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Marie Taylor to Lina Hansen, July 11, 1876
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New York, 142. East 18th St.
11. Juli 1876
Meine liebste Mutter!
Da ich nicht weiß wie oft die übergrosse Hitze, von der wir alle leiden, mich nöthigen wird die Feder niederzulegen, so beginne ich meinen Brief diesmal früh= zeitig, damit er sicher am Samstag mit nach Hamburg abgeht. Auch habe ich Dir eigentlich recht viel zu erzählen, vorzüglich vom 4ten Juli, der mit Glanz verlief. Wir gingen bereits Montag, den 3ten, in der Frühe nach Phil.a. Die Züge waren übermäßig stark besetzt von Menschen die nach der Stadt strömten u. die Hitze war groß, trotz eines frischen Windhauchs. In einem der besten Hotels fanden wir Zimmer für uns bereit stehen, da wir die Vorsicht gebraucht hatten, sie schon einen Monat voraus zu be= stellen. Unsere Fenster beherrschten die Krän= zung der Hauptstraße u. wir hatten oben= drein die Annehmlichkeit eines kleinen Balkons, von dem aus man die nachmittags paradierenden Delegationen der "Großen Armee der Republik " vorbeiziehen sehen konnte. Es war ein weit rührenderer Anblick als ich gedacht hatte. Die 13 ursprüng= lichen Staaten hatten jeder eine Delegation gesandt, die aus Überresten der während des amerik. Bürgerkriegs entstandenen Heerorganisation bestand. Sie kamen in ihren blankgeputzten Uniformen, mit Musik, zu Roß u. zu Fuß, die von Kanonen= kugeln zerfetzten u. vom Schlachtendonner geschwärzten Fahnen in ihrer Mitte. Das rührendste aber waren die Solda= tenkinder aus dem Staats-Waisenhaus, das besonders für sie errichtet worden
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Sitze, die sich an das Staatshaus (wo vor 100 Jahren die Unabhängigkeits= Erklärung unterzeichnet ward) an= lehnten, war Segeltuch in kleinen Sektionen gespannt, so daß die Luft freien Spielraum dazwischen hatte. Dies war ein großes Glück für uns. Die Tribüne stand am äußersten Rande nach dem freien Platz zu u. unter ihr wogte ein Menschen= meer, an 15,000 Köpfe [insertion:] stark [/insertion], die von einigen hochwipfligen Bäumen beschattet, sonst aber sich der Sonnen= u. Regenschirme bedienen oder un= ter der gleißenden Sonne braten mussten. Und dennoch stand diese Menschenmenge geduldig 5 Stunden lang an Ort u. Stelle u. ließ sich ihren Enthusiasmus nicht dämpfen. Der letzte Gast, [insertion:] der [/insertion] in der Nähe der Redner= bühne [insertion:] eintraf [/insertion], war Dom Pedro II. von Brasilien, der ganz einfach, in Civiltracht u. fast ohne Begleitung erschien, sich in unserer Mitte niederließ u. mit dem größten Antheil allem folgte. Zu= erst ertönte ein Festmarsch, da das Orchester aber jenseits der wogenden Menge stand, kamen nur ab u. zu Töne zu uns herüber u. auch die übrigen Musikstücke, die abwechselnd aufgeführt wurden, gingen für uns ziemlich verloren. Es folgten dann einige Förmlichkeiten worauf der Bürgermeister von Phil.a das Origi= nal der Unabhängigkeits-Erklärung - ein vergilbtes Pergament mit
