber bis wann Ihr zu kommen gedenkt; denn wir freuen uns doch sehr darauf. Bleibt nur recht lange bei uns und wir wollen tun, was in unsern Kräften steht, um Euch, Ihr Lieben, den Aufenthalt bei uns so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir schulden Euch sehr viel Dankbarkeit und wollen einigermaßen gut machen, was Ihr uns schon getan habt, indem wir Euch schöne, gemütliche Tage in Knittelsheim und seiner schönen Umgebung bereiten. In herzlicher Liebe! Euere Lisbeth.
