Kassel, am [roman:] 22t. Februar 1854. [/roman]
Meine liebe Söhne!
Obschon ich Euch bereits am 14t. d. M. Euren Brief vom 27/12 53. beantwortet habe, welchem ich gleichzeitig eine Abschrift meines Schreibens am [roman:] 9t. August [/roman] v. J. — was Ihr nicht erhalten habt — beifügte, so will ich doch die Gelegenheit mit welcher ich diesen Brief nach [roman:] St. Louis [/roman] senden kann, nicht versäumen Euch meine Lieben wenigstens einige Worte zu schreiben. Der Sohn des Kastellans [roman:] Flots [/roman], welcher meine Briefe vom 14. t. d. M. zur Besorgung an [roman:] Albert [/roman] in [roman:] New York [/roman] übernommen, reist nun erst am 27. t. d. M. mit Dampftschiff dahin ab. Ihr werdet aber hoffentlich schon in Besitz jener Briefe seÿn, wenn Ihr diesen erhaltet, welchen ich mit den Kindern / Sohn u. Tochter / des Kanzlisten [roman:] Bernhard [/roman], welche am 24. d. M. mit Segelschiff nach [roman:] St. Louis [/roman] abgehen, sende. Da ich aus Eurem ersten Briefe ersehe, daß die Zündhütchen dort theuer sind, so schicke ich hierbei [roman:] 2000 Str. [/roman], wovon ich glücklichen Gebrauch zu machen wünsche. Ich würde mehr geschickt haben, wenn ich gewußt, ob solche auch für die amerikanischen Gewehre passen. Schreibt mir doch über die dortige Postverbindung — müsst
müsst Ihr Eure Briefe in [roman:] Jeffersen [/roman] abholen lassen? Ist das Porto theuer? — Ihr schreibt, wenn wir zu Euch kämen, daß wir bei hohem Wasserstande bis [roman:] Lisletown [/roman] mit dem Steamboat fahren könnten, außerdem bis [roman:] Walters Landung [/roman] — was ist das für ein Ort u. wie weit ist von da bis zu Euch? Nach [roman:] Jeffersen [/roman] müssen wir doch wohl jedenfalls? Schreibt uns die ReiseRoute genau u. die Lage p dieser Orte, auch wie wir uns wegen des Weitertransports p zu verhalten haben und hauptsächlich, was wir mitzubringen haben an Kleidungsstücken u. sonstigen Utensilien die uns nützlich und vortheilhaft sind._ Ich habe Euch in meinen Briefen vom [roman:] 9. August [/roman] v. J. u. [roman:] 14. Febr. [/roman] d. J. [underline:] viel [/underline] geschrieben, lasst Eure Geduld nicht ausgehen und beantwortet solche möglichst vollständig. Wir alle sind gesund und gedenken Eurer täglich in Liebe und hoffen bald mit Euch vereint zu sein._
Die herzlichsten Grüße von uns allen an Euch, die lieben Großeltern u. [roman:] Madame Huber [/roman], begleite ich noch mit der dringenden Bitte, daß Ihr uns sobald als möglich schreibt und namentlich wie es jetzt mit Eurer Gesundheit geht und füge ich noch die Versicherung hinzu, daß ich Eure Briefe stets sofort be
beantworten werde. Wie sehr bedaure ich, daß Ihr z. Z. unsere Briefe vom [roman:] 9. August [/roman] v. J. nicht erhalten habt, doch gebe ich mich jetzt der Hoffnung hin, daß mein Brief vom [roman:] 14. d. M. [/roman] in Euren Händen sein werden, wenn Ihr diesen Brief erhaltet, da mir p [roman:] Flots [/roman] versprochen, solche eigenhändig an [roman:] Albert [/roman] in [roman:] New York [/roman] abzugeben. Lebet recht wohl, glücklich u. zufrieden, wie es wünscht
Euer
treuer Vater
Credé
Schreibt mir auch genau
Eure Adresse
Meine innig geliebte Kinder!
Ich wünsche von ganze Herzen daß Ihr unser Brief bei empfang dieser Zeilen erhalten u beandwortet habt wir freuen uns zu sehr wenn ein Brief von Euch an kommt mein liebe Wielhem ich wünsche besonders von Dir eine recht langen Brief zu haben es ist gut für Dich wenn Du Dich fleißig im Schreiben übst sonst möchte es Dir gehen wir mir das Du es halb verlernst.
Angeliene schickt Dir ewige Kamellar Mütze welche Ihr der Großmutter geben möchtet. Alle Kinder lassen herzlich grüße. Lebet recht wohl mein liebe Kinder u grüßet mir die Großeltern herzlich seihe gesund [strikethrough:] u [/strikethrough] glücklich u zufriede diese wunscht Eure Euch liebende Mutter Clothide.
Mein lieber Hermann und Wilhelm!
Die Mutter hat wegen mir nach Körbecke geschrieben, aber wir haben noch keine Antwort. Wenn ich nun nicht nach Körbecke komme, so werd ich wahrscheinlich auf keine andere Oekonomie kommen, denn die größern Oekonomen bei Cassel fordern das Jahr 620 Louisd'or, welches doch zu viel ist, dann werde ich noch bis nächste Ostern hierbleiben und englisch lernen, auch will der Vater mal zusehn, mich solange nach einem Thierarzt zu bringen. Schließlich grüßt noch die guten Großeltern von mir, und ich wünsche Dir lieber Hermann Glück zu Deinem Geburtstag; wenn ich nur nächste Ostern nach Euch kommen könnte; schreibt doch recht bald
Cassel den 25. Febr. 1854.
Eurem Euch stets liebenden Bruder Carl Crede.
Ist der Gesundheit halber den Herbst nicht besser zu reisen um in der kühlen Trockenszeit dort anzukommen?