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Schwabach, den 18. Januar 24.
Meine Lieben!
Euer Paket erhielten wir am 12. Januar 1924 welches uns sehr überraschte und sehr grosse Freude bereitete. Hättet Ihr einen Augenblick in unsere Mitte schauen können beim Öffnen des Packets, wie erstaunt wir waren uber die vielen wertvollen Sachen, die auf eine jedes bedacht waren. Wir haben es so verteilt wie ihr es angegeben habt. Ich habe eine unendliche Freude. Mein Kleid lass ich mir machen zu meiner Silbernen Hochzeit im März. Wir sind schon 25 Jahr verheiratet. Wie geht es Euch meine Lieben Hoffentlich seit Ihr alle recht gesund, was wir Euch von Herzen wünschen. Wie habt Ihr Weihnachten verbracht. Ist das Christkind gewiss recht eingekehrt. Wir hatten eine traurige Weihnachten, denn unser Philipp, der ungefähr vor einen Vierteljahr sein Bein gebrochen hat und wieder soweit war, dass er die Schule wieder besuchen konnte fiel am Heiligen Abens so unglücklich, dass das Bein wieder ab war. Ihr könnt Euch denken, dass unsere ganze Weihnachtsfreude damit verdorben war. Nun muss er wieder im Bette liegen in der Schiene und im Gipsverband. Nun habt Ihr uns, Ihr lieben eine solch grosse Freude bereitet für die wie Euch tausendmal Dank sagen, können Euch ja gar nichts mehr vergelten, was Ihr an uns Gutes tut. Wenn Hans zu Euch kommt, wollen meine beiden Tochter für ihre liebe Tante etwas sticken als Andenken. Wir haben heuer einen sehr strengen Winter und gar mancher Arme wird in dieser Kälte erfrieren. Es ist nur schade, dass wir uns nicht selber sprechen können, denn wir können auch Euere Briefe nicht immer selber lesen.
Wir werden am 1. Februar 1923 leider versetzt und zwar nach Windsheim, das zwar nicht recht weit von Schwa- bach ist, aber die Arbeit mit dem Einbacken bleibt uns trotzdem nicht erspart. Wenn Ihr also wieder schreibt, so müsst Ihr Euere Briefe nicht mehr nach Schwabach
sondern nach W i n d s h e i m, Bayern senden.
Noch einmal tausendfachen Dank für all das Gute, das Ihr uns schon in dieser kurzen Zeit getan habt und seit herzlich gegrüsst von
Euerer
