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[page 1 (sheet 1, right-hand side):]
New - York, Jan. 22. 1875
Meine liebste Mutter!
Vergebens habe ich seit 14 Tagen auf einen Brief von Dir gehofft u. meinen eigenen Brief in der täglichen Erwar- tung, etwas von Dir zu hören, aufgeschoben. Um Dir keine unnöthigen Sorgen zu verursachen, schreibe ich nun diese Woche noch mit dem Bremer Schiff. Daß ich mich um Dich recht sorge u. fürchte, Du seist krank, oder sonst etwas Trübes halte Dich vom Schreiben ab, ist wohl begreiflich. Wäre es nicht, daß ich vor 8 - 10 Tagen Die von Deiner Hand addressirten Photographien erhielt, so würde ich gewiß glauben Du seist krank; denn es sind 4 Wochen seitdem ich keinen Brief von Dir erhalten habe. Dein letzter war vom 9. Dezember. Für die Photographien habe den herzlichsten Dank. Ich kann mir doch vorstellen, daß der Stein auf des lieben Vaters Grab sich an Ort u. Stelle gut u. würdig ausnimmt. Das Bild ist durch ungenügende Perspektive etwas verschroben, hauptsächlich die eine Verstellung. Du darfst Dich jedenfalls darüber beruhigen: - Das Monument ist im Sinne u. Geiste des Vaters u. wäre sicherlich von ihm gut geheißen worden. Du hast hoffentlich die vor zwei Wochen von mir zurückgeschickte Grabrede erhalten?
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u. es wurde getanzt. Ich blieb Lilian zu Gefallen, die sich sehr gut amüsierte, bis gegen Mitternacht. Sonst aber hat Lilian nicht viele Zerstreuungen u. Amüsements. Wir wohnen zu weit weg von ihren Bekannten u. haben des Abends, so lange Bayard abwesend ist, keine Herrenbegleitung, ohne die man ja hier nach Einbruch der Nacht nicht ausgehen kann. Um nicht ganz ins Haus gebannt zu sein, nahm ich mir dann u. wann abends einen Wagen, allein es ist kostspielig u. ich thue es nur bei besondern Gelegenheiten.
Ich habe Dir glaube [insertion] ich [/insertion] noch nicht erzählt, daß die Blumenstöckchen, die ich von Deinem Mottenkönig, Epfeu u. Heil aller Wunden noch in Gotha abgelegt, sehr schön fortgekommen sind. Von dem Mottenkönig habe ich schon wieder 2 Absenker gemacht, von denen meine Schwiegermutter einen mit nach Cedarcroft genommen hat. Der Epfeu hat eine sehr schöne Ranke getrieben an deren Anfang ein einziges Blättchen sich befindet welches seit der Seereise existirt u. nie größer geworden ist. Ida nennt es deshalb "das Schiffsblättchen". Der letzteren geht es ganz gut. Sie hat sich jetzt auch in alles gefunden, was ihr anfangs
