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page 1 [right hand]:
New York, Irving House Mai 20. 1872
Meine liebste Mutter!
Nachdem ich aller- dings recht sehnsüchtig auf Nachricht gehofft, kam endlich, am 2 ten Tag unseres Hierseins, Dein lieber Brief vom 29. April. Es ist mir leid, daß Du Dir wieder trüge- rische Hoffnungen über unsere frühere Ankunft gemacht hast, allein ich glaube mich hinlänglich ausgespro- chen zu haben um Dich zu überzeugen, daß wir unmöglich vor nächstem Monat von hier abreisen können. Es ist ja schon einem besonderen Glücks- zufall zuzuschreiben, daß wir eine Woche eher segeln, als erst bestimmt war. Bayard muß hier noch seine durchaus nöthige Arbeit vollenden, außerdem ist mir die Ruhe von einigen Wochen, nach der mächtigen Arbeit die ich gehabt, wirklich ein Er- forderniß ehe ich mich auf die See begebe. Ich kann Dir nicht sagen wie müde u. aufgebraucht an Kräften wir am 14. d. Mts. hier ankamen, u. ich war noch dankbar obendrein, daß meine Kraft bis dahin ausgehal- ten hatte. Tags zuvor aber fühlte ich es, daß sie nun auch zu Ende sei, u. ich kann bis jetzt noch nicht rühmen mich von aller Anstrengung erholt zu haben. Es war ein himmlisch schöner Morgen an dem wir Cedar-
[margin] Mit innigster Liebe Deine Tochter Marie. [/margin] [end of letter]
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soviel werth, doch werden wir froh sein wenn wir sie für 400 los werden, da Bayard sich auf den Pferdeverkauf gar schlecht versteht.
Wie froh bin ich, daß es Dir besser geht u. die bösen Kopfweh seltener kommen! Ida, die Schwägerin wird ja nun hoffentlich genesen; ich bedaure aber sehr daß ein so böses Übel sie befallen hatte. Nun, bald sehe ich ja mit Gottes Hülfe selber, wie es Euch Allen geht u. dann lässt sich auch über alles viel besser plaudern. Don- nerstag über 2 Wochen segelt die "Westphalia"; ich schreibe also nur noch einmal, kurz vor unserer Abreise, u. schließe heute nach kurzem Brief da ich noch an Ida, August u. auch an Wilhelm ein paar Worte schreiben möchte. Wenn es Dir ganz einerlei wäre, liebe Mutter, so logire uns in den untern Stuben, dem Gartenzimmer gegenüber, wo Bayard wohl ungestörter arbeiten mochte als oben. Doch thue ganz wie es Dir am bequemsten ist. Lilian freut sich sehr auf die Reise u. auf Euch. Sie klebt jetzt an einem Bilderbuch für Elisabeth
[margin] [?]. Sie u. Bayard lassen herzlich grüßen. [Grüße?] [/margin] [text continued on page 3]
