Callbach, den 10.1.1904
Lieber Eugen!
In Beantwortung Deiner lieben Briefe teile ich Dir mit, daß uns dieselben in bester Ge- sundheit angetroffen haben. Laut Deiner Be- nachrichtigung willst Du Dich auch, abgerechnet einer kleiner Überarbeitung, wohl befinden. Wünschen wir, daß wir diesen Sommer uns wie- der in voller Rüstigkeit und Gesundheit wie- dersehen. Die Feiertage sind vorüber. Die Festfreude wurden uns, besonders mir, durch das Ableben meiner Schwester in Einöllen gera- de vor Weihnachten grausam vernichtet. Wie glücklich hätten wir ohne dies Weihnachten feiern können. Eugen kam zwei Tage vor Weihnachten gesund und froh von K. Lautern zurück.
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Sein Semesterzeugnis war recht gut ausge- fallen. II war die Hauptnote und sein Betragen "tadellos". Möge es immer so ausfallen. Er ist bei seinen Lehrern wohl gelitten und ich habe verschiedenemale indirekt gehört, daß er denselben Freude und Spaß mache. Am größten ist natürlich die Freude bei uns. Die Tage der Ferien vom 23. Dezember bis 3. Januar waren ihm herrliche Tage. Wie hat er sich mit Klein-Elschen gefreut. Auf alle seine Streiche ging als gelehriger Schüler das kleine Schwesterchen ein. Von morgens bis abends erscholl durch unsere Wohnung helles und glückliches Kinder- lachen von einem frohen Geschwisterpaar. Elschen kann schon ziemlich sprechen, seine sprachliche Übungen haben bei Eugen stets großes Gaudium erregt. Gern ist er wie- der am Sonntag nach Neujahr an die Arbeit
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zurückgekehrt. Er ist bei Lenchen auf Damm=
mühle gut aufgehoben und nichts darf ihm
mangeln. Dein wertes Geschenk hat ihn noch
hier getroffen. Er wird Dir schon seinen herz=
lichen Dank ausgesprochen haben oder nächstens
tun. Auch ich sage Dir besten Dank. Die "Neu=
jahresglocke" von Frau Liebe hat ihm
großen Spaß gemacht und gern und dank=
bar gedenkt er der lieben und treu besorgten
Freundin. Bestelle, [strikethrough:] bestelle [/strikethrough] bitte, von uns
allen die besten Grüße. Über Deine neue
Errungenschaft inbetreff des neuen Gesang=
vereins freue ich mich und gratuliere. Ich bin
eben auch recht beschäftigt, da ich die Schule
in Schmittweiler, weil verweist, mit=
führen muß. Ich komme am Abend
immer todmüde heim. Finde aber stets
ein behagliches Heim. Ich bitte Dich bei
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Deinem nächsten Schreiben mir die
Adresse von dem Barbier Mattern in Ph;
dem Bruder der Frau Kohlmaier in Schmitt-
weiler [strikethrough:] z [/strikethrough] mitteilen zu wollen. Frau Kohlmai=
er hat mich darum gebeten, weil schon seit
10 Jahren aller briefliche Verkehr zwischen den
Geschwistern aufhöre. Wie geht es Dir
sonst? Ist Deine Europareise für diesen
Sommer festbeschlossene Sache? Freuen
würden wir uns darüber.
Leb wohl uns sei herzlich von uns allen gekrüßt und geküßt
Dein
H.Haas