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Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864

Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864, p. 1
Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864, p. 2
Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864, p. 3
Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864, p. 4
Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864, p. 5
Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864, p. 6

Author

Hermann Raster

Recipient

Sophie Raster

Date

May 4, 1864

Origin

New York, N.Y.

Destination

Zerbst, Anhalt

Description

Letter from Hermann Raster to his sister, Sophie Raster, May 4, 1864.

Type

letter

Language

German

Tags

1860-1869, untranscribed

Source

Hermann Raster Papers

Collection

Raster Family Letters

Repository

Newberry Library

Citation

“Hermann Raster to Sophie Raster, May 4, 1864.” Hermann Raster Papers, Newberry Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1552

Original text

New York, 4. März 1864

Liebe Sophie

dein Brief an Mathilde ist am 4. Februar eingetroffen. Sie hat sich sehr darüber gefreut, doch auch gewundert, daß nicht ihre Cousine einige Zeilen beigelegt hat. Sie selbst spricht fortwährend von Deutschland und es mag wohl sein, daß sie mehr an ihre Cousine denkt, als diese an sie. Gelten schon in der Regel Ausgewanderte für ihre im Vaterland zurückgebliebenen Verwandten für so gut, wie todt, - um wie viel mehr ihre im fremde Leute geboren Kinder. Ich weiß ja noch recht wohl, wie uns Kindern die Existenz eines Bruders unsres Vaters in Amerika nur wie ein fernes unbekanntes Nebelbild erschien. Die von Dir in einem früheren Briefe ausgesprochene Hoffnung, daß ich durch Ein- gehung neuer Verbindungen dem Leben wieder eine heitere Seite abgewinnen würde, er-


füllt sich nicht. Vielmehr wird es in meinem Innern von Tage zu Tage düsterer und trüber; dazu gesellt sich eine immer stärker werdende nervöse Reizbarkeit, die mit der Zeit auch auf die Erziehung meiner Tochter einen be= trübenden Einfluß haben dürfte. - Ich schrieb Dir früher von einer Erzieherin meiner Tochter, die mir nach dem Ableben meiner Schwieger= mutter die Führung meines Haushalts übernommen habe. Es hat sich da, wie es bei meinen streng häuslichen Gewohnheiten begreiflich ist, ein Verhältniß eigentghümlicher Art herausgebildet, das mich aufs tiefste drückt und an dem ich manchmal unterzugehen fürchte. Das Mädchen (36 Jahre alt) liebt mich mit jener Intensität, die immer einer erst spät im Leben eintretenden ersten Liebe eigenthümlich ist. Theils aus Rücksicht auf ihre in der That sehr schätzbaren Eigenschaften, namentlich ihre Wirthschaftlichkeit und ihren auf= opfernden Fleiß, theils aus dem Bedürfnisse eine Art von Ersatz für mein zerstörtes Familienleben zu haben, habe ich ihr allmählich in meinem


Hause eine Stellung gegeben, welche fast der einer Frau entsprichte, aber eben deswegen und vielleicht in Verbindung mit dem innigen Glauben, daß ich ihre Liebe erwidere, bei ihr Erwartungen und Wünsche erweckt haben mag, die ich nicht erfüllen kann, ohne mich entsetzlich unglücklich zu machen. Denn abgesehen davon, daß ihr Alter dem meinigen zu gleich ist, ist sie auch fortwährend kränklich, oft wochenlang ernstlich krank und von sehr düsteren, trüben Gemüte: - das letztere in so hohen Grade, daß ich oft darüber in förmliche Verzweiflung gerathe und stetig mehr und mehr in eine ebenso düstere, tristere Stimmung versinke. Vergebens zermartere ich mir seit Monaten den Kopf, um eine befriedigende Lösung des peinlichen Konfliktes zu finden; - ich kann es nicht. In schroffer Weise eine Lösung zu versuchen fühle ich mich außer Stande und auch kaum berechtigt, da ich, wenn auch unabsichtlich, zu dem Entstehen jener Erwartungen Anlass gegeben habe. Außerdem ist Sie eine so intensiv empfindende Natur, daß ich ent-


schieden einen tragischen Ausgang für sie fürchten müßte, wenn ich rücksichtslos nach dem verfahren wollte, was meine Stimmung erheischt [von "erheischen" gemeint ist: "nötig haben"]. Endlich aber, selbst angenommen, daß ich alle Rücksichten bei Seite setzen wollte, würden sich äußere Hindernisse, als die Unmöglich- keit, Knall u. Fall [Redensart: der Knall des Schusses folgt schnell dem Fall des Tieres; gemeint ist also sehr schnell] mein Haus zu veräußern, den Haushalt aufzubrechen, für Mathildes Unterbringung zu sorgen, abgesehen von dem Qualvollen einer Trennung von meinem Kinde in den Weg stellen. Was aus dem Allen werden soll und kann.- ich habe keine Idee davon. Oft schon habe ich mich über den entsetzlichen Gedanken ertappt, daß es für meine Tochter besser gewesen wäre, wenn sie ihrer Mutter gefolgt wäre. Ich wäre dann leider nachge- gangen und wäre Alles los. Selbst in diesen Augen- blicken drängen sich mir die Thränen in die Augen, indem ich mir vergegenwärtige wie tief elend der Mensch sein kann, auch wenn es ihm äußerlich noch so gut geht. Vor fünfzehn Jahren, wenn mir jemand gesagt hätte, daß ich mit 36 Jahren eine Jahreseinnahme von viertehalbtausend [3.500: 1. Tausend, 2. T., 3. T. voll also 3.000 + 4. nur halb also 500 = 3.500] Thalern haben würde, ich hätte geglaubt, daß ich der glücklichste Mensch von der Welt sein müßte. Und heute! Wie gern wäre ich noch der Landtagsstenograph mit einem Zehntel jener Einnahmen! Wie lange muß man leben und wie bittere Erfahrungen muß man durchmachen, ehe man die tiefe


Wahrheit der hausbackenen Sprüche erkennt, die man in seiner Jugend als altfränkische Großvater Weisheit verspottet hat.. "Zufrieden- heit ist mehr werth als Geld", - ach, für wie viel zertrümmertes Lebensglück diente dieser Spruch als Grabschrift! Unter manchen anderen Plänen, die ich mir gemacht hatte, war auch das, eine Lösung jenes peinlichen Verhältnisses dadurch zu versuchen, daß ich in diesem Jahre nach Deutschland übersiedelte, wo mir schon seit zwei Jahren an einer der Zeitungen, für welche ich korrespondiere , eine Redakteur- stelle mit 3000 Tl. Gehalt offen gehalten wird. Aber abgesehen davon, daß das nur aus dem Regen unter die Traufe gehen hiesse - denn ich glaube, daß mir das Leben in Deutschland, nachdem ich in all mei- nen Denken, Anschauen, Wünschen, Hoffen und Gewißen Amerikaner geworden bin, auf die Dauer eine Höllenqual sein würde - hängen auch gar zu viele "Wenn" daran. Hauptsächlich die Unmöglichkeit, durch dieses


Mittel die gewünschte sanfte Lösung zu bewirken; daneben die schon vorher angedeuteten äußeren Verhältnisse: Land, Möbel, Wirthschaft. Wenn man so alt geworden ist, wie ich, ist man in diese äußeren Verhältnisse mit allen seinen Lebensgewohnheiten zu fest eingewachsen, als daß man sich so ohne Weiteres losreißen könnte. Dann kommt in diesem Jahre, wo hier wie- der eine Präsidentenwahl stattfindet, auch der enge Antheil an den politischen Verhältnissen mei- nes Adoptivvaterlandes und die dadurch bedingten persönlichen Beziehungen dazu, um mich hier zu fesseln. - Ich habe Dir im Vorstehenden einmal ganz mein Herz ausgeschüttet, weil es mir Bedürfnis ist, mich endlich einmal Jemanden mitzutheilen. Ich erwarte aber von Dir, daß Du gegen Jedermann die strengste Ver- schwiegenheit darüber bewahrst. Wenn Du mir einen Rath ertheilen könntest, würde ich ihn mit Dank annehmen, obschon ich sehr wohl weiß, daß in solchen Fällen sehr wenig zu rathen und gar nicht zu helfen ist. Mathilde ist gesund und läßt bestens grüßen. Sie hat jetzt für ihre Schule so viel zu arbeiten, daß sie nicht mehr so leicht, wie sonst Briefe schreiben kann. Meine körperliche Gesundheit ist befriedigend. Dein treuer Bruder Herrmann


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