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Marie Taylor to Lina Hansen, July 11, 1876
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verblassten Schriftzügen, in einen ein- fachen Rahmen gefasst - überreichte u. der Vorsitzende dieses hochwichtige Dokument der versammelten Menge von der Tribüne herab zeigte. Es folgte ein Hurrahrufen, ein Jubeln, das unbeschreiblich ist u. kein Ende nehmen wollte. Dann las ein Vir- ginier, Enkel eines der Unterzeichner der Akte, dieselbe laut vor - aberma- liger Jubel. Hierauf folgte, nach musikalischem Zwischenakt, die National-Ode, aus dem Gedächtniß vorgetragen, vor allem versammel- ten Volke, vom Dichter, Bayard Taylor. Ich wollte, Du hättest ihn sehen u. hören können. Das Gedicht ist erstens, nach dem Ausspruch der besten Autoritäten, ein nach Form u. Inhalt durchaus gelungenes, dazu aber war B. von dem Gegenstand so erfüllt, vom Moment so erhoben, daß er völlig wie begeistert sprach, mit einer Wär- me, einer Überzeugung, mit so fester klangvoller Stimme, daß er die weite Menschenmenge, die vorher mehr oder weniger geräuschvoll gewesen, plötzlich zum Stillschweigen brachte, das nur von häufigem stürmischen Applaus unterbrochen wurde. Die öffentliche Meinung hat sich seitdem dahin ausgesprochen, daß die Ode das große u. krönende Ereigniß der ganzen Feierlichkeit war. Als er von der Tribüne herab kam fehlte es nicht an warmem Hände- schütteln, der Kaiser Dom Pedro voran,
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u. herzlichen Glückwünschungen. Der Ode folgte der Redner, ein eminenter Jurist, der vom Manuskript ablaß u. leider eine schwache Stimme hatte, die nur die nächste Umgebung beherrschte. Die Rede ist ausgezeichnet (ich habe sie im Druck gelesen) aber ihre Wirkung ging verloren. Den Schluß der Feierlichkeit bildete der hundertste Psalm, in den die ganze Versammlung einstimmte.
Du kannst Dir denken, daß wir froh waren um 2 Uhr in das Hotel zurückkehren zu dürfen. Wir waren erstens fast zer- schmolzen, dann halb verhungert u. ganz verdurstet. B., den sei Antheil an der Feierlichkeit doch recht erschüttert hatte, ließ sogleich eine Flasche mit kalten [?] kommen u. behauptet jetzt, daß wir drei sie in 10 Minuten ausgetrunken hätten! Den Rest des Tages nahmen wir es so leicht als möglich, blieben im kühlsten Neglige auf unserm Zimmer u. erholten uns. Da ich am folgenden Morgen mit B. nach N. Y. reisen wollte, wo es Etliches für mich zu besorgen gab, so brachte B. abends Lilian zu unsern Verwandten, der Sickel'schen Familie, die in einem andern Hotel abgestiegen waren, um sie die Nacht bei ihnen
