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Transcribe Page - Marie Taylor to Lina Hansen, September 1, 1875

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[page 1 =right side]

Cedarcroft, Sept. 1. 1875

Meine liebste Mutter!

[roman:] Bayard [/roman], der vor einigen Tagen zur Göthe - Feier nach N. Y. gehen musste, u. nun dort bis zu Lilian's Rückkehr war- tet, schickte mir vorgestern Deinen lieben Brief u. den Nekrolog. Du kannst wohl glauben, daß ich den letztern unverzüglich durchlaß. Um des Ganzen Willen solltest Du aber wohl Nachsicht mit Scheibner haben wegen der einen Ungeschicklichkeit. Freilich ist der Satz taktlos u. dabei äußerst schwerfällig u. hätte er gewiß Weingar= tens Namen weglassen sollen, dennoch aber ist dieser Umstand, von seiner Feder kommend, nicht von solcher Wichtigkeit, daß es etwas ausmachte. Er schreibt nicht Geschichte. Sie wird in den Annalen der Wissenschaft einen Jeden auf seinen richtigen Platz stellen. Du beruhigst Dich gewiß leichter darüber, liebe Mutter, wenn Du die Sache von einem höheren Standpunkte aus betrachtest u. bedenkst, daß der liebe Vater , in jenem bessern Leben, wenn Kunde aus diesem Erden= rund zu ihm dringen könnte, Vieles ganz anders beurtheilen würde als bei Lebzeiten u. daß Dinge, die ihn hier tief verletzten, ihm jetzt null u. nichtig u. nicht der Beachtung werth er= scheinen würden. Der Nekrolog, wie dürftig er auch sonst ist, ist dennoch mit großer Gewissenhaftigkeit u. einer auf= richtigen Verehrung geschrieben u.

[page 4 =left side]:

wetter. Vor 8 Tagen ist die Familie [roman:] Lamborn [/roman] von hier nach [roman:] Colorado [/roman] abge- reist. Du kannst Dir einen Begriff von der Entfernung ihres neuen Heimath= ortes machen, wenn ich Dir sage, daß sie ihn nur nach einer Eisenbahnfahrt von 5 Tagen (Tag u. Nacht) erreichen können! Meine Schwiegermutter ist jetzt eben gar nicht wohl. Ihr Magen ist in Unordnung u. es fehlt der Appetit. Sie ist überhaupt, ihrer Hülflosigkeit wegen, sehr zu bedauern. Sie kann sich oft nicht allein an- u. auskleiden, kann sich nicht mehr die Haare kämmen u. sich den Hals nicht waschen. Oftmals kann sie nicht eine Tasse in der Hand halten u. über= haupt nicht zufassen. Nur das Nähen geht noch u. das wohl nur weil sie den Finger beständig in der Übung erhält. Sie ist sehr bekümmert über ihren Zustand. Mein Schwiegervater wird nächste Woche 80 J. alt - ein Alter was unserm guten Vater versagt worden ist. Ich weiß aber wirklich nicht ob es immer ein Glück zu nennen ist ein solches Alter zu erreichen. Allerdings so lange die Gesundheit uns bleibt u. der Geist rüstig ist. Der Schwiegervater ist wohl körperlich noch recht kräftig, sonst aber kommt er mir oft recht kindisch vor u. geräth seine Verdauung in Unordnung, so verwirren sich sogar seine Gedanken. [roman:] Carey’s [/roman] befinden sich sehr wohl, [roman:] Annie [/roman] hat aber zu viel auf sich liegen u. scheint es mir mitunter, als ob sie sich sammt den Ihrigen nach der Schweiz zurücksehnte.

Viele herzliche Grüße von der ganzen hiesigen Familie. Grüße auch Hans u. die Kinder recht freundlich von mir u. habe recht vielen Dank

[margin, page 1, end of letter] für alle Nachrichten die Du mir in Deinem lieben Briefe mit= theilst. Möchte es mit Deiner Gesundheit immer besser gehen! Deine dich innig liebende Tochter Marie. [/margin, page 1, end of letter]


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