• Contributor Login
  • Transcriber Login
  • Register as a Contributor
Menu
  • german heritage in letters logo
  • News
  • Share Your Letters
  • Help Transcribe
  • Explore Collections
  • Browse Letters
  • Search

Marie Taylor to Lina Hansen, February 9, 1876

http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0112_0001.jpg
http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0112_0002.jpg

Author

Marie Hansen (Taylor)

Recipient

Lina Braun (Hansen)

Date

February 9, 1876

Origin

New York, New York

Description

Letter from Marie Taylor to Lina Hansen, February 9, 1876.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, mht, transcription under review

Source

Bayard Taylor Papers

Collection

Marie Hansen Taylor Correspondence

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Marie Taylor to Lina Hansen, February 9, 1876.” Bayard Taylor Papers, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1212

Original text

[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

N.Y. 142. East 18th St. Febr. 9. 1876.

Meine liebste Mutter!

Recht sehr danke ich Dir für Dei=nen lieben Brief vom 18. v. Mts., der mir den deutlichen Beweis brachte, daß es Dir wieder besser ging u. mir dadurch besonders Freude machte. Das Hamburger Klima ist doch bedeutend milder als das Gothai=sche. Ich hätte nicht geglaubt, dass der Unter=schied so bedeutend sein könnte. Ich bin froh, daß bei dem nothgedrungenen Heimath=wechsel doch etwas Dir zu gute kommt. Wir bekamen letzte Woche ganz plötzlich den lange aufgeschobenen Winter zu kosten. In einer Nacht fiel fußhoher Schnee auf den ziemliche Kälte folgte. Die Februarsonne siegte aber schnell wieder u. den dritten Tag schon befand sich der zu beiden Seiten des Pflasters aufgeschaufelte Schnee in einem unbeschreiblich ekelhaften flüssigen Zustand. Denn in einer Stadt wie N.Y. bleibt der Schnee keinen Tag weiß, sondern ver=mengt sich mit dem Ruß der unzähligen Schlote u. dem Koth der Straßen, so daß er den häßlichsten Anblick gewährt u. der Schnee, für den es keinen Raum giebt, überhaupt unsägliche Noth verursacht. In den Hauptverkehrsstraßen werden sogleich hunderte von Menschen vervendet, die den Schnee weg schaufeln u. in Karren fort fahren u. in den Fluß stürzen, die Seiten=straßen aber, die vom Hauptverkehr abwärts liegen, wie die unsrige bleiben ihrem Schicksal überlassen. Da Lilian über Rheumatismus in der Hüfte klagte, behielt ich sie während des heftigen Thauwetters zu Hause. Heute aber ist sie wieder zur

[page 2 (sheet 2, left-hand side):]

Schule gegangen. Vorige Woche gab ich ihr eine kleine Gesellschaft, die sehr vergnügt von Statten ging. Da ich keinen Platz zum Tanzen habe (Denn wollte ich auch ausräumen, so wüsste ich nicht wohin mit den Möbeln, so eng ist alles) amüsirten sie sich mit Gesellschaftsspielen. Dann hatten wir eine kleine Lotterie, in der wir Mützen aller Art, Schellenkappen, Helme etc aus buntem Papier verloosten, mit denen geschmückt die ganze Gesellschaft ein einfaches Traktament von Gefrorenem u. Kuchen einnahm. Sie blieben bis um Mitternacht zusammen. Bayard fehlt uns recht dabei. Er schrieb in der letzten Zeit meist von Chicago aus, wo diesmal sein Hauptquartier war, indem die Orte wo er Vorlesungen hielt, meistens nahe bei lagen. Mit dieser Woche an kommt er mehr u. mehr ostwärts u. über 8 Tage ist er hoffentlich auf dem Heimweg begriffen. Das Wetter ist ihm mit Ausnahme von vorige Woche, sehr günstig gewesen. Auch hat er keine besonders ermüdenden Touren gehabt. Ich lebe in seiner Abwesenheit ziemlich stille. Des Abends gehe ich fast gar nicht ohne ihn aus, u. am Tage habe ich nur so viel Verkehr, als Visitenmachen u. Visitenempfangen in Betracht kommt. Meine Visitenliste zählt diesen Winter 58 verschiedene Namen, die sich ohne mein Zuthun angehäuft haben, denen ich aber aus Höflichkeitsrücksichten Rechnung tragen muss. Da ich mir diesen Winter keinen Wagen dazu nahm, so werde ich mit allen diesen Visiten wohl schwerlich vor Ende der Wintersaison

[page 3 (sheet 2, right-hand side):]

fertig werden. In nächster Zeit steht mir nun auch ein Dienstbotenwechsel bevor. Die Köchin, die sich sehr gut gemacht u. viel bei mir gelernt hatte, schaffte sich ganz plötzlich einen Liebhaber an, u. da ich nicht erlaube, daß er ins Haus kommt, so hat sie mir den Dienst aufgesagt. Es ist natürlich eine sehr ärgerliche Sache für mich, nun mitten im Winter noch einmal eine Köchin anleiten zu müssen u. nur um der noch übrigen 3 Monate willen, bis wir aufs Land gehen. Hätte ich nur gewusst, daß es so kommen würde, so hätte ich sie schon vor einem Monat fortgeschickt, denn während B.'s Abwesenheit hätten wir sehr gut ohne Köchin uns behelfen können. Nun aber geht sie gerade wenn B. wiederkommt. Von Cedarcroft lauten die Nachrichten wieder beruhigend. Freddie ist so weit, daß er wieder jeden Morgen herunter ins Wohnzimmer kommen kann. Doch schreibt Annie er sähe sehr bleich aus u. huste auch, was mir sehr unlieb ist. Ich fürchte seine Lungen sind schwächlich. Da diesen Winter kein Frost in den Erdboden gedrungen ist, sind die Feldarbeiten bereits im Gang. Wenn nur das Frühjahr nicht noch schlimme Streiche spielt.

Ich schicke Dir hierbei die neueste Photographie von Lilian. Sie ist sehr gut bis auf den Mund, der im Retouschiren verdorben worden ist. Mein Bild bekommst Du mit dem nächsten Brief. L. trägt die reizenden Nadeln von Dir, mit einigen Blättern im Haar, doch zeigen sie nur wenig, da das Licht sie nicht ordentlich trifft.

Ich habe in den letzten Tagen einige

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

alte Briefschulden abgetragen u. dies nebst meiner Korrespondenz mit Bayard u. nöthi=gen Geschäftsbriefen hat meinen Kopf so angestrengt, dass er summt. Ich habe in letzterer Zeit öfters Nervenkopfweh, ohne daß sie heftig auftreten. Sonst aber geht es mir entschieden besser.

Daß die Autographen von Humbold verloren sind, thut mir [underline:] sehr [/underline] leid. Sie waren gewiss an den lieben Vater gerichtete Briefe u. deshalb von unendlichem Werth gewesen. Von dem Geld habe ich doch wohl nicht sehr viel verloren. Ich erhielt hier $19.43 Papier [roman:] (19 Dollars 43 Cents) [/roman] für die 20 rt zu meinem Geburtstag hatte ich $16.43 erhalten. In Bezug auf den Kragen müsstest Du Dich wohl verschrieben haben, denn ich suchte Deinen Brief wieder vor u. da steht "für Dich ein Kragen mit Messerchen." Doch bin ich froh, daß er nicht dabei [insertion:] war [/insertion], u. folglich nicht ge=stohlen ist. Das Messerchen mit Bleifeder leistet mir große Dienste. Ich trage es beständig bei mir. - Für Deine rheumatischen Beschwerden brauchst Du doch hoffentlich den Arzt, damit das Übel nicht überhand nimmt? Ein sehr gutes Mittel ist, das leidende Glied über Nacht (u. auch am Tage wenn es schmerzt) in Gummistoff zu wickeln, so daß die Luft abgeschnitten wird. Daß du eine erregende Lektüre gefunden hast, freut mich sehr. In Bezug auf die Reise nach Rußland, möchte ich Dir doch auch ernstlich abrathen, wenigstens für dieses Jahr. Ich sehe ein, daß Du erst wieder mehr zu Kräften kommen musst, ehe du Deinen Nerven frische Zumu=thungen machst. Auch glaube ich, dass gerade [roman:] Emma's [/roman] unruhiger Haushalt u. die kleinen Kinder nicht für dich taugen würden. Für [roman:] Emma [/roman] wäre es gewiß recht gut einmal ohne die Kinder von zu Hause weg zu sein. Eine solche Veränderung würde ihr gut thun. Hoffentlich hat Andreas die Masern leichter gehabt wie Lilo, denn gekriegt hat er sie wohl? Lilian sendet Dir herzlichste Grüße. Ida lässt sich

[page 1, left margin (sheet 1, right-hand side):]

Dir angelegentlich empfehlen. Es geht ihr gut. Viele freundliche Grüße an Hans u. die Kinder von Deiner Dich innig liebenden T. Marie.

[/page 1, left margin]


  • ← Previous Item
  • Next Item →
Wunderbar Together logo
German Historical Institute logo

  • ©2021 German Historical Institute Washington DC. All rights reserved.
  • Privacy Policy
  • Impressum
  • Site by Artefacto