Bad Salzschlirf, 29. 6. 22
Mein lieber Vetter Bernard!
Wie die letzten Jahre so weile auch dieses Jahr hier wieder im Bade um meine Gesundheit wieder zu kräftigen, nun sind meine Augen dazu sehr schlecht geworden sodaß ich zum Schreiben sehr schlecht sehen kann du mußt daher die Fehler welche in nachstehenden Seiten vorkommen entschuldigen. Lieber Vetter Bernhard, mir und meiner Frau und Kinder geth es soweit noch gut, wie es sonst in Deutschland geth wirst du dort in Euren Zeitungen wohl auch erfahren. Wir in Deutschland sind arm wie eine Kirchenmaus letzteren Ausdruck wirst du aus deiner Jugend noch in
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Soeben erfahre daß der Dollar innerhalb 2 [?] Monate [/?] auf 380 Mark [?] steht [/?]
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in Erinnerung [?] sein [/?], unser Geld hat fast gar keinen Wert mehr [?] gegen nüber [/?] für 1 Dollar Mk 4, 20, vor dem Kriege wird heute hier in Deutschland 360 Mk gezahlt du wie auch alle Vettern Josef Anton Ferdinand oder du lieber Bernard könnten für Eure Dollar hier in Deutschland große Reisen machen und leben, es sind eine Menge Amerikaner im [?] Süden [/?] Deutschlands so auch hier in Bad Salzschlirf komm doch auch mal herüber du kannst hier sonst noch ohne Schwierigkeiten reisen noch stelle Dir mein Haus offen sage daß auch allen Brüdern, die Teuerungen welche hier herrschen sind [?] ganz [/?] [?] enorm [/?] und nun haben wir für diese Jahr eine solche schlechte Ernte
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Ernte in Aussicht wie seit 40 Jahren nicht gewesen ist. Kaufen können wier von Euch nichts weil unser Geld wie dier geschrieben kaum Wert hat, so kostet z. B. hier 100 # Weizen 850 Mk, Roggen Hafer und Gerste [illegible] 750 Mark ein # Butter 80 - 90 Mark ein Pfund Schweinefleisch 70 - 80 Mk Rindfleisch 60 - 70 Mark und so alles andere. Kleidung und Wäsche ist fast nicht mehr zu haben oder schlecht und sehr teuer, es wird nicht mehr lange dauern so kostet ein Brodt 50 - 100 Mark und dann wird nichts mehr zu haben sein weil die Ernte in diesem Jahr nichts bringt, zu Hause so auch ziemlich in ganz Deutschland ist Weizen
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Weizen und Gerste alles diesen Winter erfroren und Hafer ist in folge der Trockenheit im Mai und Juni nichts, wieder wird unsere Ernte nichts mehr. Nun l Bernhard wie geth es Euch allen hoffentlich noch gut du schreibst mal recht bald mal, mein langes Schreiben bitte zu entschuldigen daran sind meine Augen schuld, wie schlecht selbe sind muß dier mitteilen daß ich diese Zeilen nicht lesen kann also wenn ein Strich fehlt oder zu viel ist, entschuldige. Nun zum Schluß lebt wohl all Ihr Vettern <illegible> und seht Euch alle mit Frauen und Kindern <illegible> alle recht herzlich gegrüßt von Eurem
Vetter August Stockebrand
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Also wegen meiner Schrift bitte um Entschuldigung ich kann nicht besser
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Translated by Raymond C. Backes