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Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877

Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 1
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 2
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 3
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 4
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 5
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 6
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 7
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 8
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 9
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877, p. 10

Author

Emilie Hassel

Recipient

Friedrich Wilhelm Hess

Date

June 6, 1877

Origin

Gumbinnen, Ostpreussen

Destination

Cincinnati, Ohio

Description

Letter from Emilie Hassel to her brother, Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcription in progress

Source

Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection

Collection

Hess/Hassel Family Letters

Repository

Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library

Citation

“Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 6, 1877.” Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection, Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library, accessed from German Heritage in Letters, March 11, 2026, https://germanletters.org/items/show/1773

Original text


Gumbinnen den 6ten Juni 1877. [added in pencil:] June 6 1877 [/added in pencil]

Mein guter Bruder!

Wenn Du noch gerade irren an mir wür= dest und dächtest, ich hätte Dich verges= sen, so dürfte ich mich kaum wundern, denn es ist eine Woche nach der andern, ein Monat nach dem andern hingegangen ohne daß ich dazu gelangen konnte Dir ein Lebenszeichen zu senden, und doch habe ich Deiner so oft, so unendlich oft, in unveränderter, schwesterlicher Liebe gedacht, und könntest Du in meinem Herzen lesen, so würdest Du darin ver= zeichnet finden, wie so warm und rege mein Intereße für Dich ist, und wie groß meine Freude, daß du in dei= ner neuen Stellung Dich wohler, freier fühlst, theils durch die, dir zusagende Beschäftigung, theils auch durch die ver= besserte finanzielle Lage. Für die so regelmäßige Uebersendung der „Abend-Post“

[left margin:] [na]ch Deiner Anleitung habe ich nun die Adresse gemacht, hoffentlich ist sie richtig, sonst [illegible]ithe ich, es zu bemerken. [/left margin]

[page 2:]

sind wir Dir alle zu großem Danke verpflich[tet] und hat uns auch Deine Poesie: "zum vierzig= jährigen Stiftungsfeste der deutschen Kolonie [roman:]Callmann[roman]", große Freude gemacht, daß: "Willenskraft, auch Wege schafft!" daß du der deutschen Frauen so treu gedacht, und zum Schluß: Fest steht auch hier und treu "die Wacht am Rhein"!- solche Worte sind uns unendlich sympatisch und erfüllen unser Denken und Sein durch und durch, und für solche Worte möchte ich Dir noch ganz be= sonders danken. Unsere letzten Briefe haben sich gekreuzt und hast du hoffentlich aus meinen Zeilen ersehen, wie sehr wir uns über die 5 Hefte gefreut haben, sie sind noch fortwährend der Gegenstand der Be= wunderung, und müssen dem fernen On= kel sicher oft die Oehrchen geklungen ha= ben, so entzückt sind auch die Jungens davon. Hier in Gumbinnen bietet sich auch wenig Abwechselung, da wäre es daher dop= pelt gut, wenn sich ihre ganze Aufmerksam=

[page 3:]

seit und Tätigkeit auf Schule und Unter= richt konzentrite, aber das ist auch nicht so arg, sie lassen es sachte angehen, überarbei= ten thun sie sich gerade nicht. Der kleine Wolf ist meines Erachtens der Befähigste und auch der Fleißigste, der Geist ist sehr, sehr rege, aber der Körper zart und schwäch= lich, wie auch leider bei [roman:] Louis[/roman], und kränk= liche Kinder sind ja bekannt schwerer zu erziehen wie gesunde und kräftige. Den Tag nach Ostern erhielt ich ein Telegramm aus Königsberg von Fritz, daß die Möbel angekommen, und da eilte ich dann gleich mit dem nächsten Zuge hin um ihn beim einräumen behilflich zu sein. [roman:] Else[/roman] war mit den Kindern noch erst nach Rendsburg zu ihrer Mutter und Großmutter, kam erst 8 Tage später, da war dann ober= flächlich alles in Ordnung, und ich blieb noch einige Zeit länger, damit wir auch dann noch gemüthliche Plauderstündchen mit einander verleben konnten. Die Kinder hatten die Reise gut überstanden,

[page 4:]

die Jungens sahen prächtig aus, und die kleine [roman:] Magda[/roman] ist der Sonnenschein des Hauses, gestern wurde sie 5 Jahre, geistig und körperlich fast zu sehr entwickelt, sie sieht der Mama sehr ähnlich. Zu Pfing= steh wollte die Familie Hassel uns besu= chen, aber leider kam es nicht zur Ausfüh= rung, denn Fritzchen bekam so heftig die Mandelbräune [FOOTNOTE: früher in Verwendung für Mandelentzündung], daß der behandelnde Arzt selbst vorschlug, noch einen 2ten Arzt zuzu= ziehen, Gott sei Lob und Dank besserte es wohl bald, aber der Junge scheint das hiesige Klima nicht zu vertragen, hatte schon zweimal solchen Anfall und muß da= her sehr geschont werden, sonst werden sehr wenig Umstände mit den Kindern gemacht, sie werden einfach, sehr einfach erzogen, streng, bestimmt und sehr zum lernen angehalten. Heute ist Papa Otto in Königsberg, um einen Arzt zu konsultieren, da er schon längere Zeit so heiser ist, das er kaum sprechen kann, er wird wohl in ein Seebad müssen, wir sind gespannt auf seine Rückkehr.

[page 5:]

Bertha würde es auch gewiß mal sehr gut sein, irgend eine gründliche Kur für ihre so angegriffene Gesundheit zu gebrauchen thun, aber das Leben erfordert so viel, und die Haushaltung kostet mehr, wie man denkt, und 5 Söhne zu erziehen ist auch nicht gerade billig, da wird es wohl unterbleiben müs= sen, es ginge sonst jetzt noch am Be= sten, so lange ich noch hier bin. Hier in Ostpreußen sind manche Sachen wohl noch etwas billiger wie in andern Provinzen, aber manches ist recht theuer. So muß Fritz für seine allerdings recht hübsche freund= liche Wohnung 800 Thaler bezahlen, er konnte keine andere damals bekommen, da er aber nicht solche hohe Miethe ver= wohnen kann, es seine Verhältnisse über= schreitet, so zieht er zum [roman:] Oct[/roman]. wieder aus, bis jetzt weiß er freilich noch nicht wohin, aber er hofft noch unterzukommen. Die alte Krönungsstadt ist sonst im

[page 6:]

Allgemeinen ein wenig freundlicher Aufent= halt, einige liebliche Plätze, sonst enge Stra= ßen, und namentlich das schlechte Waßer, im Sommer kaum zu trinken, könnte mir es verleiden. Nun ich ziehe ja auch bald wie= der in meine alte Heimath, habe nämlich zum 1 [roman:]October[/roman] dort eine Stelle ange= nommen, und zwar bei Herrn Justiz= Rath [roman:]Ranschenbesik[/roman], der vor längerer Zeit seine Frau verloren hat, seine Häus= lickeit aber beibehalten möchte, und ich mich entschloßen habe an die Spitze seines Hauswesens zu treten, in der Hoffnung und Voraussetzung allen An= forderungen, die an mich gestellt werden, genügen zu können. Leicht ist es mir nicht geworden und wird es mir anfangs nicht werden, aber ich halte es für Pflicht selbstständig mein Brod zu verdienen, so lange ich es noch kann, in allen uns na= hestehenden Familien hier, beruht die ganze Existenz auf 2 Augen, und wie dann?-

[page 7:]

Bertha verliert am meisten dabei, meine Hülfe; aber wir sind doch sämmtlich und auch nach reiflicher Ueberlegung zu dem Resultat gekommen, es wäre am Besten und Richtigsten, wenn ich die Stelle an= nehme. Möchte es mir gelingen, zu ge= nügen!- Der Abschied von den Geschwi= stern wird mir sehr, sehr schwer werden, auf meine alte, theure Heimat, auf mei= ne Gräber kann ich mich nur freuen, wenn auch manch schmerzliches, tief trau= reges Gefühl tief meiner wieder bemäch= tagen wird, aber das ganze Leben ist ja ein fortwährender Kampf, bald Ebbe, bald Fluth.- Paula und Herrmann werden wohl im Juli wieder eine größere Reise machen, sie leben sonst sehr still, da erlauben sie sich dann lieber solche Freude, was ihnen nicht zu verdenken ist. Später schreibe ich Dir dann, wohin sie ihren Wanderstab setzten. Und nun möchte ich noch des 27ten Juni geden= ken, mein guter Wilhelm, und Dir zu Deinem Geburtstage, recht herz=

[page 8:]

liche Glück und Segenswünsche übersenden, Gott ferner mit Dir, er erhalte dich frisch, gesund und thatkräftig, wie Du es jetzt bist. Denn Deine Lieder werden ja von Dir sogar nach dem fernen Deutschland verlangt, mein Liebchen was willst Du noch mehr? - Der türkische Krieg scheint ja ohne Sorge und Gefahr für uns vorüber zu gehn, möchte er bald beendet sein. Wenn es Dir paßt dann schicke jetzt noch Briefe für mich hier her, ich melde Dir dann später meine Adresse. Nun, mein alter, lieber Bruder, noch die herzlichsten Grüße von jung und alt, feiere Dein Wiegenfest recht ver= genügt, auch wir werden ein Gläschen auf Dein Wohl leeren. Möchtest Du bald günstige Nachrichten senden können, dadurch würdest Du unend= ich erfreuen Deine

treue Schwester

[roman:]Emilie[/roman]

[page 9:]

[roman:]Messieurs Dr. Fr. W. Hess

paid! Cincinnati

via Bremen. [/roman] im State [roman:]Ohio

Abend-Post   [added in pencil] Freie
P.O. Box. 1283.[/roman]  [illegible word, ?Presse?]

[German cancellation stamp] GUMBINNEN 1. 6. 6 * 77 a 7-8N

[page 10:]

[backside of envelope, with intact red seal]

[US cancellation stamps] NEW YORK JUN 23 PAID B ALL CIN[cinnati?] JUN 24 9PM RECEIVED


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