Eugen and Lisbeth Haas to Eugen Klee, January 5, 1920, p. 4 - image of
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gegangen sei bei dem großen Inhalt der Kiste und weil ich nicht besonders erwähnt hätte,
wie sehr sie sich über die für sie bestimmten Dinge, besonders über den schönen schweren Mantel–
[roman:]Persianer[/roman] – gefreut habe. Das sei hiermit nachgeholt. Sie hat sich nämlich den ganzen Herbst schon
einen Mantel gewünscht und ich habe sie immer auf die Kiste vertröstet mit dem Hinweis,
daß dort vielleicht einer darinnen sei. Daher die große Freude darüber.– Das amerik.
Maß haben wir auch gefunden, doch haben wir gar nicht den Mut, nach solch‘ reicher Sendung, mit
Wünschen an Euch heranzutreten. Das gleiche gilt auch von den versprochenen Lebensmitteln. Bei
uns geht eben alles hart auf hart und die Lebensmittelerzeuger werden mit ihren For=
derungen immer unverschämter und verlangen jetzt die Aufhebung der Zwangswirtschaft.
Ob die Regierung gewachsen ist? Wenn nicht– dann wehe uns! Dann wird das
kommende Jahr noch schlimmer als das vorhergehende. Großes wird von Amerika
geleistet, was allgemein in der Zeitung Anerkennung findet. In den Städten sieht es
ja auch traurig aus. Einige Zeitungsnotizen, welche[insertion:][in pencil] beiliegen, (mitfolgen in besonderem Umschlag)[/insertion] geben Aufschluß. Es liegt
z.B. eine Anzeige über Pferdefleisch bei. Eine solche hätte man doch früher mit einem Vergrößerungs=
glas suchen müssen in einer deutschen Zeitung. Heute werden in Städten wie Ludwigshafen
wöchentlich 70 – 80 Pferde geschlachtet. Auch eine Mitteilung über ein Eisenbahnunglück in
Speyer liegt bei. Ich war mit meiner lieber Lisabeth – von Heuchelheim kommend – in dem
Unglückszug im zweitvordersten Wagen. Der Zusammenprall war furchtbar. Doch wir
kamen mit dem Schrecken davon. Auch einige schulische Artikel liegen bei, aus
welchen Ihr einen Einblick in die jetzigen schulischen Verhältnisse gewinnen könnt.
Erwähnen möchte ich noch, daß wir für den Inhalt der Kiste keinen Zoll zu zahlen
brauchten, obwohl sie außen den Vermerk “Zollgut“ trug. ─
Und nun möchte ich zum Schlusse kommen, Euch noch mitteilen, daß in
unsern Familien noch alles wohl ist, und Euch bitten, bald wieder einige
Zeilen uns zukommen zu lassen. Wir freuen uns sehr darauf.
In der Hoffnung, daß das kommende Jahr ein Friedensjahr werde – endlich – endlich – wünschen wir Euch alles Gute und sind in dankbarer Liebe die Euren: [roman:]Eugen, Lisbeth[/roman] u. [roman:]Helenchen. [/roman]
NB: die Zeitungsausschnitte nebst No. 51 der Illust. Zeitung gehen im besonderm Umschlage fort.
Darf ich Euch um etwas Zigarettentabak bitten. Ich möchte hie und da nach der Schule gern meine kleine Pfeife rauchen. Da kann man so gemütlich dabei ruhen und die Sorgen verdampfen. Ich habe mir letzthin etwas amerikanischen gekauft u er hat recht gut geschmeckt. Übrigens ist das Rauchen ein Beweis meiner – Lungenreinheit, die ich nur Dir, lieber Onkel, durch die vielen Reisen zu danken habe.
[left margin, rotated 90°, top to bottom] Euer letzter Brief war nicht geöffnet worden. Schreibt mir, ob meine censiert sind.
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gegangen sei bei dem großen Inhalt der Kiste und weil ich nicht besonders erwähnt hätte, wie sehr sie sich über die für sie bestimmten dinge, besonders über den schönen schweren Mantel- Persianer- gefreut habe. Das sei hiermit nachgeholt. Sie hat sich nämlich den ganzen Herbst schon eien Mantel gewünscht und ich habe sie immer auf die Kiste vertröstet mit dem Hinweis, daß dort vielleicht eines darinnen sei. Daher die große Freude derüber. - das amerik. Maß haben wir auch gefunden, doch haben wir gar nicht den Mut, nach solch reicher Sendung, mit Wünschen an Euch heranzutreten. Das gleiche gilt auch von den versprochenen Lebensmitteln. Bei uns geht eben alles hart auf hart und die Lebensmittelerzeugen werden mit ihren For- derungen immer unverschämter und verlangen jetzt die Aufhebung der Zwangswirtschaft. Ob die Regierung gewachsen ist? Wenn nicht -- dann wehe uns! Dann wird das kommende Jahr noch schlimmer als das vorhergehende. Großes wird von Amerika geleistet, was allgemein in der Zeitung Anerkennung findet. In den Städten sieht es ja auch traurig aus. Einige Zeitungsnotizen, welche beiliegen, (mitfolgen in besonderen Umschlag) geben Aufschluß. Es liegt Z.B. ein Anzeige über Pferdefleisch bei. Eine solche hätte man doch früher mit einem Vergrößerungsß glas suchen müssen in einer deutschen Zeitung. Heute werden in Städten wie Ludwigshaften wöchentlich 70ß80 Pferde geschlachtet. Auch eine Mitteilung äber eine Eissenbahnunglück in Speyer liegt bei. Ich war mit meiner lieber Lisabeth- von Heuchelheim kommend - in dem Unglückszug im zweitvordersten Wagen. Der Zusammenprall war furchtbar. Doch wir kamen mit dem Schrecken davon. Auch einige schulische Artikel liegen bei, aus welchen Ihr einen Einblick in die jetztigen schulischen Verhältnisse gewinnen könnt. Erwähnen möchte ich noch, daß wir für din Inhalt der Kiste keine Yoll yu yahlen brauchten, obwohl sie außen den Vermerk Zollgut trug. Und nun möchte ich zum Schlusse kommen, Euch noch Mitteilen, daß in unsere Familie noch alles wohl ist, und Euch bitten, bald wieder einige Zeilen uns zu kommen zu lassen. Wir freuen und sehr darauf. In der Hoffnung, daß das kommende Jahr ein Friedensjahr werde - endlich - endlich - wünschen wir Euch alles Gute und sind in dankbarer Liebe die Euren: Eugen, Lisbeth u. Helenchen.
NB: die Zeitungsausschnitte nebst No. 51 den Illust. Zeitung geghen im besonderen umschlage fort.
Darf ich Euch um etwas Zigarettentabak bitten. Ich möchte hie und da nach der Schule gern meine kleine Pfeife rauchen. Da kann man so gemütlich dabei ruhen und die Sorgen verdampfen. Ich habe mir letztlich etwas amerikanischen gekauft u es hat recht gut geschmeckt. Übrigens ist das Rauchen ein Beweis meiner - Lungenreinheit, die ich nur dir, lieber Onkel, durch die vielen Reisen zu danken habe.
On margin: Euer letzter Brief war nicht geöffnet worden. Schreib mir ob meine censiert sind.
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