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Callbach, den 11. Januar 1900
Viellieber Schwager!
In Deinem letzten Briefe hast Du Deine über= große Freude ausgesprochen über Malchens glück= liche Genesung. Wollte Gott, es wäre so; aber leider, lieber, lieber Eugen, ist es nicht der Fall. Malchen hat Dich wieder getäuscht ein Betreff seiner Gesundheit, wie wir es schon jahrelang gethan haben. Als es Dir den letzten Brief schrieb, war der Krankheitsprozeß noch nicht zum Höhe= punkt gelangt, aber seit jener Zeit muß es beständig im Bett liegen. Und was mein heiß= geliebtes Kind leider erdulden muß! Ich habe alles versucht und stehe jetzt ratlos da. Kein Weg war mir zu weit, keine Mühen zu beschwerlich, keine Ausgabe zu groß. Wo ist Hilfe, wo Rettung? Fasse Dich lieber Eugen. Sei ein Mann! Denke an mich. Denke, daß mein Lieb, Dein treues Schwesterlein, doch glückliche Jahre an meiner Seite verlebt
