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Marie Taylor to Lina Hansen, May 30, 1876
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Revision as of Jun 1, 2022, 8:23:13 PM, edited by Dilla
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wir doch von einander u. leben geistig ver= bunden fort - u. haben die Hoffnung uns wieder u. wieder zu begegnen u. zeit= weise mit einander vereint zu sein. Dich aber dem Heimweh preis gegeben zu sehen u. nichts für Dich thun zu können, das ist gar zu trostlos für uns! Ich setze meine Hoffnung auf das bessere Wetter, die wärmere Luft, die Dir erlaubt Dich in den Garten zu setzen u. der Dich dann gewiß so weit stärken wird, daß Du die Tante in Gotha besuchen kannst. Die Luftver= änderung allein muß ja schon wohlthätig auf Dich einwirken. Und dann, hoffe ich, liebe Mutter, wirst Du Dir vornehmen recht stark im Gemüth zu sein u. dem aus dem Wege zu gehen, was Dich zu schwermüthig aufregt. Erhole Dich erst recht, ehe Du z. B. an der Sternwarte vorbei gehst - oder gehe lieber gar nicht vorbei (ich möchte sie lieber nie wiedersehen!), das wäre das Beste, denn so wie diese Stätte in un= serm Innern fort existirt, kann sie uns ja fortan nie wieder erscheinen. Hast Du denn von [roman:] Emma [/roman] gehört, ob sie Dich diesen Sommer besuchen wird? Wenn ihr doch in Gotha zusammentreffen könntet! Aus der Zeitung sehe ich, daß am Anfang Mai die Newa wieder zugefroren war - das ist ja schrecklich! - Nun muß ich Dir aber erst sagen wie unglücklich es mir in Bezug auf eine kleine Freude, die ich mir zu machen vorhatte. Ich wollte Dir u. den beiden Kindern, Tante Bufleb u. Ida einige Kleinig= keiten durch Frl. Sterkloff schicken, die aber über Hamburg abgereist ist u. hatte mir auch schon ausgedacht was. Nun hatte ich sie verstanden, dass sie am 1. Juni abführe (ich glaube auch sicher dass sie es gesagt hat),
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anstatt dessen aber ging sie schon 8 Tage früher, u. da ich ganz plötzlich am 16. nach [roman:] Cedarcroft [/roman] aufbrach u. bis zum 23. blieb, so hatte ich leider nichts bereit als sie am 24. kam u. mir sagte sie reise am folgenden Tage ab. Es that mir gar zu leid, diese Gelegenheit unbenutzt vorüber gehen zu sehen, u. ich kann mich noch nicht zufrieden geben. Ob sie Dich wohl aufsuchen wird? Sie beabsichtigt glaube ich im Sept. zurückzukommen - Ich hätte Dir eigentlich schon vorige Woche schreiben sollen, es traf sich aber so, daß ich gleich nach meiner Rück= kehr von Kennett mich legen musste u. ich so den Rest der Woche nicht im Stande war etwas vorzunehmen. Nach Cedarcroft ging ich allein. Der Arzt hatte Lilian's Erkältung mit Quinin beseitigt u. sie war wieder ganz munter u. wohl. Ich aber schmachtete so sehr nach frischer Luft u. überdies gab es verschiedenes nachzusehen u. auszubes- sern im Haus zu Cedarcroft, daß ich mich schnell entschloß und auf 8 Tage die Haus- haltung [Lebron?] übergab. Sie führte die Kasse u. Buch u. gab ihre Befehl für die Mahl- zeiten u. alles ging trefflich von Statten. Ich hatte zuerst Regen u. kaltes Wasser in Cedarcroft, dann Julihitze. Im Ganzen aber war es herrlich, das Grün so üppig, die Blüthenpracht um das Haus entzückend, die Luft wonnig. Die Obstblüthe war bereits vorbei u. die Silberblüthen blüthen ab wäh- rend ich da war. Ich ließ die [?]beete zurecht machen u. streute Samen aller Art pflegte die Schlinggewächse etc. etc. Im Hause ließ ich Dielen anstreichen u. Wände u. Dielen ausbessern, kurz, ich war nicht müßig. Unterdessen haben wir dann auch erlangt, dass Lilian u. die beiden andern Mädchen, die sich für die Sophomore Klasse im Vassar College
[Margin] Ida ist wieder etwas zur Besinnung gekommen u. hat mir eingestanden, daß sie Unrecht thäte, mich so bald wieder zu verlassen, aber schließlich müsse doch Jeder für sich selbst sorgen etc. etc. Sie bemüht sich seitdem wieder mir alles recht u. angenehm zu machen. Was ich Dir über sie schrieb [/margin]
