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Hermann Raster to Sophie Raster, April 19, 1864

Hermann Raster to Sophie Raster, April 19, 1864, p. 1
Hermann Raster to Sophie Raster, April 19, 1864, p. 2
Hermann Raster to Sophie Raster, April 19, 1864, p. 3
Hermann Raster to Sophie Raster, April 19, 1864, p. 4

Author

Hermann Raster

Recipient

Sophie Raster

Date

April 19, 1864

Origin

Brooklyn, N.Y.

Destination

Zerbst, Anhalt

Description

Letter from Hermann Raster to his sister, Sophie Raster, April 19, 1864.

Type

letter

Language

German

Tags

1860-1869, transcription under review

Source

Hermann Raster Papers

Collection

Raster Family Letters

Repository

Newberry Library

Citation

“Hermann Raster to Sophie Raster, April 19, 1864.” Hermann Raster Papers, Newberry Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1551

Original text

[roman:] New York [/roman] 19. April 1864 (Brooklyn)

Liebe Schwester

der beigeschlossene Brief von Mathilde ist, wie Du daraus ersiehst, einige Tage vor Ostern geschrieben, aber, ehe er geschlossen war, liegen geblieben, dann verkramt und vergessen worden, weil Mathilde unwohl wurde. Nach längerer Kränklichkeit hat sie sich vor= gestern (17. April) gelegt und heute ist eine Hautkrankheit ausgebrochen, von welcher der Arzt in diesem Augenblicke selbst noch nicht weiß, ob es die bösartigen Blattern, die Varioliden,


ein wiederkehrendes Scharlachfieber oder Masern in bösartiger Form sind. Während ich unter bängsten Besorgnissen am Krankenbette sitze, krame ich die peinlich ordnungslos durcheinander liegenden Papiere in dem Pulte meiner Tochter durch und finde da den unvollendeten Brief. Ich schicke ihn Dir so, wie ich ihn finde, nur am Schluß den unvollständigen Satz vervollständigend. Denn Wer weiß, ob sie ihn jemals selbst vollenden wird.

An dem Tage, wo sie erkrankte hatte sie das Zeugniß


für das neue Quartal in einer neuen deutsch - engli= suchen Schule nach Hause gebracht und mir damit eine sehr große Freude bereitet, denn es war vortrefflich. Sie hat in diesem Jahre rechte Fortschritte gemacht und liest jetzt ihre englischen Unterhaltungsbücher ebenso geläufig, wie ihre Rosa von Tannenburg, Ostereier, oder Robinson. Auch in der deutschen Rechtschreibung ist sie so weit, wie man es von einem Kinde ihres Alters nur erwarten darf; bloß


mit der Zeichensetzung lebt sie auf sehr gespannten Fuße, wie Dir auch der Brief zeigt. Ihr englisch schreiben ist schon recht gut und ebenso macht sie in der bekanntlich sehr schwierigen englischen Orthographie gute Fortschritte. Be= sonders freut mich, daß sie mit großer Vorliebe ihre Gedanken schriftlich und ganz selbstständig auszudrücken liebt. Bei jeder Gelegenheit schreibt sie mir deutsche oder englische Briefe, oft von der drolligsten Naivetät; auch hat sie sich schon an kleinen Erzählun= gen versucht, die natürlich nur unbe= wußte Erinnerungen an Gelesenes sind, doch immerhin selbstständig geordnet und aneinander gereiht. Bei der Entwickelung ihres Charakters geht eine überaus zärtliche Liebe zu mir mit ziemlich kräftigem eigenem Willen Hand in Hand. Mit freundlichem Gruße Dein [roman:] Hermann Raster [/roman]

[text at margin of page 1:] Nachschrift, 22. April. Mathildes Krankheit ist Gottlob nur die Masern und in so heftiger Form sie auch aufgetreten sind, ist doch jetzt bereits alle Gefahr verschwunden. Übermorgen soll sie schon das Bett verlassen. [/text at margin of page 1]


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