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Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894

Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894, p. 1
Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894, p. 2
Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894, p. 3
Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894, p. 4
Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894, p. 5
Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894, p. 6

Author

Magdalena Bitz (Cherdron)

Recipient

Eugen Klee

Date

December 26, 1894

Origin

Otterberg, Rheinland-Pfalz

Description

Letter from Magdalena (“Lenchen”) Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894. “Lenchen” Cherdron was the first cousin of Eugen Klee.

Type

letter

Language

German

Tags

1890-1899, transcription under review

Source

Eugen Klee Papers

Collection

Eugen Klee Papers (HSP)

Repository

Historical Society of Pennsylvania

Citation

“Lenchen Cherdron to Eugen Klee, December 26, 1894.” Eugen Klee Papers, Historical Society of Pennsylvania, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1807

Original text

Otterberg den 26ten Dezember 1894


Mein lieber Eugen!


Bitte zürne mir nicht, daß ich Deinen lieben,

so sehnlichst erwarteten Brief, so lange un=

beantwortet ließ, nun endlich am heiligen

Weihnachtsfeste komme ich dazu:


Wie sehr ich, wir alle, uns über Deine

Triumphe die Du durch Deine Kunst in

Deiner neuen Heimath gefeiert, freuten,

kannst Du, da Du ja weißt, wie lieb

und theuer Du uns warst, begreifen,

selbst mein Mann weinte, als er Deinen Brief

las, und Deine so schönen, wohlgelungenen Bilder

betrachtete. Frau Sewald, welche leb=

haften Antheil an Dir nimmt, brachte mir ameri=

kanische Zeitungen, aus welchen ich schon, bevor

ich Deinen Brief erhielt, alles erfreuliche las.


Fortsetzung 1.=ten Januar 1895

Ich wurde an Weihnachten bei den

[page 2] war als Geschäftsführer, Du wirst

Dich wohl noch an ihn erinnern, er heißt Gimpel.

Georg Lackmann (Baß), hat sic auch verlobt

mit einem vermögenden Mädchen aus

Wolfstein. Werde ich von Dir auch

bald etwas ähnliches hören? _ _ _

Deine Schwester habe ich schon seitdem

Dein l. Vater von hier wegzog, nicht mehr

gesehen, Dein lieber Schwager war letzten Herbst

auf ein kurzes Stündchen bei uns, von da

fuhr er nach dem Blechhammer & dann zu Anna

Er ist ein lieber guter Mann, und habe ich

alle Achtung vor ihm, denn er ist ein

ehrenwerther Charakter, und Malchen fühlt sich

gewiß sehr glücklich im Besitze eines so lieben

Mannes. Was manche Menschen so schmerzlich

vermissen fällt oft anderen doppelt zu.


Nun lebe wohl, Du lieber, guter

unvergeßlicher Freund, & dank Dir

für alle schönen Stunden die Du uns bereitet.

Sei tausendmal gegrüßt

von Deiner treuen Cousine

Lenchen Cherdron


Denkst du noch an den schönen Spaziergang nach Mehlbach

einen Tag nach dem Frühlingsfeste, und an den Heimweg, als wir uns zur kurzen Rast

an einem schönen Plätzchen niederließen -

O denke oft wie auch ich daran)


Herzliche Grüße sendet Dir mein

lieber Mann, sowie meine lieben

Kinder und l. Großmutter

[page 3]

lieber daß ich, statt fremden Menschen Deinen Wald habe, o glaube mir, die Stätte erscheint mir heilig und geweiht, weil Du Guter sie betreten, und meine ich dort im Waldesrauschen Deine Nähe zu fühlen, und Deine Grüße zu vernehmen!

Neues kann ich dir mittheilen: Daß Deine Nichte, (mit der wir in keinerlei Verbindung mehr stehen) und Dein saubrer Freund, eine Tochter bekommen haben. Kennst Du auf dem Bilde unser kleines Mathildchen als Confirmandin ? Sie ist seit Ostern sehr gewachsen, und beinahe so groß wie Lenchen.

Bitte lass mich nicht entgelten, weil ich so lange auf Antwort Deines lieben Briefes warten ließ, & schreibe uns bald wie es Dir jetzt geht, ob Du Dich noch bei Mina heimisch fühlst & ob Du zufrieden und glücklich bist, und auch manchmal unsrer gedenkst. Soeben hörte ich, daß Dein alter Nachbar Karl Thienes sich mit einem Mädchen aus Ramstein verlobte. (Der alte Knabe.) Heute ging die Krone um 8,000 Mark an einen andern Besitzer über, an den Bäcker welcher lange Jahre bei Frau Demetz

[page 4] wenigen Zeilen so oft gestört, daß ich erste

heute wieder, ans Weiterschreiben komme.

Vor allem die herzlichsten Grüße von meiner lieben

Schwester, und deren drei Töchter; Ännchen kam

am Sonntage zu Besuch. Lenchen, Eliese & ihre

Mutter am Sylvester=Abend pr Wagen, gerade

als die Glocken zum letztenmale im Jahre zur

Kirche riefen, wir wohnten dann auch gemeinsam

dem Gottesdienste bei.


Wir blieben gemüthlich bis 1 Uhr, bei Math=

ildchens und Lenchens Zitherspiel, Punschtrinken,

und dem Erinnern an Euch alle ihr Lieben in

der Ferne, beisammen, dann fuhr leider

mein lieber Besuch, da häusliche Pflichten riefen,

zurück. Ännchen fuhr heute zurück nach Saarbrücken

zu seinem lieben Jean, beide sind noch so glücklich

wie in den Flitterwochen. Dachtest auch Du gestern

an, vor zwei Jahren zurück, als wir bei Dir und Deinen

lieben Angehörigen waren, und so genußreiche

Stunden verlebten? Du frugst ob Großmutter

deren erklärter Liebling Du bist, schon wieder

viele Decken gestrickt habe? Leider ist sie schon

über ein Jahr krank, so daß sie fast immer

[page 5] Das Bett hüten muß. Sie war im Sommer

einige Wochen auf dem Blechhammer, doch statt daß

Sie, wie der Arzt glaubte sich dort erhole, bekam

sie noch Rippenfällenendzündung und ist seitdem

so schwach, daß sie wenig außer Bett ist, und wen

weiß wie lange dieses noch dauert. Am meisten hat

mein armes Lenchen darunter zu leiden, weil dieses

alles dort besorgt, & Großmutter, Lenchen am liebsten

um sich hat, und fürchte ich oft sehr um Lenchens Gesundheit,

denn das arme Kind sieht so schmal und leidend

aus, daß mir oft bange ist. Ännchen meint, ich

solle Lenchen bis Feb einige Wochen zu ihm

nach Saarbrücken schicken, aufdaß es sich dort

erholen könne, Mathildchen und unsere Magd

können dann so lange bei Großmutter ab und zu

gehen. Philipp ist seit Ende Sept. vom

Militär zurück, er brauchte dieses Jahr kein

Manöver mitzumachen, weil er 1/4 Jahr auf

dem öden Lechfelde einer Lehrabtheilung, zu=

getheilt war, er kam gottlob gesund und munter

zurück, bleibt bis zum 1ten April hier, dann

kommt er nach Mainz als Magazinir in

ein großes Geschäft. Ich und meine drei lieben

[page 6] Kinder, (Vater legt sich als früher), sitzen die

meisten Abende bis 11-12 Uhr beisammen um zu

plaudern, wie oft gedenken wir dabei Deiner, es ver=

geht fast keine Stunde des Tages in der ich nicht Dein gedenke,

dabei ist mir immer als seiest Du um mich, und wissest

alles, was ich denke und fühle, gehe ich zu Bett, dann

denke ich mir Dich in einem großen erleuchteten Saale, und

ein großes glänzendes Publikum um Dich versammelt.

Am 6ten Dez. wohnte ich mit Herrn Hopp, (bei dessen lieben

Kleinen ich 14 Tage früher Pathe war) einen Liederabend des

Musik=Vereins bei, woselbst der berühmte Kammer=

sänger Herr Dr. Raoul Walter (Tenor) aus

München sang. Derselbe wurde bei jedemmaligen

Auftreten mit stürmischen Beifall empfangen,

und entlassen. Eben so dachte ich mir Dich, als

gefeierter Liebling. Du frugst was es Altes hier

gebe, ich kann Dir wenig berichten, da ich fast wie ein

Eremit lebe, und die wenigen Musestunden die

mir vergönnt sind, fülle ich mit lesen oder kleinen

Spaziergängen aus. Daß mir Dein lieber Vater Euren

Wald am Holler verkauft hat, wirst Du wissen, und sollen

Dich die einliegende Erika, die ich kürzlich dort für Dich

Du Lieber brach, grüßen! Ist es Dir nicht


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