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4. dahin wandten wir uns, H Professor theilte uns ehrlich u offen mit daß sein Charakter ein verschrobener gemeiner sei, was uns denn in Verbindung mit einem anderen unerwarteten Zeugniß auf seinen wiederholte Anfragen auf einem nein beharren ließ, u ich dankte Gott, daß er mich vor dieser Verbindung bewahrt hatte; er weiß es recht zu machen, u ich will ihm auch in Zukunft vertrauen; auch wenn er uns unsere liebsten Wünsche versagt, so würde er solches gewiß nicht thun wenn es nicht gut für uns wäre, wenn wir gleich immer wieder und wieder an dieser Lektion zu lernen haben; so ist sie doch der rechte Trost in der Stunde der Traurigkeit u Noth, da uns unser eigenes Herz verdammt, und wir können ihm nicht genug danken daß er durch Erziehung u Unterricht solchen Saamen von früh auf in unser Herz gestreut hat, u etwa eine würdige Mutter als irdisches Vorbild an die Seite gestellt hat. Recht inniges Mitleiden habe ich mit einer lieben Freundin der schon früher erwähnten Marie Zuler Tochter des Herrn Oberamt= manns, diese ist seit kurzem Jakobs Braut, der zwar seit deinem weg gehen Stadtpfleger geworden ist, auch äußerlich vielleicht etwas mehr Ansehen gewonnen hat, im Grunde aber noch derselbe Mensch. So wie er früher bekannt war u wie du ihn vielleicht noch im Gedächtnis haben wirst, er ist dieses unschuldigen arglosen Geschöpfs nicht wehrt, das sein 19 Jahr noch nicht erreicht hat. In dieser Jugend kann man es einem Mädchen am ehesten verzeihen das von seinen Eltern auf Bälle u in Gesellschaften geführt wird, wenn es sein Ohr den Schmeicheleien eines Mannes leiht, die so fein angesponnen waren daß er endlich den Sieg davon trug, der Vater wurde von dem guten Geschäftsmann bezauberte, die Mutter bethörte das Hierbe= halten der Tochter aber das sorgfältig [?] erzogene [/?] Kind ist an ein schönes Hündchen u an einen unsoliden Mann verkauft der sie wohl äußerlich auf den Händen trägt, wo aber kein wahres Glück begründet sein kann. Schon im Feb. wird die Hochzeit sein ich werde Brautjungfer zu welchem Amt die l Mutter ein weißes Kleid als Christgeschenk gegeben hat.
[page 4, left margin:] Ein Buch das uns in neuster Zeit viel Freude macht, ist das Leben und die Hausregeln des württem= bergischem PfarrersF Hattich, er muß ungefähr zu derselben Zeit mit dem Großvater Enslin gelebt haben.
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[Obviously the letter is incomplete, there is neither a greeting nor a reference to the writer of the letter]
