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page 2 [left hand]:
hebt das] heraus, was den lieben
Vater am meisten charakterisirte:
- sein unermüdlicher u. wahrhaft stau=
nenswerther schaffender [insertion] Fleiß [/insertion] Geist, seine
Hingebung an die Wissenschaft, seine
Wahrheitsliebe, seine Geradheit
u. unerschütterliche Ehrbarkeit. Auch
die liebenswürdige Seite seines Wesens
lässt er nicht unberührt, u. hat er ihm
so doch im Ganzen ein werthvolles
Denkmal gesetzt. Halte den Nekrolog
u. die Grabrede zusammen, so ergänzt
das eine das andere u. giebt ein
herrliches Lebensbild. Von den zwei
an Wilhelm geschickten Exemplaren,
muß sicherlich eins für Dich bestimmt
gewesen sein. Er würde Dich gewiß
nicht übergehen. Wer trägt aber
wohl die Druckkosten? Da der Nekrolog
als Broschüre u. nicht in einer Zeitschrift
herausgekommen, so können die Unko-
sten nicht unbeträchtlich sein.
Ich bin unausgesetzt dankbar, liebe Mutter, für das gute Geschick, das Dir einen so treff= lichen Arzt gesandt hat. Nach allem was Du erwähnst scheint er mir ein aufge- klärter u. dem Fortschritt zugewandter Mann zu sein, der gerade für Dich passt. Daß die Körperschwäche sich noch nicht gegeben hat, wundert mich nicht. Das kann allerdings nicht in kurzer Zeit beseitigt werden. Aber allmälig wird es bei guter Behandlung gewiß besser
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werden. Wenn Du Dir den Besuch in
Gotha noch nicht zutraust, so f wäre
ich der Meinung, daß Du ihn dieses
Jahr lieber unterließest. Ich halte es
auch für besser, daß Du erst mehr zu
Kräften kommst. Ich hoffe aber recht,
daß die Tante Dich besucht. Die Arme, was
hat sie wieder durchmachen müssen!
Daß Grethchen schon so bald wieder auf
die Schulbank musste, thut mir leid. Man
ist doch hier in dieser Beziehung viel weiser
Es gehen die Schulen nicht eher wieder an
bis die kühle Witterung eingetreten ist,
u. ich sehe nicht daß die lange Ferienzeit
im geringsten nachtheilig auf die Schul=
Bildung einwirkt, im Gegentheil gehen
die Kinder mit größerer Lust u. frischeren
Kräften an das Lernen.
Wir erwarten Lilian Ende dieser Woche zurück. Heute früh sollte sie von [roman:]St. John[/roman] abreisen. Sie hat sich natürlich herrlich amüsirt. Aber vielmehr haben wir brieflich nicht erfahren. [roman:]Bayard[/roman] hat am 28. Aug. zur Feier des 126. Geburtstags Göthe’s eine Fest - Ode geschrieben u. vorgetragen welche in’s Deutsche übersetzt wird. So= bald sie erscheint, werde ich sie Dir schicken. Die Göthe - Schule in [roman:]N. Y.[/roman] hatte das Fest veranstaltet u. [roman:]B.[/roman] gebeten die Ode für die Gelegenheit zu schreiben. Ich erhalte eben meine tägliche Epistel von ihm. Er ist munter u. sagt, daß Ida alles sehr gut besorgt.
Wir haben hier, nach großer Nässe, ein prachtvolles aber sehr heißes Sommer=
