Eugen and Lisbeth Haas to Eugen Klee, February 13, 1921, p. 1 - image of
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Knittelsheim, 8./13. Februar 1921.
Lieber Onkel! Liebe Tante!
In einer heilen Zeit tiefster deutschen Erniedrigung senden wir Euch unsere Grüße. Ich will schweigen! Wann wird dieses Jammerlied ausgeklungen haben? Morgen soll Fastnacht sein. Alles ist stumm und still, kein Jubel, kein Trubel! Angesichts der harten Pariser Beschlüsse sind jegliche Veranstaltungen, wie sie sonst diese Zeit mit sich gebracht hat, abgebrochen worden. Und es ist gut so; denn wir brauchen uns nicht mehr auszutoben vor der Leidenszeit, weil wir längst in ihr darinnen stehen. Des Leids ist’s bald zu viel. Wie lange solls noch dauern? Wann und wie solls enden? – Unsere Weihnachten und Neujahr verbrachten wir in stillster Zurückgezogenheit daheim im traulichen Stübchen. Unser Kindchen hatte seine helle Freude am Lichterbaum und wir beide Alten freuten uns an uns selber und gemeinsam mit unserm Helenchen. Ihr lieben Beide habt diese Zeit im schönen Atlantic City verbracht, wie uns Eure Karte gemeldet. Da habt Ihr gewiß schöne Zeiten verlebt und Deiner Gesundheit, lieber Onkel, werden die Tage wohl getan haben. Wir konnten uns gar nicht denken, was die Ursache Eures langen Schweigens sei, bis wir zuerst aus den Zeitungen und einige Tage danach aus Deinem Briefe, lieber Onkel, entnahmen, daß Du so schwer krank warst. Wir freuen uns recht von Herzen, daß Du wieder hergestellt bist und danken vielmals unserer lieben Tante für ihre hilfreichen Hände und aufopfernden Hilfeleistungen an Deinem Krankenbette. Wir wünschen und hoffen, daß Ihr Euch beide durch Eure Reise zu uns wieder recht erfrischen und erholen möget! Der Heimatboden, lieber Onkel, soll ja nach einer alten Sage die stärksten Kräfte geben. Ich fühls an mir; denn trotz alledem stehen wir stolz und aufrecht auf deutscher Erde. Wie lange wird sie bei uns noch deutsch sein? Zürnt mir nicht, daß ich meinem heutigen Briefe nicht von den harten Gedanken frei komme – sie lasten zu schwer auf uns alle. – Als eine recht große Aufmerksamkeit und als ein ganz besonders schönes Zeichen gedenkender Liebe haben wir vernommen, daß unsere liebe Tante trotz ihrer damals arbeitsreichen Zeit unser zu Weihnachten gedacht und uns die schönen Weihnachtspakete gefertigt hat. Wir sagen ihr ganz besonders, aber auch Dir, lieber Onkel,
