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Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875

Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875, p. 1
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875, p. 2
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875, p. 3
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875, p. 4
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875, p. 5
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875, p. 6

Author

Emilie Hassel

Recipient

Friedrich Wilhelm Hess

Date

September 19, 1875

Origin

Hamm, Westfalen

Destination

Cincinnati, Ohio

Description

Letter from Emilie Hassel to her brother, Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, untranscribed

Source

Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection

Collection

Hess/Hassel Family Letters

Repository

Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library

Citation

“Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, September 19, 1875.” Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection, Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library, accessed from German Heritage in Letters, March 11, 2026, https://germanletters.org/items/show/1769

Original text


Hamm den 19ten September 1875.

Mein theurer Bruder!

Mit tief trauerndem Herzen setze ich mich heute hin, um Dir Kunde zu geben von dem Hinscheiden unserer inniggeliebten, unvergeßlichen Mutter! Schwere, kummervolle Tage und Stunden sind an uns vorübergegangen und oft ist es mir noch, als ob es ein böser Traum, nicht Wirklichkeit, bittere Wirklickeit wäre, ich kann es kaum fassen, noch begreifen, daß das treuste Mutterherz hat aufge= hört zu schlagen. Wie ich Dir ja schon öfter mit= theilte, war das Befinden schon lange Zeit, besorg= niß erregend, die Lebenskraft gebrochen, das Siechthum ausgesprochen, und so war es fast über ein Jahr hindurch, wir schwebten stets zwi= schen Furcht und Hoffnung, aber die Schwäche wurde immer größer, die Sehnsucht nach

[left margin:]Die Geschwister grüßen Dich herzlich, sie erkundigen sich immer voller Theilnahme nach Dir.[/left margin]

[page 2:]

Erlösung immer stärker, der Geist war klar und frisch bis zum letzten Augenblick, und die Liebe und das treue Gedenken für uns Kinder hörte nur mit ihrem letzten Athemzuge für uns auf! Welche Freude hat die nun Verklärte beim Empfang Deines Briefes gehabt, lieber Wilhelm, wie glücklich machte sie der Gedanke, daß Du wohl auf seist und es Dir gut gehe, noch den letzten Morgen trafen zwei Zeitungen von Dir ein, die entlockten ihr noch ein Lächeln, trotzdem sie schon fast im Sterben lag. Wie der Doctor Morgens gegen 10 Uhr kam, da sagte er mir auf meine dringende Frage ganz offen, es steht schlecht, gehen Sie nicht mehr von ihr. Und das habe ich dann auch nicht gethan, ich habe an ihrem Bette gesessen und sie nicht mehr ver= lassen. Gegen Mittag verlangte sie noch ein Schlückchen Wein, dann Wasser, den Morgen über war sie sehr unruhig, rief immer Luft, Luft! Ich öffnete das Fenster aber das half nichts, ich deckte sie zu, sagte, sie möge mal versuchen etwas zu schlafen, legte die Kissen und

[page 3:]

bald wurde sie ruhiger, sie schien zu schlummern, aber dann wurde der Athem immer leiser und leiser und so ist sie ganz sanft hinüber gegangen zu einem besseren Leben. So schön und ein Bild des Friedens so lag die Theure, sie hat einen guten Kampf gekämpft und nun vollendet, sie ist allen Erdenleid entrückt, ihr ist wohl, aber wir stehen trauernd an ihrem Grabe und unsere heißesten Thränen bringen sie uns nicht zurück. Den 8 ten September Nachmittags 3 Uhr hat sie ihren letz= ten Seufzer ausgehaucht und Sonnabend Nachmittag 4 Uhr ist sie zur Ruhe bestattet. Von ihrem Sarge war gar nichts mehr zu sehen, so reich war er mit prachtvollen Kreuzen und Kränzen geschmückt, eine wahre Blumen= fülle, von allen Seiten wurde ihr diese letzte Liebesgabe gesandt, und nun ruht sie [insertion:]neben[/insertion] dem guten Vater auf dem Friedhof, so eben kehre ich von dort zurück, das ist mein einziger und liebster Weg, dort möchte ich

[page 4:]

mir Trost und Ergebung holen für mein so tief bekümmertes Gemüth. Fritz war selbstredend hier, er ist mir eine treue Stütze gewesen, hat Leid und Thränen mit mir ge= theilt, war wohl doppelt bewegt und traurig, da er gerade vor 4 Wochen sein liebes, jüngstes Töchterchen, die kleine Marianne zur Ruhe be= stattet hatte. Dann war er zu seiner und Elses Erholung nach [roman:]Westerland[/roman] auf [roman:]Sylt[/roman] ins Seebad gereißt, sie hatten gerade diesen Ort ge= wählt da sie 2 Kinder in Rendsburg bei der Schwie- germutter lassen konnten, nur Fritzchen war bei ihnen. Da erreichte sie dort dann die Trauer= bothschaft, Fritz kam sofort auf mein Telegramm, hat mich aber leider wieder verlassen müssen, da der Urlaub zu Ende ging. Sehr erleichtert hat er mir die Abwickelung der kleinen Häuslich= keit, Mutter hatte auch Alles bestimmt, was mir unendlich lieb ist, ich gehe viel sicherer da durch. Ich behalte hier im Hause zwei Zimmer, richte sie gemüthlich ein, Alles Andere verkaufe ich. Bis Mitte Oktober bleibe ich noch hier, dann reise ich zu Westarchs nach[roman:]Gumbinnen[/roman] auf unbestimmte

[page 5:]

Zeit, Bertha ist sehr oft krank, da kann sie sehr gut thätige Hülfe gebrauchen, und ich werde gewiß gern und willig sie unterstützen. Ich bitte Dich daher freundlich Deine Zeilen vor= läufig dorthin zu adressieren, jedenfalls wer= de ich Dich in Kenntniß setzen, wenn ich wieder von dort fortginge. Sollte sich im Laufe der Zeit eine passende Stellung für mich finden, so wäre es ja meine Pflicht, dieselbe anzuneh= men, um zu verdienen, und es auch dadurch den Geschwistern zu erleichtern, die selbst nicht mehr wie eben nöthig haben. Augenblicklich bedarf ich aber noch der Schonung, denn meine Nerven haben recht gelitten, meine Augen schmer= zen mich oft so und sind vom vielen Weinen ganz geschwollen, daß ich schlecht sehen kann. Doch das wird sich schon wieder geben, und unsere gute Mutter hat mir auf meinen fernern Lebensweg einen schönen Spruch mitgegeben, er lautet: Und er hat befohlen seinen Engeln über Dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen; möchte sich mein Gott -

[page 6:]

Vertrauen immer mehr befestigen, drum würde ich getroster und freudiger der Zukunft entgegen gehen - Für Dich, lieber Wilhelm, hat die Mutter auch ein Andenken bestimmt, und besteht es in zwei Ringen, dem Verlo- bungs und Trauring des seligen Vaters, dann möchte ich auch Haare der Eltern hinzufügen, da ich ja weiß, welch liebe Erinnerung es Dir sein wird. Ich habe Aussicht durch Heinrich Sandkuhl, der als Kaufmann in Bremen ansäßig ist, dies An kleine Andenken befördern zu können, der weiß ja dort am Besten auf welche Weise es geht, Clärchen Sandkuhl die im November zu ihrem Bruder will, wird es mir mitnehmen. Wenn es nur gut überkommt, dann mußt Du es mir aber gleich mitheilen. Doch nun für heute, mein guter Bruder, noch ein herzliches Lebewohl, möchte es Dir ferner recht gut gehn und Du gesund und frisch bleiben. Behalte mich lieb und gedenke oft und gern Deiner

tiefbetrübten Schwester

[roman:]Emilie![/roman]


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