Windsheim, den 22. Sept. 27
Lieber Hans!
Deinen Brief erhalten und danke Dir für Deine Glückwünsche und für die 5 $. Leider konnte ich Dir heuer keine Freude machen. Das Geld kann ich sehr gut gebrauchen. Muß mir noch verschiedenes anschaffen unter anderem auch 1 Reißzeug. Heuer gab ich zum erstenmal Nachhilfestunden in Mathematik. Für die Stunde M 0,80 ist sicher nicht zuviel. Anfangs der Ferien hab ich in Vaters und Mutters Schlafzimmer einen Umschalter eingebaut, sodaß Mutter beim Licht ausdrehen nicht mehr aufstehen braucht. Vergangene Woche gabs im Keller immer Kurzschluß. Ich fand den Fehler lange nicht, denn wer denkt daran, daß im Porzellanrohr die Ursache der Störung zu suchen sei. Es hatte
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sich dort Wasser angesammelt, das den Leitungs draht, nachdem die Isolation abgefault war, Kurzschluß herbeiführen ließ. Als der Fehler mal gefunden, war die Störung gleich behoben. Soviel von meiner häuslichen Tätigkeit.
Du mußt mir noch erzählen, wie Dir das Buch „die Wiskotten“ v. R. Herzog gefallen hat. Bei der nächsten Gelegenheit schick ich Dir mal einige andere Schriftsteller, vielleicht „Faust“ v. Goethe.
Unser Stiftungsfest war sehr schön. Vergan- genen Sonntag waren wir in Würzburg, bei dem 40. Wiegenfeste unserer Freunschaftskorporation der Absolventen-Vereinigung v. 1887. Erwähnung verdient vor allem der gute Wein. Doch es soll mir feren liegen, Euch „arme Amerikaner“ zu verulken, sondern ich trinke auf Euer Wohl einen kräftigen Fetzen.
Kannst ja mit einer Zitronenwasserlimonade nachkommen.
Also Prosit!
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Wenn Du heute die Zeitung gelesen hast, so wirst Du auch von der Tannenberg-Feier gelesen haben, die den ausländischen Pressen Gelegenheit gegeben hat, über unseren Reichspräsidenten herzufallen. Er hat nämlich behauptet, Deutschland hat den Krieg nicht gewollt und habe nur aus Notwehr zur Waffe gegriffen. Das wollen aber unsere Feinde durchaus nicht wissen, besonders dem „vielgeliebten“ Primere klingt dies wie Teufelmusik in den Ohren. Ich wäre Dir nun dankbar, wenn Du mir auch einige amerik. Zeitungen schicken wolltest, die hierzu Stellung nehmen. Auch für die „Popular Mechanics Magazine“ wäre ich Dir dankbar. Noch eins: Ab 1. Oktober wohne ich Nürnberg, Hindenburgplatz 8, III. St. bei Dr. Hofmann.
Mit den besten Grüßen
Dein Philipp
Transcribed by Andrea Mohrhusen
Windsheim 22 September 1927
Dear Hans,
Thanks for your letter containing the birthday greeting and for the five dollars. Unfortunately, I could not reciprocate this year. I can really use the money. There are a number of things I need, including a set of drawing instruments. This year I started getting out of class tutoring for math. It costs 0.80 M for the hour, certainly not too much. At the start of vacation, I installed a light switch in Father and Mother’s bedroom so that Mother can turn the light off without getting out of bed. Last week there was always a short circuit in the cellar. For a long time I could not find the problem. Who would have thought that source of the short would be in the porcelain tube.
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Water had accumulated there, causing the wire to short due to rotted insulation. Once I found the error, I fixed it right away. So much for my domestic work.
You need to tell me if you liked the book “die Wiskottens” by R. Herzog. When I get a chance, I will send you books by other authors, maybe “Faust” by Goethe.
Our founder’s celebration was very nice. Last Sunday we were in Würzburg at the 40th anniversary of the founding of our social group the Alumni Club in 1887. The wine was especially good. Though I should make fun of you “poor Americans,” I drink heartily to your health.
You can join me with a lemonade. So, Prosit!
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If you have read the newspaper today, you will also have read about the Tannenberg celebration, which gave foreign presses an opportunity to attack our Reich President. He said that Germany did not want the war and only took up arms in self-defense. But our enemies don’t want to hear this, especially the “beloved” Poincaré to whom this sounds like Devil’s music. I would be grateful if you could send me some American newspapers that reported on this event. Also, I would thank you if you could send “Popular Mechanics” magazines. Finally: Starting October 1 I will be living in Nürnberg, Hindenburgplatz 8, III St. with Dr. Hoffman.
All my best,
Your Philipp
Translated by John G. Weinhardt