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New - York, 142. East 18th St. Dec. 3. 1875
Meine liebste Mutter!
Vielen herzlichen Dank für Deinen lieben Brief vom 7. v. Mts. u. Deine liebe= volle Fürsorge uns zu Weihnachten Freude zu bereiten. Ich wünschte nur, daß ich Dir zugleich mit diesem Brief die Ankunft des Pakets melden könnte. Es muß wohl mit einem spätern Dampfer abgegangen sein u. würde somit noch nicht in meinen Händen sein können. Unterdessen habe ich ein paar bescheidene Weihnachtsgeschenke für Dich u. die beiden Kinder abgesandt. Es ist mir dabei aber unglücklich gegangen, denn ich habe mein Geschenk für Dich zurück= lassen müssen. Ich hatte nämlich alles in einen Paketkasten sehr schön und sorgfältig verpackt u. als ich damit auf die Post kam, wurde ich abgewiesen; es sei ein neues Gesetz kürzlich erlassen worden, wo= nach nicht mehr als ein halbes @ von hier aus geschickt werden könnte. Ich musste also meine Kästen wieder auspacken, mein Geschenk der Zerbrech= lichkeit wegen zurück lassen u. die andern Kleinigkeiten in 4 verschiedene Päckchen verpacken, die nun hoffent= lich richtig ankommen. Da Zettel u. Namen an den Gegenständen sind, lässt Du sie wohl eingepackt bis zur Bescherung der Kinder, sollten sie nämlich vorher eintreffen.
Um zuerst Deinen lieben Brief zu beant- worten, so muß ich Dir abermals versichern, wie froh es mich macht, daß Du einen Dir so zusagenden u. vernünftigen Arzt
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für die deutsche Ausgabe umgeschrieben. Alles das freilich rechnet der Verleger nicht. Er zahlt blos für die Übersetzung u. als solche habe ich den gewöhnlichen Preis be= kommen.
Wir haben seit 4 - 5 Tagen urplötzlich die empfindlichste Kälte - ein Wind schneidend kalt. Bayard, der arme, musste gerade zu Anfang dieser bittern Tem= peratur fort u. kommt vor morgen Abend nicht zurück u. dann nur um sich über Sonntag hier auszuruhen. Mir hat die scharfe Luft einen wesent= lichen Dienst erwiesen. Ich bin [Insertion] dabei [/Insertion] jeden Tag ausgegangen u. habe ordentlich gefühlt wie sie mich stärkte. Ich fühle mich jetzt wieder so bei Kräften, wie vor meiner Krankheit. Lilian hat Dir selber geschrieben. Unser Leben ist jetzt ein so stilles, daß ich nichts davon zu berichten habe. Meine Schwiegermutter hat uns zu Anfang der Woche wieder verlassen. Ida geht es, da sie [Insertion] sich [/Insertion] wieder mehr schonen kann, viel besser.
Du brauchst doch gewiß einen Baum für die Kinder u. ihre Freude wird auch Dir eine Freude sein. Gar gern hätte ich der guten Tante Auguste etwas mitgeschickt, meine Krankheit hat mich aber an vielem was ich mir vorgenommen hatte, ver= hindert. Wir werden das Fest jeden= falls still verleben; ohne unerwachsene Kinder, ist es doch kein richtiges Weih= nachten. Grüße Hans u. die lieben Kinder vielmals. Möchtest Du das Fest wenigstens gesund verleben! Deine Dich innig liebende T. Marie.
