Caroline and Wilhelm Emmel to Karl Emmel, December 8, 1938, p. 6 - image of
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küche noch nicht einmal elektrisches Licht ist vielweniger [sic] ein Stecker. Die
Frauen hier im Hause bürsten alle Wäsche einige halten sich Waschfrauen die andern
machen es selbst. Über den Wringer habe ich an Willy geschrieben. Du mußt wissen
daß Johanna sehr genau ist u. wo sie denkt sich um eine Anschaffung zudrücken [sic]
fallen ihr auch die zurückgelassenen Brocken ein. Doch von drüben etwas hierher
schicken da kann man es hier auch Neu kaufen denn Zoll u. Porto sind ja hier
viel zu hoch. Sogar Geld wenn es über Berlin geht, es gibt für den $ 2,50 Mrk
u. Trebusse welche von Julius als etwas erhalten wurde bei 5 $ noch 75 Pfg extra
abgezogen. Das geht alles in den großen Sack, wo auch jetzt die großen
Vermögen - Ich will nicht über Sachen schreiben was ich nicht darf. Hoffentlich
kommen die Sachen für die Kinder gut an, u. freuen Euch. So Kleinigkeiten
nimmt ja die Post an. Hier war es bis jetzt noch garnicht kalt aber regnen
tut es jeden Tag. Da wird der Winter wohl erst nach Weihnachten kommen.
Viele Feiertage haben wir dieses Jahr nicht ob wir uns ein Bäumchen
machen weiß ich noch nicht. Hier brennen sie immernoch [sic] meistens Kerzen.
Eben ist Abends ein Gedränge in der Kirch u. Langgasse daß man
fast nicht durch kam. Hier gehe ich auch oft in die Stadt wenn ich durch
die Wellritzstr. den Michelsberg hinunter gehe was 10 Minuten macht
bin ich mitten in der Stadt. Eben war der Alfred Fink hier, er bringt uns
zweimal die Woche Brot von Biebrich mit dem Motorrad. Er ist ein Kollege
vom Bäcker Karl, Albert Fink kaufte ein Haus mit Bäckerei in Biebrich
für ihn u. da muß er jetzt schaffen. Er sagte als ich ihn nach dem Geschäft frug
Mein ganzes Leben ist Sorgen u. schaffen. Er hat mehrere Leute zur Arbeit
aber die Lasten sind unerträglich, da kann sich Karl drüben trösten
seinen Kollegen hier geht es auch nicht besser als ihm. Die kleinen Betriebe
sollen hier alle hinweg. Ich hörte dieser Tage jetzt dürften Schneiderinnen
nicht mehr allein zu Hause nähen u. auch nicht mehr bei die Leute ins
Haus gehen, alles ist nur für die großen Geschäfte welche dann viel Steuern
zahlen können. So Ihr Lieben jetzt ist auch mein Bogen bald voll u. ich muß
zum Ende kommen. An Euch Allen möchte ich recht frohe Weihnachten u. ein
[illegible, text cut off]
