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Karl Hirtes to George Neubert, November 11, 1901

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Author

Karl Hirtes

Recipient

George Neubert

Date

November 11, 1901

Origin

Offenbach am Main, Hesse

Destination

St. Louis, Missouri

Description

Letter from Karl Hirtes to George Neubert, November 11, 1901.

Type

letter

Language

German

Tags

1900-1909, English available, transcribed

Source

George Neubert Letters

Collection

George Neubert Letters

Repository

Private family collection

Citation

“Karl Hirtes to George Neubert, November 11, 1901.” George Neubert Letters, Private family collection, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/261

Original text

Offenbach a/M d. 11 Novbr 1901

Mein lieber Onkel!

Da wir seit langer Zeit nichts von dir gehört haben, beauftragte mich Mama dir ein paar Zeilen zu schreiben. Meinen letzten Brief wirst du wohl erhalten haben. Mama nimmt sich immer vor dir zu schreiben und ist ganz unglücklich, daß sie nicht dazu kommt. Das Schreiben fällt Mama sehr schwer & sie bruacht sehr viel Zeit dazu. An Zeit aber fehlt es ihr immer, seitdem Sie Großmutter geworden ist. Im Januar des Jahres ist nämlich bei meiner Schwester Gretchen ein prachtvoller Junge angekommen, der sich sehr gut entwickelt und nur allen sehr viel Freude macht. Der Bub macht aber auch viel Arbeit & Großmutter ist von Morgens bis Abends angestrengt tätig, so daß an Schreiben nicht zu denken ist. Außerdem hat Mama viel Kopf- & Rückenschmerzen, die sie oft zwingen das Bett zu hüten. Mama bittet dich deshalb, sie zu entschuldigen, und ich übernehme es gerne dir in ihrem Namen zu schreiben, was sie von Herzen gerne selbst schreiben möchte.

Vor allen Dingen ist sie immer in Sorge wie es Euch geht. Sie läßt dich, lieber Onkel, bitten ihr doch recht

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bald zu schreiben. Wir hoffen ja alle, daß es dir und den deinen recht gut geht, aber man möchte doch auch gerne Gewißheit haben. Onkel Fritz läßt auch gar nichts hören, sodaß Mama oft sehr traurig ist. Im vorigen Jahre war Frau Buhl, die Schwägerin von Onkel Fritz hier und versprach Onkel Fritz zu veranlassen, an Mama zu schreiben aber bis heute haben wir noch keine Nachricht. Du wirst dir denken können, daß Mama deshalb oft verstimmt ist. Wenn Mama könnte wie sie wollte, so wäre schon längst ein langer Brief an Euch abgegangen. Aber wie ich dir schon schrieb, fällt es ihr gar zu schwer. Ich bitte dich deshalb nochmals, lieber Onkel, doch recht bald etwas von dir hören zu lassen. Bei uns ist soweit ja alles gesund. Neuigkeiten von besonderem Interesse weiß ich nicht zu berichten. Die Geschäfte gehen hier sehr schlecht. Daran sind nur diese elenden Schurken die Engländer die durch den Raubkrieg, den sie dem kleinen aber tapferen Burenvölkchen aufgezwungen haben, den Handel & Verkehr lähmen. Die Berichte über diesen Krieg wirst du ja auch lesen. Hier werden die Nachrichten vom Kreigsschauplatz mit Eifer gelesen, und jeder Erfolg der Buren wird mit Jubel begrüßt. Hast du die Rede des englischen Colonialministers Chamberlain gelesen. Die edle oder vielmehr elende Kerl wagt es, einen Vergleich zu ziehen

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zwischen dem Krieg von 1870/71 u. den Transvaal Raubkrieg. Er stellt die englischen Räuberbanden auf eine Stufe mit dem deutschen Volksheer, das, wie aus beifolgendem Zeitungsausschnitt hervorgeht selbst von französischen Schriftstellern, die keine Zuneigung Deutschland haben gelobt wird. In vielen Städten Deutschlands werden Parteiversammlungen gegen diese niederträchtige Verleumdung abgehalten. Es ist wahrhaftig gut für Herrn Chamberlain, der er nicht aus irgendeinem Grund einmal nach Deutschland kommen muß. Ich glaube der Kerl würde gesteinigt.

Die Ermordung des Präsidenten MacKinley hat hier überall aufrichtige Teilnahme hervorgerufen. Es ist auch wirklich schrecklich, daß es immer noch Menschen gibt, die glauben, durch die Ermordung eines Staatsoberhauptes etwas erreichen zu können. Aber die Amerikaner sind auch zu nachsichtig gewesen gegen diese wahnsinnigen Anarchisten. Meiner Meinung nach sollte man jeden der sich offfen als Anarchist bekennt, an einen Ort bringen & so bewachen, daß er keinem Menschenleben gefährlich werden kann.

Mein lieber Onkel! Ich will für heute schließen. Ich hoffe recht bald etwas von dir, vielleicht auch von Onkel Fritz zu hören. Es wäre mir dies für Mama sehr lieb. Ich werde dir dann noch mehr

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schreiben.

Für heute sende ich die im Namen meiner Eltern & Geschwister die allerherzlichsten Grüße an dich & deine Angehörigen.

Auch ich grüße dich aufs herzlichste und verbleibe in der Hoffnung recht bald eine Nachricht von dir zu bekommen

Dein Neffe
Carl Hirtes

Transcribed by Anne Callanan

English text

Offenbach am Main, 11th November 1901

My dear Uncle,

As we haven't heard from you for a long time, Mama has instructed me to write you a few lines. You are sure to have received my last letter. Mama always intends to write to you and is unhappy that she never gets round to it. Mama finds writing difficult and needs a lot of time for it. She is always short of time since she became a grandmother. In January of this year my sister Gretchen had a gorgeous baby boy, who is developing well and brings only much joy to us all. The lad makes a lot of work and Grandmother is hard at work from morning till evening, so doesn't think about writing. Furthermore, Mama has a lot of headaches and back pain, which often force her to stay in bed. Mama asks therefore that you excuse her, and I am happy to write to you on her behalf, what she herself would wish to write from her heart.

Above all, she is always concerned about how you are. Dear Uncle, she asks that you write to her

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really soon. We all hope that everything is going very well for you and your family, but we would like to know for certain. We have also heard nothing from Uncle Fritz, which often makes mama very sad. Last year Frau Buhl, Uncle Fritz's sister- in- law, was here and promised to prompt Uncle Fritz to write to Mama but we still have had no news. You will be able to imagine, that Mama is therefore often upset. If Mama could do what she wished, a long letter would have by now been sent off to you. But as I already wrote, it is much too difficult for her. Once again, dear Uncle, I ask you to write to us. Everyone here is in good health. There is nothing particularly interesting to report. Businesses here are doing very badly. Due to these miserable villains, the English, who paralyze trade and commerce through the war of robbery they imposed on the small but brave Boer people. You also are sure to read the reports about this war. The reports from the theatre of war are read here with enthusiasm and each Boer success is greeted with jubilation. Have you read the speech of the Colonial Minister, Chamberlain? The noble, or rather wretched fellow dares to make a comparison

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between the war of 1870/71 and the Transvaal war of robbery. He places the English band of robbers on a par with the German militia army which, as can be seen from the following newspaper clipping, is praised even by French writers who have no affection for Germany. In many German towns party meetings are being held against this vile slander. It is really good for Mr Chamberlain that he does not have to come to Germany for any reason. I think the fellow would be stoned.

The assassination of President MacKinley has generated sincere concern everywhere here. It is really dreadful that there are still people who believe that they can achieve something through the assassination of a head of state. But the Americans have also been too lenient towards these crazy anarchists. In my view, everyone who openly confesses to be an anarchist should be brought somewhere and guarded, so that he can pose no danger to human life.

Dear Uncle, I will close for today. I hope to hear from you very soon, and maybe also from Uncle Fritz. I'd love that very much for Mama. Then I will

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write more to you.

For today I send you and yours all best wishes on behalf of my parents and brothers and sisters.

I too send you warmest wishes and hope to have news from you very soon.

Your nephew
Carl Hirtes

Translated by Anne Callanan


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