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Emma Hilgard (von Xylander) to Henry Villard, August 12, 1870

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Author

Emma Hilgard (von Xylander)

Recipient

Henry Villard

Date

August 12, 1870

Origin

München, Bavaria

Description

Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, August 12, 1870.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcription under review

Source

Henry Villard Papers, MS Am 1322

Collection

Henry Villard Family Letters

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Emma Hilgard (von Xylander) to Henry Villard, August 12, 1870.” Henry Villard Papers, MS Am 1322, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/591

Original text

[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

München d. 12/8 70.

Mein lieber Bruder!

Als ich Dir zuletzt schrieb, - war ich noch [insertion:] in [/insertion] Wachenheim, - fing an mich dort recht behaglich zu fühlen, - u. wollte Monate in der schönen Pfalz verbringen. Grausam zerstörte der Himmel diese Pläne, wie ein Blitz aus heitrem Himmel, kam dieser unheilvolle Krieg.; ich saß gerade mit Louise am 17ten Juli beim Frühstück um 9 Uhr, - als mir der Bote ein Telegramm Robert's brachte, das schon tags vorher hier aufge=geben war, - worin ich unverzüglich hierher zurück berufen wurde, da die Mobilmachungsorder gekommen sei. Denke Dir meinen Schrecken, - zuerst wie gelähmt, - kam mir plötzlich der Gedanke, - daß wenn ich rasch packte ich noch desselben Abends nach München kommen könne, - da in ruhigen Zeiten dies nicht zu [illegible] ist. - In weitren 3/4 Stunden war gepackt, u. saß ich in der Eisenbahn - mit welchen Gefühlen, - immer von der Angst beseelt R. nicht mehr zu treffen, kannst Du denken. - Man rieth mir über Maxau u. Karlsruhe zu gehen, - auf der andern route gingen schon Truppenzüge, doch in Maxau, war auch die Rheinbrücke schon abgefahren, - man würde mit Kähnen übergesetzt, - überall kamen schon die Züge zu spät, - in Karlsruhe, Mühlacker, Stuttgart, - stundenlanger

[page 2 (sheet 2, left-hand side):]

Aufenthalt, - so daß ich erst am 18ten morgens 9 Uhr hier ankam, - nach einer entsetzlichen Nachtfahrt, gottlob war Robert noch hier und blieb auch noch bis zum 29ten. - Er war die ganze Zeit General [roman:] Tann [/roman] zugetheilt u. sollte es auch im Kriege bleiben. Da kam am 27ten der Kronprinz v. Preußen, der Anführer der Süd - Armee hierher, - er wünschte noch einen bairischen Generalstabsoffizier in sein Hauptquartier - u. wurde Robert dazu ausersehen, er ist also während des ganzen Kriegs im Hauptquartiere des Kronprinzen, - hat eine sehr schöne, ehrenvolle Stellung, - äußerst interessante Persönlichkeiten umgeben ihn, - u. zu meiner Beruhigung, scheint er den feindlichen Kugeln nicht so sehr preisgegeben zu sein. -

Von hier ging Robert direkt nach [roman:] Speier[/roman], wo damals des Kronprinzen Hauptquartier war; ich erhielt zum 3ten [?] dhs [/?] ein paar Zeilen von dort, den Abend vor sie nach [roman:] Weißenburg [/roman] marschierten, - damals war Robert sehr wohl u. vergnügt, nun hörte ich nichts Weiteres bis heute Morgen, - wo ich zugleicher Zeit eine nach der Weißenburger [insertion:] am 4ten [/insertion] u. eine nach der [roman:] Wörther [/roman] Schlacht [insertion:] auf [/insertion] geschriebene Notiz erhielt, - wonach er bei beiden war, - aber gottlob unversehrt blieb, - ebenso sind auch seine Brüder bis jetzt verschont. - Nach vielen bange durchlebten Tagen athme ich nun wieder auf, - denn seit [roman:] Wörth [/roman] fiel ja nichts mehr von Bedeutung vor. -

[page 3 (sheet 2, right-hand side):]

Das Glück der deutschen Waffen, - unsre bisher so glänzenden Siege erfüllen uns mit großer Freude u. Zuversicht daß auch das Ende des Krieges das wir natürlich sehr herbei=sehnen, - für uns nur ruhmvoll sein werde. - Noch giebt es Großes zu thun, - noch werden Ströme Blutes fließen, - doch die Deutschen halten so zusammen, der Enthusiasmus ist so gewaltig, - daß das übermüthige Franzosen Volk das schon jetzt so gedemüthigt ist, nicht mehr stolz sein Haupt erheben darf. -

Morgen geht von hier ein freiwilligen Corps von 200 Studenten nach Metz ab: dort erwartet man in diesen Tagen eine Entscheidungsschlacht, - Gott gebe, - daß die Unsren siegen, - u. unsre Lieben ungefährdet daraus hervor gehen. - Bis jetzt haben wir trotzdem schon viele Offiziere gefallen sind, noch keine nähren Bekannten zu beklagen, - doch das war nur ein Vorspiel, - vor dem Haupt - ackt bangt mir entsetzlich. -

Auch Richard hat sich um eine Offiziersstelle gemeldet, aber noch keine bestimmte Antwort erhalten können. - Ich bin natürlich jetzt sehr niedergedrückt u. das viele Allein=sein, - trägt auch nicht zur Erheiterung bei. Tante sitzt ruhig in Rosenheim, - wo sie noch bis Ende [?] dhs [/?] zu bleiben gedenkt, - sie hat mich eingeladen zu ihr hinaus zu kommen, - doch kann ich mich nicht entschließen von hier, der eigentlichen

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

Quelle der Kriegsnachrichten fortzugehen, - auch war in der letzten Woche hier das Wetter so schlecht, - daß man recht gern in der Stadt verbleibe - Viele meiner Bekannten sind noch auf dem Lande, - u. verkehre ich seit unsre Armee fort ist, die so manchen, mich fleißig besuchenden Freund entführte, - fast nur mit Frida Heintz u. meiner Schwiegermutter. - Die arme alte Frau ist natürlich durch den Abschied von ihren 4 Söhnen sehr angegriffen; - Heinrich's Frau, hat 3 Tage ehe er ausmarschirte ein Mädchen zur Welt gebracht, u. ist natürlich durch körperliche u. seelische Erschütterungen sehr mitgenommen; Heinrich ist Adjudant des General Orff, - Commandanten der II. Inf. Brigade des I Armee Corps. - Emil, - führt seine Eskadron des 4ten Chevaulegers - Regt's in's Feld u. Oscar ist als Generalstabsoffizier bei dem II Armee Corps. - Nie noch, traf alles ein Krieg wohl so unvorbereitet wie dieser, - u. gewiß grade, weil er so ungerecht begonnen, - muß er für den, - der dieß Unheil hervorrief auch unheilvoll enden. - Der allgemeine Wunsch, aller Hoffnung ist, - daß [roman:] Napoleon [/roman] sich dieses Mal sein Grab selbst gegraben hat, - u. hoffen wir, daß mit seinem Sturze uns ein dauernder Friede erwachsen möge. - Ich sehe mich schon in Gedanken in [roman:] Paris [/roman], - ziehen wir als Sieger dort ein, - dann hält mich keine Macht der Erde ab, Robert dorthin nachzugehen, der lang gehegte Wunsch [roman:] Paris [/roman] zu sehen, würde dann auf die herrlichste

[page 5 (sheet 3):]

unverhoffteste Weise in Erfüllung gehen. -

Von Erholung für meinen Körper ist natürlich unter diesen Verhältnißen keine Rede, - kommen wir doch Tag u. Nacht nicht aus der Unruhe heraus; ich hatte mich in der kurzen Zeit in [roman:] Wachenheim [/roman] recht gekräftigt, - aber nun ist Alles um so mehr dahin, - u. ich habe oft Mühe mich auf=recht zu erhalten, - so müde u. elend fühle ich mich, - nach diesem qualvoll heißen Sommer, - u. diesen verschiedenen Alterationen. -

Dein lieber Brief, - der so viel Theilnahme mir unverdings zeigte, - vom 17ten Juli, kam mir vor einigen Tagen zu, u. ging sogleich an Tante weiter. -

Gottlob bedarf ich [illegible] jetzt in keiner Weise Deiner Hülfe, u. da der Kriegsschauplatz wieder aller Erwarten, - ferne von der Pfalz, auf französischem Boden sich befindet, hoffe ich, soll auch Tante nicht in Geldverlegenheit kommen; ich meinestheils bitte Dich nur, - da jetzt alle Posten sehr unregelmäßig gehen, - mir den Betrag für die Wohnungsmiethe die [strikethrough:] 2 [/strikethrough] am 29ten September fällig wird, - mir bis gegen den 20ten [insertion:] Sept. [/insertion] schon zu schicken, - damit ich sicher bin, sie zu haben, - ich ängstige mich sonst immer furchtbar ab, - u. wüßte auch nicht, falls Dein Geld aus bliebe, ohne R. an [strikethrough:] [illegible] [/strikethrough] [insertion:] wen [/insertion] ich mich in dieser Verlegenheit wenden sollte, - denn Tante klagt immer

[page 6 (sheet 4):]

über Geldmangel u. Richard hat durch die massen=hafte Einquartierung unter der die ganze Pfalz u. namentlich Frankenthal Wochenlang seufzte (R. hatte allein 16 Mann) auch keine überflüssigen Gelder. - So Gott will wird doch Robert nun noch in diesem Jahre Major, - es würde mich das um so mehr freuen, damit wir Deine brüderliche Großmuth nicht ferner so in Anspruch nehmen müßten. - Hoffentlich bekömmt Dir u. Deinen Lieben der Aufenthalt in den weißen Bergen recht gut, - sorge Dich nicht um mich lieber Bruder, wir sind hier gut aufgehoben, - fern vom Kriegsgetümmel, - u. hoffen zu Gott, daß großes Unheil unsren kleinen Familien=kreis verschonen möge. -

Wir werden uns natürlich sehr freuen im nächsten Früh=ahre Euch Alle hier zu sehen, - ich denke wir gehen dann zusammen wohin auf's Land, - was den Kindern jedenfalls zuträglicher ist als die Stadtluft, - u. die Hauptsache ist ja, daß wir beisammen sind; doch wer kann eigentlich nur an Pläne machen denken, - wie schon schmückte ich mir diesen Sommer auswärts aus, - und sitze ich hier einsam in dem heißen München, - das Herz voll Jammer, - u. wann wird das enden? Doch nun Adieu, - sonst überkommt mich wieder eine verzweifelte Stimmung. - Tausend Grüße Fanny, den Kindern u. Verwandten, - u. Dir lieber Bruder einen Kuß von Deiner Emma. -


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