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[page 4, left hand]
rüstig für ihre Jahre. Seit dem 1. April sind wir nun auch die Sorge für das Land los u. ich kann Dir versichern, damit bleibt auch eine ganz hübsche Summe in unserm Beutel, die sonst bald auswandern würde. Schreiber geht ganz geschäftsmäßig ans Werk u. wird gewiß einen guten Verdienst machen. Ernst scheint mit ihm in eine Art Compagnieschaft getreten zu sein u. erhält dadurch Antheil am Gewinn. Bayard ist glaube ich heilfroh die Sorge für den Land= u. Gartenbau nicht mehr zu haben; er hat in den letzten Jahren allen Geschmack daran verloren, u. hat überhaupt nie Anlage dazu gehabt. Seine Liebhaberei dafür war vielmehr ästhetischer Natur u. legte sich sobald die rauhe Wirklichkeit sich bemerkbar machte. Er trägt sich immer mehr mit litera= rischen Ideen u. ist oft ganz u. gar in sie vertieft. Er passt deshalb auch gar nicht mehr in die hiesigen ländlichen Verhältnisse hinein u. wird immer ungeduldiger über die Beschränktheit u. Bornirtheit der Leute. (Was er früher gar nicht so bemerkte!). Ich sehe daher immer
[page 1, right hand]:
Cedarcroft, April 7. 1872
Meine liebste Mutter!
Da ich vor 8 Tagen an Tante Auguste schrieb, habe ich meinen Brief an Dich um eine Woche aufge= schoben, in der Hoffnung auch binnen da u. jetzt noch von Dir zu hören. Noch aber ist kein Brief von Dir angekommen u. ich hoffe nur, daß es nicht Krankheit oder selbst Unwohl= sein ist, was Dich vom Schreiben abgehalten. Der Brief der lieben Tante brachte mir eigentlich bessere Nachricht über Dein Befin= den u. ich baute schon darauf Dich besser u. gestärkter zu wissen als diesen ganzen Winter hindurch. Das zeitige u. schöne Frühjahr, welches überall von Europa aus gerühmt wird, muß Dir gewiß zu Statten kommen. Wir müssen hier wahr= scheinlich dafür büßen. Wäh= rend vor einem Jahr um diese Zeit bereits alles grün war, zeigt sich bis jetzt in Feld u. Wald u. Wiese auch nicht die Spur von Frühling. Bei reichlichem Sonnenschein weht beständig ein kalter, oft sogar eisiger
