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Marie Taylor to Lina Hansen, June 27, 1876

http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0122_0002.jpg

Revision as of Jun 4, 2022, 12:07:18 PM
protected by Dilla
Revision as of Mar 3, 2026, 3:55:19 AM
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ist es freilich unmöglich vor Abend
 
ist es freilich unmöglich vor Abend

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alle drei zusammen nach Phil.a, um den folgenden Tag, am 4ten, zur Hun= dertjahrfeier an Ort u. Stelle zu sein. Die Feierlichkeit wird, der Jahreszeit wegen, bereits um 9 Uhr morgens anheben. Lilian u. ich haben gute Plätze auf den zu errichtenden Sitzreihen in Aussicht. Wir sind beide noch mit un= sern Toiletten für den feierlichen Tag beschäftigt. Wir haben beide weiße Kleider mit russischen Spitzen verziert, die ich vor 13 Jahren in Petersburg von einer Bänderin kaufte u. die nun plötzlich zur Mode passen. Lilian hat sich wieder ganz erholt u. sieht frisch u. blühend aus. Sie verwendet diesen Sommer über nur täglich 2 Stunden auf ihre Studien, die meistens darin bestehen, das Gelernte nicht zu vergessen, damit sie das höhere Examen im Sept. gut bestehen kann. Noch bin ich nicht dazu gelangt Dir den Bericht über [roman:] Vassar College [/roman] zu übersetzen, doch hoffe ich nächstens dazu kommen zu können. So lange ich nun hier bin, habe ich viel zu thun gehabt, was jetzt hoffentlich bald vor= bei ist. Es gab so vielerlei im Hause u. außer dem Hause, was der Nachhülfe u. der Ausbesserung bedurfte, daß ich vollauf damit beschäftigt gewesen bin. Durch meine Bemühungen haben wir jetzt doch, trotz der fehlenden, in N.Y. verwendeten Möbel, u. der abgetra= genen Teppiche, wieder einige wohnliche Zimmer. Besonders angenehm ist mir mein großes weites Schlafzimmer

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im obern Stock, wo ich mich meistens aufhalte. Wenn es nicht zu heiß ist, sitzen wir morgens auf dem breiten Balkon, der davor liegt u. von dem der Blick über den [roman:] "lawn" [/roman] u. die Gehölze so schön ist. Wie das Wetter jetzt ist, ist es freilich unmöglich vor Abend im Freien zu sitzen. Öffnet man die Thür ins Freie am Tage, so weht einen ein Hauch wie aus einem Backofen an. Draußen habe ich die Blumenbeete zurecht machen lassen u. einige Blumen zur Zierde gepflanzt, die aber einen schweren Kampf mit der glühenden Sonne u. der Trocken= heit zu bestehen haben. Auch habe ich mir einen ganz kleinen Gewürz= garten zurecht machen lassen u. einige Lieblingsgemühse darin gesät u. gepflanzt. Auch etwa ein Dutzend Melonenpflanzen habe ich, die gut stehen. Wenn die Dürre gar zu groß ist, muss Lilian mir des Abends Wasser beitragen um sie zu begießen. L. u. ich besorgen seit 8 Tagen auch unsere eigenen Stuben u. helfen beim Tischdecken- u. abtragen. Meine schwarze Köchin, die ich mit hierher brachte um diese Arbeit zu thun, ist mir un= treu geworden. Sie war offenbar durch den leichten Dienst in N.Y. ver= wöhnt, fand es etwas beschwer= licher u. weitläufiger hier u. ver= ließ mich somit. Ich helfe mir nun auf andere Art, denn ein Mädchen will ich hier nicht aussuchen, sie sind alle nichts werth. Ich thue

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