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Post geht nicht kein Omnibus u. keine Straßenbahn. Wir haben jetzt hier die Ame= rikaner links vom Rhein ist der Franzose, da dieser Mainz hat wollte er auch Wies= baden. Wir sind alle froh daß es nicht geworden ist. An allem Unglück was wir leiden ist nur Hitler u. Genossen schuld. In 18 war es noch gut, aber jetzt ist Deutsch= land erledigt. Jetzt sind die Bezirke auch ganz abgeschlossen voneinander, dadurch ist es auch mit den Lebensmittel so schlecht. Wir bekommen wöchentlich 5 Pfd Kartoffel 3 Pfd Brot 75 Gramm Butter 175 Fleisch, daß davon niemand leben kann weiß jeder. Zu allem Unglück haben wir auch hier noch ein Durchgangslager der Polen hier liegen Tausende Polen heute noch u. rauben u. fressen die ganze Stadt aus. In Nordenstadt ist nichts passiert Wilhelm war nicht im Krieg, sein Sohn ist schon groß war aber auch nicht fort. Wilhelms Frau ist ganz tüchtig sie hat uns schon manches zukommen lassen. Heute Abend will Johanna mit einem Schuhvertreter welcher ein Auto hat hin um Kartoffel zu holen. Gemüse holen wir uns auch als bei einem Gärtner, diesen kennt Johanna vom Geschäft Sonst würden wir dieses auch nicht bekommen. Der Ernst Emmel hatte seine Familie nach Allendorf gebracht, er arbeitet eben auf dem Flugplatz da er sonst keine Arbeit mehr hat. Die Beamten welche in der Partei waren werden eben alle entlassen, Wilhelm hat auch seinen Rechnerposten verloren, frühere Komunisten [sic] sind in alle Gemeindeämter gekommen, was da heraus kommt ist sicher auch nichts Gutes. Viele mußte ja in die Partei gehen um ein Amt zu bekommen. Die einzigen Arbeiter welche gesucht werden sind Bauhandwerker Mauerer u. Schreiner sind fast keine da. Dem Bechtheimer Wilhelm ist sein ältester Sohn auch gefallen u. auch 1 Schwiegersohn. Eben kommen viele Soldaten heim aber wie, es ist zum weinen. In Steeden sind auch viele gefallen. Ernst u. Luise Bender ihr einziger Sohn Albert (Willys Pate) ist vor 3 Jahren in Rußland gefallen. Vietors Ältester ist bei Stalingrad geblieben, Frankfurter Walther Martin ist als Sanitäter im Krieg gewesen u. auch noch nicht zurück. Für Landleute ist das furchtbar ihnen bleibt nur die Arbeit, Prätoriuse in Steeden ist auch einer gefallen. Hanjuste Goth lebt noch, Karls Sohn Heinrich [illegible, text cut off]
[text on top of page 1, written upside down:] Ms. [?]ing die diesen Brief mit nimmt be= suchte unsre Kirche. E. fährt nach Amerika. Er will den Brief Euch schicken es kann sein daß er in London erst noch bleiben muß. Er ist ein [?] von Chicago.
Vielleicht könnt Ihr [?] mal erreichen. Wir werden wohl Ge= legenheit jetzt als mal bekommen etwas [?] [?]. Behüt Euch Gott u. seid herzl. gegrüßt von Euerer Schwester. [/text on top of page 1, written upside down]
