Mein lieber Onkel!
Deine beiden letzten Briefe
habe ich erhalten. Die Auskunft
bezüglich der Reise habe ich von Herrn
Bahnsekretär Haffner aus Lamperts=
mühle erhalten, welcher in Ebertsheim
stationiert ist und sich auf diesem
Gebiete sehr gut auskennt. Er hat
mir die Reise zusammengestellt. Eine
Ersparnis durch das Aufstellen eines
Rundreisebilettes ergibt sich nicht; im
Gegenteil, die Fahrt durch die Schweiz
geht verloren, und dann hat es noch
den Nachteil, daß man immer an
die bestimmte Strecke gebunden ist.
[page 2] Ich trage mich auch mit dem Ge=
danken, von Straßburg aus die be=
rühmte Schwarzwaldbahn (die berühmteste Ge=
birgsbahn Deutschlands) bis zum Bodensee
zu benützen. Im St. Gotthardt Hotel
in Zürich werden wir dann am
27. oder 28. Juli ein frohes Wieder=
sehen feiern.
Nun will ich dir, lieber Onkel,
auch mitteilen, wie es mir mit meinem
Urlaub ergeht. Ich habe in Ebertsheim
Ferien bis zum 12. August und erhielt für
diese Zeit Urlaub. zudem wurde mir
durch die Distriktsschulinspektion in Grün=
stadt noch ein Urlaub bis 25. August ge=
währt. Ich hätte also bis Paris mitreisen
können und nun _ _ _ _ _
nun erhalte ich am 25. Juni ganz un=
erwartet wieder eine Zurückernennung
nach meiner früheren Stelle, ab 1. Juli:
[page 3] die Gemeinde und die dortige Distrikts=
schulinspektion schrieb, wie mir jetzt be=
kannt wird, ein Gesuch über das andere
an die Kgl. Regierung, daß ich wieder
nach Heuchelheim zurück komme. Obwohl
ich diese Ernennung mit Freuden begrüße;
denn ich stelle mich in Heuchelheim in jeder
Beziehung viel besser als in Ebertsheim, so
kommt mir die Sache jetzt doch unge=
legen. In Heuchelheim sind Ende Juli
u. Anfang August ebenfalls Ferien, die
beliebig verlegt werden können. Ich
hoffe, daß bei der Festsetzung derselben
die Gemeinde meinem Wunsche Rech=
nung trägt und daß ich denselben
Urlaub bekomme. Ich konnte nicht
abwarten mit einem Briefe an dich;
denn sonst würde dich derselbe nicht mehr
erreichen. Ich hätte dir sonst einen be=
stimmten Bescheid geben können.
[page 4] Vielleicht ist es doch noch möglich - ich
will sehen wenn auch nur durch eine
Karte. - Sollte aber wirklich durch die
ganze Reise einen Strich gemacht werden,
so würde ich dir das brieflich nach Zürich
mitteilen; aber ich hoffe ganz bestimmt
daß ich komme. Gut ist es nur,
daß diese Ernennung nicht im Juli gekom=
men ist; denn sonst wäre nichts aus
der Reise geworden. _ Bezüglich meiner
Kleidung ist alles in Ordnung: Einfacher
Sonntagsanzug (neu!) und Touristenan=
zug. _Wenn du mir vielleicht von
Rom oder Neapel eine schöne Karte schicken
wolltest, würde ich dir sehr danken. _
Meine Freude auf das Wiedersehen ist
groß und ich wollte es könnte morgen
schon stattfinden.
Mit Wald= und Wanderheil!
Dein tr. Neffe
Eugen Haas