• Contributor Login
  • Transcriber Login
  • Register as a Contributor
Menu
  • german heritage in letters logo
  • News
  • Share Your Letters
  • Help Transcribe
  • Explore Collections
  • Browse Letters
  • Search

Scripto | Revision Difference | Transcription

Log in to Scripto | Recent changes | View item | View file | Transcribe page | View history

Marie Taylor to Lina Hansen, May 30, 1876

http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0120_0001.jpg

Revision as of Jan 1, 2020, 9:40:09 PM
edited by Dilla
Revision as of Mar 3, 2026, 3:22:41 AM
edited by Admin
Line 1: Line 1:
 +
[page 1 (sheet 1, right-hand side):]
 +
 
New - York, 142. E. 18th St.
 
New - York, 142. E. 18th St.
 +
 
Mai 30. 1876
 
Mai 30. 1876
  
Line 5: Line 8:
  
 
Es war wie ich vermuthet hatte:
 
Es war wie ich vermuthet hatte:
−
ich erhielt Deinen mit der "Göthe" abgegange-
+
ich erhielt Deinen mit dem [roman:] <i>"Göthe"</i> [/roman] abgegange=
 
nen, lieben Brief vom 10. April zu gleicher  
 
nen, lieben Brief vom 10. April zu gleicher  
 
Zeit mit dem nachfolgenden, der das Datum  
 
Zeit mit dem nachfolgenden, der das Datum  
Line 11: Line 14:
 
den dritten vom 11. Mai empfangen,
 
den dritten vom 11. Mai empfangen,
 
den Du für meinen Geburtstag bestimmt  
 
den Du für meinen Geburtstag bestimmt  
−
hattest. Für alle drei lieben Briefe, herz-
+
hattest. Für alle drei lieben Briefe, herz=
 
lichen Dank, liebe Mutter,  besonders auch  
 
lichen Dank, liebe Mutter,  besonders auch  
−
für Deine Geburtstagswünsche u. das Geldge-
+
für Deine Geburtstagswünsche u. das Geldge=
−
schenk, dass Du mir in Aussicht stellst. Es
+
schenk, das Du mir in Aussicht stellst. Es
 
ist mir sehr willkommen u. werde ich es
 
ist mir sehr willkommen u. werde ich es
 
vorläufig wieder aufsparen, bis ich es
 
vorläufig wieder aufsparen, bis ich es
 
für einen Gegenstand verwenden kann,  
 
für einen Gegenstand verwenden kann,  
−
der mir wohl thut u. zugleich ein bleiben-
+
der mir wohl thut u. zugleich ein bleiben=
 
des Andenken representirt. Hätte mir  
 
des Andenken representirt. Hätte mir  
−
nur der Geburtstagsbrief weniger trau-
+
nur der Geburtstagsbrief weniger trau=
 
rige Nachrichten über Dich selbst gebracht!
 
rige Nachrichten über Dich selbst gebracht!
−
Das wäre mir das liebste Geschenk ge-
+
Das wäre mir das liebste Geschenk ge=
 
wesen. Dein oft wiederholtes Kranksein
 
wesen. Dein oft wiederholtes Kranksein
 
ängstigt mich überaus u. kann ich mich  
 
ängstigt mich überaus u. kann ich mich  
−
nicht des Gedankens entschlagen, dass
+
nicht des Gedankens entschlagen, daß
 
Deine Gesundheit besser wäre u. Du Dich eher  
 
Deine Gesundheit besser wäre u. Du Dich eher  
 
erholt u. gekräftigt haben würdest wenn
 
erholt u. gekräftigt haben würdest wenn
 
Du in der angestammten Heimath u. den
 
Du in der angestammten Heimath u. den
 
alten Verhältnissen fortgelebt hättest.  
 
alten Verhältnissen fortgelebt hättest.  
−
Und das ist ein gar zu trauriger u. trost-
+
Und das ist ein gar zu trauriger u. trost=
 
loser Gedanke. Ist es wirklich Heimweh,  
 
loser Gedanke. Ist es wirklich Heimweh,  
 
woran Du krankst, wohin soll es dann
 
woran Du krankst, wohin soll es dann
Line 37: Line 40:
 
der Heimath fortführte, unerreicht
 
der Heimath fortführte, unerreicht
 
u. uns wird die Mutter geraubt, die
 
u. uns wird die Mutter geraubt, die
−
wir [underlined] noch recht lange [/underlined] uns erhalten sehen
+
wir <u>noch recht lange</u> uns erhalten sehen
 
möchten! Denn wenn auch ein weiter
 
möchten! Denn wenn auch ein weiter
 
Raum uns trennt, so wissen u. hören
 
Raum uns trennt, so wissen u. hören
  
−
[End page]
+
[page 4, left margin (sheet 1, left-hand side):]  
  
−
[Start page 4]
+
ist aber leider alles wahr.
 +
 
 +
[/page 4, left margin (sheet 1, left-hand side)]
 +
 
 +
[page 4 (sheet 1, left-hand side):]
  
 
vorbereiten, schon jetzt, am 8ten Juni, das
 
vorbereiten, schon jetzt, am 8ten Juni, das
−
Hauptexamen das für die Freshman Klasse  
+
Hauptexamen das für die [roman:] <i>Freshman</i> [/roman] Klasse  
 
(die vorhergehende, die sie übersprungen)
 
(die vorhergehende, die sie übersprungen)
 
machen können, was eigentlich gegen  
 
machen können, was eigentlich gegen  
 
die Regel ist, da die Einführungs-Examina
 
die Regel ist, da die Einführungs-Examina
 
erst im Sept. stattfinden. Sie werden
 
erst im Sept. stattfinden. Sie werden
−
diese last demnach für den Sommer los
+
diese Last demnach für den Sommer los
 
sein u. können sich besser erholen von
 
sein u. können sich besser erholen von
 
den Lernstrapazen dieses Winters. Wenn
 
den Lernstrapazen dieses Winters. Wenn
−
ich erst auf dem Lande bin u. mehr Musse
+
ich erst auf dem Lande bin u. mehr Muße
 
habe, werde ich Dir Auszüge aus einem
 
habe, werde ich Dir Auszüge aus einem
−
Artikel übersetzen, den Miss Brackett,
+
Artikel übersetzen, den [roman:] <i>Miss Brackett</i> [/roman],
−
zu der Lilian hier in die Schule geht, über Vassar
+
zu der Lilian hier in die Schule geht, über [roman:] <i>Vassar
−
College kürzlich in einer Monatsschrift publicirt
+
College</i> [/roman] kürzlich in einer Monatsschrift publicirt
 
hat. Du wirst darin all die Aufschlüsse finden
 
hat. Du wirst darin all die Aufschlüsse finden
 
die Du wünschest. Einstweilen erwähne ich hier  
 
die Du wünschest. Einstweilen erwähne ich hier  
−
dass 7 Lehrer, unter ihnen der Präsident u.
+
daß 7 Lehrer, unter ihnen der Präsident u.
−
26 Lehrerinnen am College angestellt sind.  
+
26 Lehrerinnen am [roman:] <i>College</i> [/roman] angestellt sind.  
 
An der Spitze steht neben dem Präsidenten  
 
An der Spitze steht neben dem Präsidenten  
−
die "Lady Principale", welche nicht unterrichtet,  
+
die [roman:] <i>"Lady Principale"</i> [/roman], welche nicht unterrichtet,  
 
sondern lediglich über die Mädchenschar
 
sondern lediglich über die Mädchenschar
−
wacht u. für ihre Bedürfnisse sorgt. Übri-
+
wacht u. für ihre Bedürfnisse sorgt. Übri=
 
gens musst Du Dir keine Universität im
 
gens musst Du Dir keine Universität im
−
deutschen Sinne unter dem College vorstellen,  
+
deutschen Sinne unter dem [roman:] <i>College</i> [/roman] vorstellen,  
−
obgleich ein Theil des Unterrichts in Vorlesun-
+
obgleich ein Theil des Unterrichts in Vorlesun=
 
gen besteht, so ähnelt die Anstalt doch
 
gen besteht, so ähnelt die Anstalt doch
 
weit mehr einem höheren Gymnasium.
 
weit mehr einem höheren Gymnasium.
−
Poughkeepsie, wo die Anstalt ist, kann in 2
+
[roman:] <i>Poughkeepsie</i> [/roman], wo die Anstalt ist, kann in 2
 
Stunden von hier per Bahn erreicht werden
 
Stunden von hier per Bahn erreicht werden
 
u. werde ich wohl nächsten Winter öfters
 
u. werde ich wohl nächsten Winter öfters
 
dort Besuch machen. Einstweilen mag ich
 
dort Besuch machen. Einstweilen mag ich
−
noch gar nicht an die Trennung denken u. er-
+
noch gar nicht an die Trennung denken u. er=
 
laube ich dem Gedanken keinen Raum bei
 
laube ich dem Gedanken keinen Raum bei
 
mir. Wenn die Zeit kommt, wird er schon schwer
 
mir. Wenn die Zeit kommt, wird er schon schwer
−
genug auf mir lasten. - dass er gestern Feiertag-
+
genug auf mir lasten. - es war gestern Feiertag -
 +
der Tag an dem die Gräber der im Krieg Gefallenen
 +
mit Blumen geschmückt werden, u. die Schulen hatten
 +
frei. L. benutzte den Tag u. nahm  Theil an einem Pick=
 +
nick auf [roman:] <i>Staten Island</i> [/roman], jenseits der Bay. Es war ein
 +
herrlicher Tag dazu. Bayard u. Lilian senden Dir die herzlichsten
 +
Grüße u. wünschen von Herzen, daß es Dir besser gehen
 +
möge. Wie sehr ich das vom Himmel erflehe, kann ich nicht
 +
 
 +
[page 1, left margin (sheet 1, right-hand side):]
 +
 
 +
mit Worten sagen. Mit innigsten Liebe Deine T. Marie
 +
 
 +
[/page 1, left margin (sheet 1, right-hand side)]
 +
 
 +
[page 1, top margin (sheet 1, right-hand side):]
 +
 
 +
[underline:] <u>Viele</u> [/underline] Grüße
 +
an Hans
 +
u. die Kinder. 
 +
Den Tod von
 +
Ida's Bruder
 +
bedaure ich
 +
sehr, zumal
 +
so schwere
 +
Leiden
 +
vorher=
 +
gingen.
 +
Doris geht
 +
es nun
 +
hoffentlich
 +
wieder besser.
 +
Sonst soll
 +
sie sich
 +
ja un=
 +
tersuchen
 +
lassen.
 +
Ich kann es
 +
nicht
 +
überwinden
 +
daß niemand
 +
von meiner
 +
Familie zur
 +
Ausstellung
 +
kommt.
 +
 
 +
[/page 1, top margin (sheet 1, right-hand side)]

Revision as of Mar 3, 2026, 3:22:41 AM

[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

New - York, 142. E. 18th St.

Mai 30. 1876

Meine liebste Mutter!

Es war wie ich vermuthet hatte: ich erhielt Deinen mit dem [roman:] "Göthe" [/roman] abgegange= nen, lieben Brief vom 10. April zu gleicher Zeit mit dem nachfolgenden, der das Datum vom 1. Mai führt. Seitdem habe ich auch den dritten vom 11. Mai empfangen, den Du für meinen Geburtstag bestimmt hattest. Für alle drei lieben Briefe, herz= lichen Dank, liebe Mutter, besonders auch für Deine Geburtstagswünsche u. das Geldge= schenk, das Du mir in Aussicht stellst. Es ist mir sehr willkommen u. werde ich es vorläufig wieder aufsparen, bis ich es für einen Gegenstand verwenden kann, der mir wohl thut u. zugleich ein bleiben= des Andenken representirt. Hätte mir nur der Geburtstagsbrief weniger trau= rige Nachrichten über Dich selbst gebracht! Das wäre mir das liebste Geschenk ge= wesen. Dein oft wiederholtes Kranksein ängstigt mich überaus u. kann ich mich nicht des Gedankens entschlagen, daß Deine Gesundheit besser wäre u. Du Dich eher erholt u. gekräftigt haben würdest wenn Du in der angestammten Heimath u. den alten Verhältnissen fortgelebt hättest. Und das ist ein gar zu trauriger u. trost= loser Gedanke. Ist es wirklich Heimweh, woran Du krankst, wohin soll es dann führen? Wenn es Deine Kräfte vollends aufzehrt, so bleibt der Zweck, der Dich aus der Heimath fortführte, unerreicht u. uns wird die Mutter geraubt, die wir noch recht lange uns erhalten sehen möchten! Denn wenn auch ein weiter Raum uns trennt, so wissen u. hören

[page 4, left margin (sheet 1, left-hand side):]

ist aber leider alles wahr.

[/page 4, left margin (sheet 1, left-hand side)]

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

vorbereiten, schon jetzt, am 8ten Juni, das Hauptexamen das für die [roman:] Freshman [/roman] Klasse (die vorhergehende, die sie übersprungen) machen können, was eigentlich gegen die Regel ist, da die Einführungs-Examina erst im Sept. stattfinden. Sie werden diese Last demnach für den Sommer los sein u. können sich besser erholen von den Lernstrapazen dieses Winters. Wenn ich erst auf dem Lande bin u. mehr Muße habe, werde ich Dir Auszüge aus einem Artikel übersetzen, den [roman:] Miss Brackett [/roman], zu der Lilian hier in die Schule geht, über [roman:] Vassar College [/roman] kürzlich in einer Monatsschrift publicirt hat. Du wirst darin all die Aufschlüsse finden die Du wünschest. Einstweilen erwähne ich hier daß 7 Lehrer, unter ihnen der Präsident u. 26 Lehrerinnen am [roman:] College [/roman] angestellt sind. An der Spitze steht neben dem Präsidenten die [roman:] "Lady Principale" [/roman], welche nicht unterrichtet, sondern lediglich über die Mädchenschar wacht u. für ihre Bedürfnisse sorgt. Übri= gens musst Du Dir keine Universität im deutschen Sinne unter dem [roman:] College [/roman] vorstellen, obgleich ein Theil des Unterrichts in Vorlesun= gen besteht, so ähnelt die Anstalt doch weit mehr einem höheren Gymnasium. [roman:] Poughkeepsie [/roman], wo die Anstalt ist, kann in 2 Stunden von hier per Bahn erreicht werden u. werde ich wohl nächsten Winter öfters dort Besuch machen. Einstweilen mag ich noch gar nicht an die Trennung denken u. er= laube ich dem Gedanken keinen Raum bei mir. Wenn die Zeit kommt, wird er schon schwer genug auf mir lasten. - es war gestern Feiertag - der Tag an dem die Gräber der im Krieg Gefallenen mit Blumen geschmückt werden, u. die Schulen hatten frei. L. benutzte den Tag u. nahm Theil an einem Pick= nick auf [roman:] Staten Island [/roman], jenseits der Bay. Es war ein herrlicher Tag dazu. Bayard u. Lilian senden Dir die herzlichsten Grüße u. wünschen von Herzen, daß es Dir besser gehen möge. Wie sehr ich das vom Himmel erflehe, kann ich nicht

[page 1, left margin (sheet 1, right-hand side):]

mit Worten sagen. Mit innigsten Liebe Deine T. Marie

[/page 1, left margin (sheet 1, right-hand side)]

[page 1, top margin (sheet 1, right-hand side):]

[underline:] Viele [/underline] Grüße an Hans u. die Kinder. Den Tod von Ida's Bruder bedaure ich sehr, zumal so schwere Leiden vorher= gingen. Doris geht es nun hoffentlich wieder besser. Sonst soll sie sich ja un= tersuchen lassen. Ich kann es nicht überwinden daß niemand von meiner Familie zur Ausstellung kommt.

[/page 1, top margin (sheet 1, right-hand side)]

Wunderbar Together logo
German Historical Institute logo

  • ©2021 German Historical Institute Washington DC. All rights reserved.
  • Privacy Policy
  • Impressum
  • Site by Artefacto