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Grüße v. Vater u. Mutter. Grüße an Deine deutschen Freun- de.
Windsheim, den 21. Dezember 1929.
Lieber Hans!
Heute Deinen Brief erhalten. Danke für Deine 5 Dollar. Bin jedoch der Meinung, daß Du sie notwendiger brauchen könntest. Also laß das in Zukunft und heb Dir das Geld für das kommende Jahr auf, wenn Du nach Deutschl. kommst. Mir ist leider immer noch keine Möglichkeit gegeben, mit Weihnachten aufzuwarten und wenn ich einmal trotzdem was kaufe, so werde ich dabei von Pech verfolgt. So kommt es, daß ich Dir nicht einmal ein deutsches Buch bescheren kann. Ich hatte nämlich für Dich eins gekauft, aber wie es mein Mißgeschick wollte, ließ ich es im Würzburger Zug liegen, als billige Reiselektüre. Hoffentlich kann ich dies im kommenden Jahr nachholen. Wenn Du diesen Brief erhälst, ist leider Weihnachten bereits vorbei, und so kann ich Dir nur noch
ein glückliches neues Jahr mit einem Wiedersehn im deutschen Lande
wünschen.
Ebenfalls möchte ich Onkel u. Tante
a Happy New-Year
wünschen
Deine Photo habe ich gesehen und gefallen mir sehr gut. Mich würde es interessieren, welchen Apparat Du besitzt, ob Du die Bilder selbst entwickelst u. welches Papier Du verwendest. Wenn ich Photo- Aufnahmen mache, so ent- wickle ich alles selbst. Mein Apparat ist eine Voigländer Kamera mit „Ibsor- Verschluß“, ohne doppelten Auszug. Leider hat sie keine Zeiß-Linse. Im kommenden Jahr möchte ich, sofern es mein Finanzminister erlaubt einen Vergrößerungs- apparat noch dazu bauen. Vielleicht gelingt es mir auch an Vaters od. Mutters Geburtstag einen Radioapparat anzuschaffen.
Zur Zeit sind bei uns Weihnachtsferien; heute ist der 1. Tag. Nach den Ferien muß ich im Januar meine Semestal- prüfungen schreiben, um dann vom 8. - 10. Februar ins „Ingenieurexamen“ zu steigen. Kannst den Daumen halten. Durchfallen werde ich ja gerade nicht, aber es heißt meine Durchschnittsnote von 2,0 auf 1,8 zu befördern, und das erfordert einen Haufen Arbeit. Meine Durchschnittsnote könnte viel besser sein, wenn ich mich nicht soviel mit andern Sachen beschäftigt hätte. Aber so bin ich halt veranlagt und zum „Spriralbohrer“, der nichts als sein Fach kennt, taug ich nicht. Dazu bin ich viel zu „impulsiv“ wie man bei uns so gut deutsch sagt. Vom 4. zum 5. Semester war ich Vorstand vom „deutschen Ring“, der alle Studenten-Corporationen unserer H.T.S. umfaßt. Außerdem habe ich den Studenten-Ausschuß
ins Leben gerufen u.s.w. das kostet natürlich auch Zeit. Aber trotzdem stehe ich, gemessen an meinen Studienkollegen ganz gut, von denen 80 % einen konstanten 4 im Zeugnis ha- ben. Ich glaube es wird auch das noch gut vorübergehen. Ob ich Zeit finde, Dir während der Prüfungszeit zu schreiben, glaub ich kaum, aber nachher teile ich Dir meinen „Erfolg“ mit.
Wenn ich dann die Berechtigung besitze, „zur Ausübung des Ingenieur-Berufes“, wie es so schön heißt, dann werde ich mich jedenfalls nach einer Stelle umtun. Wohin ich gerate weiß ich noch nicht. Von meinen weiteren Plänen kann ich noch nichts sagen, weil ich mir noch nicht klar bin wie und ob ichs machen kann, nämlich noch einige Semester in München zu studieren.
Übrigens was anderes: In Nürnberg traf ich „Maiern Heiner“ Deinen „Semesterkollegen“. Er ist auf einer Bank in Nürnberg. Engelhardts Richard ist in Gunzenhausen. Der Ernst bei Standtler. Leider konnte ich nicht die beiden Engelhardts treffen, weil ich nur immer kurze Zeit in Schwabach bin. Wenn ich Maria besuche fahre ich am Dienstag raus um 11:15 u. bin um 2 Uhr wieder in Nürnberg. Neulich war ich einmal Sonntags draußen, konnte sie aber auch nicht treffen. Viele Grüße vom Maiern(?) Heiner soll ich ausrichten. Im Februar werde ich mich noch einmal eingehender mit den „Verhältnissen“ in Schwabach be- fassen, also bis dahin noch Geduld.
Einen Vorschlag möchte ich Dir machen. Befasse Dich etwas mit Radiotechnik, und zwar nach den allgemeinen Grundlagen speziell mit Kurzwellen-Sender u. –Empfänger. Du brauchst ja nicht die Theorie zu beherrschen, sondern nur den Aufbau des Empfängers u. Senders, sowie den Betrieb zu kennen. Warum? Der Grund ist folgender: Wenn mein Studium an der H.T.S. zu Ende ist werde ich mir einen Kurzwellen Sender u. Empfänger bauen. Ebenfalls mehrere meiner Studienkollegen. In Deutschl. ist das Senden zwar verboten, aber mit kurzen Wellen senden nur wenige, u. erwischen tuns uns, wenn wir schlau sind noch lange nicht.
Wenn wir in Deutschl. guten Empfang haben, dann möchte ich mit Dir in Verbindung treten. In Amerika ist Senden erlaubt. Nur hast Du dort mehr Störer wie wir hier. Die Wellenlänge ist 20-100 Meter. Wir werden nicht immer mit derselben Wellenlänge arbeiten können. Mein Vorschlag ist folgender: Du wartest ab, welchen Erfolg wir mit den neuen Apparaten unseres Radiospezialisten u. Dozenten von Sengbusch(?) haben. Sind sie gut, dann gebe ich Dir die Konstruktionseinzelheiten an. Wenn Du kommst, kannst Dir ihn vielleicht schon ansehen. Außerdem schicke ich Dir Photographien. Kosten ~ 100 – 150 M. (Mark). Du kannst natürlich erst zu bauen anfangen wenn ich Dirs sage u. wenn Du das Geld hast. Vielleicht kann ich Dir manches gleich mitgeben.
Ergebnis: Mutter drückt ein paar Knöpfe und hört ihren Hans in Amerika. Bücher u. Studienmaterial sende ich Dir im Frühjahr.
Unser Dozent hatte guten Empfang mit Indien, Amerika Neu-Guinea, Also muß auch bei uns gehen.
Morgen ist Volksentscheid. Zweck: Abschaffung des Young-Plans, der Deutschland auf weitere 60 Jahre zum Sklaven der Entente machen soll. Schaffung einer Weltbank zum Tribut verwalten u. verteilen, den die Deutschen liefern. Hält Deutschl. nicht aus, werden Deutsche ins Ausland geführt, um dort den Tribut zu verteilen. Die Weltbank hat das Recht, deutsche Unternehmungen mit dem von uns gelieferten Geld aufzukaufen. Die sind dann steuerfrei, d. h. es fallen einige Millionen an Steuerertrag des Reiches weg, mit dem Deutschl. den Tribut zahlen soll.
Wir können ohne Zweifel die 2 1⁄2 Milliarden im Jahr bezahlen. Sogar 60 Jahre lang. Dann aber ist Deutschl. hin u, es war einmal.
Morgen stimmen dafür, d. h. für die Ablehnung des Young-Planes:
die Deutschnationalen (Hügenberg) die Nationalsozialisten (Hitler +) die Tannenberger (Ludendorff)
Alle andern Parteien von der Bayrischen Volkspartei bis zu den Kommunisten bleiben der Abstimmung fern. Wir sitzen heute in Deutschland in einem baufälligen Haus das wahrscheinlich bald zusammenkracht, um entweder neu- zuerstehen od. unterzugehen.
überstaatliche Mächte
Ludendorff kämpft im Tannenbergbund gegen Juden, Freimaurer u. Jesuiten. Er fordert Unabhängigkeit der kathol. Kirche von Rom, Eine einheitlichen deutschen Glauben, begründet auf dem Glauben unserer Vorfahren (Edda- u. Wedda-Schriften) Er lehnt auch die protestant. Kirche ab, als von Freimaurern durchseucht (sehr viele protest. Geistliche sind Freimaurer) u. im Gängelband der kath. Kirche. Die Juden bekämpft er als Para- siten u. Volksverderber.
Hitler, lehnt Glaubenskampf in seiner Bewegung ab, kämpft in 1. Linie gegen Juden erst in 2. Linie gegen Freimaurer. Ganz schwach gegen die kath. überstaatl. Bestrebungen.
Hüpenberg lehnt den Kampf gegen Jud, Jesuit (kath. Orden) u, Freimaurer ab. Kennt nur „nationale“ (?) Ziele.
Mir persönlich sagt Ludendorff-Bewegung am meisten zu, obwohl er einen fast übermenschlichen Kampf führt.
In der nächsten Zeit schicke ich Dir Zeitungen und Schriften u. kannst Dich dann selbst orientieren. Geb diese nich Deinen deutschen Freunden zum lesen.
Mit herzlichem Gruß
Dein Bruder Philipp
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Weihnachten ist kein Fest der Kirche sondern ein rein germ. (germanisches) Fest, nur umgewandelt seitens der Kirche.
Darum findest Du den Christbaum ursprünglich nur bei germ. Völkern. Bei den Italienern findest ihn nicht.
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Die Edda enthält die Christus Geschichte ähnlich wie die Biebel, nur ist Christus kein Jude sondern Arier (Indogermane) Aber der Edda ~ 3000 Jhre (Jahre)
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Greetings from Father and Mother Greetings to your German friends
Windsheim, December 21 1929
Dear Hans,
Received your letter today. Thanks for the 5 dollars. However, I’m sure you could have used the money yourself. So stop sending money and save it for next year when you come to visit Germany. Unfortunately, I have had nothing but bad luck trying to come up with something for Christmas. So it is that I cannot send you a book as I had intended. I had bought a book for you, but as my misfortune would have it, I left it on the Würzburger train. It is now cheap reading material for somone else. Hopefully, I can make up for it next year. Once you receive this letter, Christmas will already be over, so I can only offer you best wishes for a happy new year and reunion in Germany.
Also, I would like to wish Uncle and Aunt a Happy New Year.
I saw your photo and liked it a lot. I would be interested to know what kind of camera you use, whether you develop the film yourself, and what sort of paper you use. When I take photos, I develop them myself. My outfit is a Voigtländer camera with Ibsor shutter, without the double extension bellows. Unfortunately, it does not have a Zeiss lens. Next year, if finances allow, I would like to build an enlargement apparatus. Maybe I will also be able to get a radio for Father or Mother’s birthday.
Christmas vacation just started. Today is the first day. After vacation, in January, I will have to take my semester exams; then from February 8-10 it’s on to the Engineer examination. Keep your fingers crossed. I’m certainly not going to fail, but I want to improve my gradepoint average from 2.0 to 1.8, and that means a lot of work. My GPA could have been much better had I not gotten so involved with other things. But that is my nature. I am not inclined to be a bookworm who only cares about school. I’m too impulsive for that. During semesters 4 and 5, I was busy as a member of the executive committee of the "deutschen Ring", the all-student organization of our H.T.S.
Additionally, I launched the student committee and that took a lot of time. Despite that, my standing among my peers is quite good, as eighty percent of students always have a 4 on their report cards. I think all will go well. I don’t think I will find the time to write you during the testing period, but I will write afterwords and let you know of my "success".
Once I receive the certification to "practice the Engineering Profession", as good as that sounds, I will look for a position. I just don’t know exactly where just yet. I don’t know about further plans, since I have not yet decided whether to study an additional semester in Munich or even how I could manage that.
On another topic: In Nürnberg I ran into your school mate Heiner Maier. He works at a bank in Nürnberg. Richard Engelhardt is in Gunzenhausen. Ernst is working at Staedtler. Unfortunately, I could not meet up with both Engelhardts since my visits to Schwabach are always short. When I visit Maria, I leave at 11:15 and am back in Nürnberg by 2:00. Recently, I was there on a Sunday but could not meet them then either. I have been asked to pass along best wishes from Heiner Maier. In February I will once again get tuned into the goings on in Schwabach. Patience until then.
Here is a proposal: Familiarize yourself with radio technology, especially with the general principles of shortwave transmitters and receivers. You do not have to learn the theory, but just how to operate transmitters and receivers. Why? Here is the reason: When I have finished with my studies here at H.T.S., I will build a shortwave transmitter/receiver. Several of my fellow students will do the same. In Germany, transmitting is illegal, but few people are transmitting shortwave and if we are smart about it, we won’t get caught. If we can get good reception in Germany, I would like to communicate with you. Transmission is allowed in America. You will just have more interference from others there than we have here. The wavelength is 20 - 100 meters. We will not always be able to use the same wavelength. Here’s the plan: you sit tight while we determine what sort of success we will have with our new radios. If successful, I will send you the construction details. You will able to take a look when you come to visit. Until then, I will send you some photographs. The cost should be 100 - 150 Marks. Naturally, you will want to postpone construction until I give you the go ahead and you have the money. Maybe I can contribute something. Final result: Mother presses a couple of buttons and hears her Hans in America. I will send you books and study materials in the Spring.
Our lecturer has had good reception from India, America, New Guinea. So, it should work for us.
Tomorrow is the referendum. The purpose: to abolish the Young Plan which would enslave Germany for another 60 years to the Allies. Establishment of a world bank to manage and distribute tribute collected from the Germans. If Germany does not stand up to this, Germans living overseas will be required to participate in payment of the tribute. The World Bank has the right to buy up German businesses with money collected from us. These are then tax free; that means millions will be lost from the tax base should Germany pay the tribute. We can undoubtedly pay the 2 1/2 billion per year. Even for 60 years. But then Germany would be finished. Tomorrow, the following political groups will support the referendum to abolish the Young Plan:
The German Nationals (Hugenberg)
The National Socialists (Hitler)
The Tannenbergers (Ludendorff)
All other parties from the Bavarian Peoples Party to the Communists are staying away from the vote.
Today, we in Germany are living in a dilapidated house that will probably soon collapse either to be rebuilt or perish.
Ludendorff and the Tannenbergbund are against Jews, Freemasons, and Jesuits. He calls for independence from the Catholic church in Rome, and a unifying German religion based on the beliefs of our forebears (Edda and Wedda writings). He also rejects the Protestant church as having Freemasons in their midst and being influenced by the Catholic church. He characterizes Jews as parasites and corruptors of the people.
Hitler rejects religious faiths in his movement, and is foremost against Jews and secondarily against Freemasons. His opposition to the Catholic church is very weak.
Hugenberg rejects the struggle against Jews, Freemasons, and Jesuits. He is concerned only with nationalist goals.
Personally, the Ludendorff movement is the most appealing even though the odds are overwhelmingly against it.
Next time I will send you newspapers and writings so you can educate yourself. Do not give these to your German friends.
With affectionate regards, Your brother Philipp
(bottom right corner and side)
Christmas is not a celebration of the church, but rather a pure Germanic celebration which has been transformed by the church. That’s why the Christmas tree is originally only found among Germans. Italians have no Christmas tree.
The Edda contains a Christ story similar to the Bible’s, except that Christ is not a Jew but an Arian (IndoGerman). But the Edda is about 3000 years old.
Translated by John G. Weinhardt