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Hermann Raster to Sophie Raster, January 17, 1865

Hermann Raster to Sophie Raster, January 17, 1865, p. 1
Hermann Raster to Sophie Raster, January 17, 1865, p. 2
Hermann Raster to Sophie Raster, January 17, 1865, p. 3
Hermann Raster to Sophie Raster, January 17, 1865, p. 4

Author

Hermann Raster

Recipient

Sophie Raster

Date

January 17, 1865

Origin

Brooklyn, N.Y.

Destination

Zerbst, Anhalt

Description

Letter from Hermann Raster to his sister, Sophie Raster, January 17, 1865.

Type

letter

Language

German

Tags

1860-1869, transcription under review

Source

Hermann Raster Papers

Collection

Raster Family Letters

Repository

Newberry Library

Citation

“Hermann Raster to Sophie Raster, January 17, 1865.” Hermann Raster Papers, Newberry Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1554

Original text

Brooklyn, 17. Januar 1865

Liebe Schwester

Seit ich dir das letzmal geschrieben habe sind in unserem kleinen Hausalt manche Veränderungen vorgegangen, oder wenigstens eine hauptsächliche. Ich habe mich entschließen müssen, Mathilde in ein Pensionat zu geben und wir wirthschaften jetzt sehr still in dem für uns zwei und das Dienstmädchen doch fast zu geräumigen Hause hin. - Der wichtigste Grund für meinen Entschluß war der Gesundheitszustand Mathildes, der unter der Stadtluft - besonders da sie in dem schmutzigen und stinkenden New York, statt in dem etwas reinlicheren Brooklyn zur Schule gehen musste, zusehends litt. Ein anderer Grund be= stand in der Nothwendigkeit, sie mehr in Gesellschaft von Alters= genossinnen zu bringen, da sie bei uns, fortwährend mit Er= wachsenen umgehend, nothwendig altväterisch werden mußte und zu einem frischen, fröhlichen Kinderleben, das ohne Gespielen nicht denkbar ist, nicht recht gelangen konnte. Der dritte Grund ist einer, der mir schon viel Kummer gemacht hat. Das Mädchen hat einen Hang zur Unordnung in Kleidern und Sachen, der erschreckend ist und bis jetzt aller Bemühungen, ihn zu beseitigen gespottet hat. Wir hoffen beide, daß im Umgang mit andern Kindern sich ein gewisser Ehrgeiz, nenne es selbst Eitelkeit, bei ihr einstellen würde, - gerade genug, um sie zur Ordnung u. Sauberkeit zu gewöhnen. In dieser Beziehung sehen wir uns nun bis jetzt freilich getäuscht. Noch ist nicht die mindeste Besserung wahrzunehmen, eher das Gegentheil. In allen übrigen Stücken ist sie ein treffliches Kind: von gutem Herzen, folgsam, willig, zuvorkommend, mun=


tern Geistes, lernbegierig und schnell auffassend, bei Lehrerinnen und Gespielen beliebt - Bis auf den einzigen Punkt, [insertion:] in [/insertion] dem weder Milde noch Strenge eine Änderung hervorbringt. - Es bleibt eben nichts übrig, als auf die Zukunft zu hoffen und einst= weilen sich damit zu trösten, daß wenigstens ihr körperlicher Gesundheitszustand in dem Pensionate wesentlich gehoben worden ist. Den Gedanken, sie nach Deutschland zu bringen muß ich auf so lange, bis die gewünschte Veränderung an ihr eingetreten ist, nothwendig aufgeben.

Die Weihnachtsferien brachte Mathilde zu Hause zu und da sind wir alle recht vergnügt miteinander gewesen Ich wünschte Du wärst mit Marie bei der Bescherung ge= wesen; wir hatten einen prächtigen 8 Fuß hohen Weihnachtsbaum Eine siebenjährige Nichte meiner Frau, die leider taubstumm, sonst aber ein Ausbund von Gesundheit und Heiterkeit ist und mit der wir uns alle recht gut verständigen können nahm an der Bescherung Theil. Es war ein fröhlicheres Weih= nachten als im Jahr vorher, wo ich, am rechten Arme gänzlich gelähmt, ein elender Krüppel war.

Im Sommer haben wir verschiedene kleine Reisen theils nach der Meeresküste gemacht und und dort Seebäder ge= nommen, die meiner Frau wohl recht gut bekamen, theils in roman= tische Gebirgsgegenden im Staate Pennsylvanien. Sonst leben wir, wie immer, sehr still und zurückgezogen. Häufig war meine Frau leidend, zuweilen bis zur Bettlägerigkeit. Sie hat seit unsrer Verheirathung dreimal Unglück gehabt und dadurch ist ihre Constitution geschwächt worden. Gegenwärtig ist sie wohl.


Das Schicksal unsres Vetters Carl hat durch seine eigene Thor= heit eine solche Wendung genommen, die es mir unmöglich macht, ihm noch ferner durch Geld"vorschüsse" (d. h. Geschenke) zu helfen und mir auch die Lust dazu nimmt. Als er im April 1865 mit mei= nen besten Wünschen, nicht unbeträchtlichen Geschenken an Kleider= stoffen für seine Kinder und 100 Doll. nach Hause reiste, besprachen wir auch die wahrscheinliche Nothwendigkeit seiner Wiederverheirathung; aber daß diese nicht augenblicklich und nicht ohne vorsichtige Prüfung erfolgen dürfe, darüber waren wir einig. Allein kaum in Ionia angekommen, von wo es noch 10 deutsche Meilen bis zu seiner Farm ist, geräth er in Streit mit seiner Schwägerin, die sein jüngstes Kind in Verwahrung hatte und heirathet, ihr zum Tod und Ärger den ersten besten Drachen, der sich ihm darbietet: - eine Wittwe mit 3 Kindern, die älter als er und so roh u. ungebildet ist, daß sie nicht einmal lesen u. schreiben, oder nur nähen kann! Da hört dann doch Alles auf. Die Person hatte von ihrem verstorbenen Manne für die Kinder eine kleine Farm, 20 deutsche Meilen von der Karls, und ihr war es offenbar nur darauf angekommen, in Karl einen billigen Ackerknecht zu bekommen! Auf seine Farm mit ihr zu gehen, weigerte sie sich und so war wenige Wochen nach der Verheirathung der helle Skandal da. Die 100 Doll., die Karl als erste Hälfte des zur Neuherrichtung seiner Farm erfor= derlichen Geldes von mir erhalten hatte, wurden über allen diesen Wirren und schweren Nöthen, so einfach vertrödelt und verlu= det. Als er endlich sah, daß er mit der Person nicht auskommen könne, entschloß er sich nun zu thun, was er im April hatte thun wollen, d. h. auf seine Farm zu gehen und sie mit Hilfe seiner ältern Kinder vorläufig wieder in Stand zu setzen. Er borgte

[page 4:]

sich also - was ich jedoch erst später erfuhr - von einem Schwager 100 Dollars und schickte mir ohne Umstände eine Hypothek auf 250 Dollar mit der Bitte, ihm die noch fehlenden 150 Dollars an die Adresse seine Schwagers zu schicken. Das war mir doch etwas zu starke Kaltblütigkeit! Es kam hinzu, daß der Hypothekschein, weil ihm die nach amerikanischem Rechte unentbehrliche Unterschrift der Frau fehlte, ein werthloses Stück Papier war. Das freilich hatte Karl nicht vor= her gewußt, aber es war nicht daher weniger mehr. Thatsächlich lief also die Zumuthung darauf hinaus, daß ich ihm noch 150 Dollars schenken solle, denn an Wiederzahlung war nicht zu denken und ich hätte sie auch nie erwartet.

Nun, so reich aber bin ich dann doch nicht, um jetzt in einem Jahre mit Allem was drum und dran hängt, 300 Dollars weg= zuschenken. Ich lehnte also das Ansinnen ab und sandte die Hypothek zurück. Da ich annahm, daß wenigstens für das Nothwendigste eine kleine Summe von Nutzen sein werde, schickte ich noch 25 Dollars an die bezeichnete Adresse, fast bei der Gelegenheit erfuhr ich dann, daß es schon vorgegessen Brod war. Der Schwager nahm die Absch 25 Dollars als Abschlagszahlung auf die an Karl geliehenen 100 in Beschlag.

Zu Neujahr habe ich an Karl volle Quittung über die ganzen 125 Dollars geschickt, aber zugleich erklärt, daß ich mich, so lange die Person wie ein Mühlstein an ihm hängt, nicht dazu verstehen werde, weiteres Geld in dieses bodenlose Faß zu werfen. Er hat mir schon vor Monaten geschrieben, daß er sich scheiden lassen will. Aber das ist eher gesagt, als gethan. Nirgends werden Ehen so leicht geschlossen und nirgends sind Ehescheidungen so schwer zu erlangen, wie in Amerika.

Daß in den Dummheiten, die Karl später gethan, keine Entschuldi= gung für die schon vorher bewiesene rohe Herzlosigkeit seiner nächsten Ver= wandten liegt, brauche ich wohl nicht zu bemerken. Wenn diese wenigstens Schande halber nur zusammengenommen eine ebensolche Summe für ihren Bruder hergeben wollte, wie ich allein gegeben habe, so könnte ihm jetzt vielleicht noch geholfen werden. Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, so ist mir doch das ein erbärmlicher Wicht war, der seinen Bruder untergehen läßt, weil vielleicht die ihm geleistete Hülfe nicht nützen würde.

Über meine äußern Verhältnisse kann ich Dir, wie immer, nur Gün= stiges sagen. Seit Herbst schreibe ich noch für eine vierte Zeitung in Deutschland, die Neue Freie Presse in Wien und meine Honorare aus Deutschland allein belau= fen sich jetzt im Jahre auf 1400 Doll., wofür ich an drei Nachmittagen jeder Woche schreibe. Von der Abendzeitung habe ich 1040, Zinsen von ersparten Kapital belaufen sich auch noch auf 400 Doll. Dazu kommt nun für jetzt noch das Amt, das freilich nicht mehr ewig währen wird, da meine 4 Jahre (auf so lange wird es gewöhnlich gegeben), schon im Oktober um waren. In runder Summe beliefen sich in jedem der beiden letzten Jahre [insertion:] meine Einnahmen [/insertion] auf 4500 Doll., wovon ich 2800 (für beide Jahre) sparte. Verliere ich das Amt so werden meine Jahreseinnahmen mit 3000 Doll. noch immer reichlich alle meine Bedürfnisse decken. Mein erspartes Kapitalvermögen (einschließlich des Hauses doch abzüglich der Hypothekschuld ist 7500 D. Doch das bleibt natürlich unter uns! - Mit herzlichsten Grüßen von meiner Frau und mir an Dich, Schwager und Nichte Dein treuer Bruder


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