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Schwaney. 11. Juli
Lieber Bruder Ich muß Dir schreiben
wie es uns geht wir sind noch gesund und
[strikethrough:] mute [/strikethrough] munter und es geht uns noch recht gut
wie mans auch von euch hört. Lieber Bruder
Ich kann mir nicht genuch ["genug"] wundern das Du an
uns auch schreibst wir hatten geglaubt Du
hättest uns ganz vergessen wie Deine
Schwester Agnes. aber daß sehe Ich doch das
das der Fall nicht ist aber Ich denke doch daß
Du uns wohl etwas eher hättest schreiben
können. Aber wenn man von Hauß ist und in
die Fremde geth dam denkt mann nicht mehr
ans Hauß. Jetz will ich Dir andere neuichkeiten [footnote: "Neuigkeiten"]
schreiben Elisabeth ist zu Hauße und muß den
kleinen Georg erst großwahrendenn es kan [footnote: "kann"]
noch nicht laufen. Dein Onkel und Tante
geth es noch recht gut Johannes und Agathe
die Leben noch wie früher auch. Wier freuen uns
daß Du in guter Arbeit bist und etwas verdienst
Die Altenbeker Hütte [Anmerkung: gemeint ist ein Hüttenwerk, in dem aus Eisenerz Roheisen hergestellt wird] wiert ["wird"] den 12. Juli wohl
loßgehen ["losgehen", Anmerkung: gemeint ist, dass die Hütte in Betrieb genommen wird] den ["denn"] der Dierekter ["Direktor"] und ein Sikerater
die sind dem Freitag 9. Juli gekommen.
?s ["Es"] hat hier schon lange gerechtnet ["geregnet"]. ? den
Klee und daß Graß ["Gras"] können die Leute
nicht troken ["trocken"] bekommen den ["denn"] es rechnet ["regnet"] gar
zu fiel ["viel"]
