• Homburg und Saarbrücken, Saarland, 22 Juni, 2021 •
Regina Kunz lebt in Homburg (Saarland) und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung als Programmiererin. Als sie im Nachlass ihrer Eltern alte Briefe in Kurrentschrift fand, begann sie, Kurrentschrift zu lernen und sich allgemein für die Transkription historischer Briefe zu interessieren. Bruno von Lutz, der Leiter des Deutsch-Amerikanischen Instituts des Saarlandes, vermittelte ihr den Kontakt zu Maria Sturm, einer der Organisatorinnen der "Transcription Tuesdays" der Horner Library. Seit Herbst 2020 ist sie regelmäßige Teilnehmerin der Transkriptionsveranstaltung. |
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Eva Tietjen lebt in Saarbrücken, wo sie vor ihrer Pensionierung als Leiterin der Kassenabteilung einer Justizbehörde gearbeitet hat. Weil sowohl ihre Großeltern als auch ihr Vater in Kurrentschrift geschrieben haben, erlernte sie das Lesen der Schrift schon in jungen Jahren - Im Zusammenhang mit ihrer eigenen Ahnenforschung wurde diese Fähigkeit nochmals relevant. Vor sieben Jahren begann sie, sich für die Transkription von historischen Briefen zu interessieren. Seit Januar 2021 nimmt sie zusammen mit Regina regelmäßig am „Transcription Tuesday“ der Horner Library teil. |
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Hans-Hermann Marx ist ebenfalls in Saarbrücken ansässig. Bevor er in den Ruhestand ging, arbeitete er als kaufmännischer Angestellter in der Buchhaltung, Controlling und Entgeltabrechnung. Die Motivation, Kurrentschrift zu lernen, entstand, als er seine eigene Familiengeschichte erforschte und auf Dokumente stieß, die er nicht lesen konnte. Das Erlernen der Kurrentschrift vor zehn Jahren war für ihn der Beginn einer vertieften Beschäftigung mit Schrift- und Zeitgeschichte. |
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Monika Gelf lebt ebenfalls in Saarbrücken. Vor ihrer Pensionierung war sie als kaufmännische Angestellte in der Buchhaltung eines Automobilunternehmens tätig. Bei der Erforschung ihrer Familiengeschichte stieß sie auf Dokumente, die in Kurrentschrift verfasst waren, was sie dazu veranlasste, diese lesen zu lernen. Vor acht Jahren begann sie, sich für die Transkription historischer Briefe zu interessieren. |
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Wir haben alle an einem Kurs zum Erlernen der Kurrentschrift teilgenommen - daraus haben sich Interessengruppen und Freundschaften gebildet, die schließlich zur Gründung unserer Schreibgruppe geführt haben.
Jeder Teilnehmer unserer Gruppe transkribiert selbstständig einen Brief und gibt den Text in ein Microsoft Word-Dokument ein. Danach folgt eine Runde der Bearbeitung und Korrekturen. Bis ein Brief wieder in die Online-Transkriptionsoberfläche übertragen wird, haben wir in der Regel alle an dem Dokument gearbeitet. Wenn ein Brief eine besondere Herausforderung darstellt, besprechen wir ihn als Gruppe - im Moment über Skype; vor der Pandemie haben wir uns persönlich getroffen.
Es war weniger ein bestimmter Brief, sondern eher ein Gesamteindruck, der sich während des Transkriptionsprozesses entwickelt hat - insbesondere über Babette Tritschler, Charlottes elf Jahre ältere Schwester. Bemerkenswert erscheint der Stil ihrer Briefe: Sie hat eine sehr originelle, eigene Ortographie und schrieb mit nur wenigen Satzzeichen, was es oft schwer machte, die Struktur ihrer Briefe zu erfassen. Sie schrieb selbst oft von Problemen mit ihren Augen, möglicherweise litt sie an einem Katarakt. Dadurch ist ihre Schrift manchmal nur schwer leserlich.
Die Briefe vermitteln ein interessantes Bild der damaligen Zeit, 1852 bis 1890, mehr über Deutschland als Amerika.
Babette Tritschler ist sehr jung Witwe und alleinerziehende Mutter einer Tochter geworden. Vermutlich verbrachte sie ihr ganzes Leben in Geldnot, dennoch konnte sie eine gewisse Autonomie und Selbstständigkeit entwickeln. In ihrem starken Glauben fand sie viel Kraft zur Hinnahme von Schicksalsschlägen, was uns aus unserer heutigen Sicht eher als naiv und wenig reflektiert erscheint. Vieles aus den Briefen scheint ein Abbild dieser Zeit zu sein, auch im Hinblick auf die politischen, technischen-industriellen und sozialen Entwicklungen, nicht zuletzt dem Stand der Medizin. So schreibt Babette Trischler über die ersten Eisenbahnverbindungen, die fortschreitende Industrialisierung, aber auch die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein der Menschen gegenüber Krankheiten. Die Briefe zeigen, dass die Menschen die Sehnsucht nach den ausgewanderten Verwandten auch nach Jahrzehnten nie verloren hatten.
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Die Schreibgruppe bei der gemeinsamen Arbeit vor der Coronapandemie. Derzeit treffen sich die Mitglieder über Skype. |