Eugen and Lisbeth Haas to Eugen Klee, September 14, 1921, p. 1 - image of
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Knittelheim, 14. Septb. 1921.
zur Zeit Heuchelheim.
Lieber Onkel! Liebe Tante!
Eure herzliche liebe Einladung zu einem Zusammentreffen in Münster a/St haben wir heute erhalten. Wir erkennen daraus Eure Liebe und Freundlichkeit, uns, trotz eines nur kurzen Zusammenseins – das eine Eisenbahnfahrt von Münster a/St nach Bingerbrück wäre– eine Freude mit der Rheinreise zu bereiten und danken Euch herzlich dafür.
Leider ist uns ein Kommen nicht möglich. Die schlechten Ernteaussichten und die damit bedingten Preissteigerungen auf allen Gebieten des täglichen Lebens setzen Schranken, die nicht zu übersteigen sind; sodaß wir auch von dem geplanten Ferienaufenthalt in irgend einem Beamtenerholungsheim Abstand genommen haben. Lisabeth u ich haben letzten Montag nur eine kleine Wanderung nach Bad Dürkheim unternommen von der ich wieder eine tüchtige Erkältung davon getragen habe. Erkältungen nach Reisen – gleich ob groß oder kleine Fahrten, sind bei mir eben an der Tagesordnung. Diesen Brief schreibe ich im Bett und bitte ich daher, die schlechte Schrift gütigst entschuldigen zu wollen. Wir haben ja erfahren und gesehen, daß Ihr zwei glückliche Menschen seid und ich bin zufrieden und glücklich, daß Du, lieber Onkel, in dem Herzen Deiner lieben Frau ein solches Herz gefunden hast, das treu, stark und nur für Dich schlägt und Dir Heimat und alles zu ersetzen vermag. Die Erinnerung an die Heimatstadt Otterberg – der aus Heimatliebe fast Euer ganzer Aufenthalt ge= widmet war – wird Euch drüben überm Wasser manchmal beglücken und
