Ich wurde in Pennsylvania geboren, und habe meine Kindheitsjahre in Pittsburgh verbracht, bevor ich während meiner Grundschulzeit nach Asheville, North Carolina, umgezogen bin. Ich habe mich frühzeitig für Sprachen interessiert, wobei ich mit Französisch angefangen und danach Latein genommen habe. Da meine Familie deutsch-amerikanisch ist, habe ich das Abitur in Deutschland und später einen Abschluss in Deutsch an der Hochschule gemacht. Das hat mir geholfen mich auf Philologie zu konzentrieren. Während meiner Promotion als PhD verbrachte ich viel Zeit im Ausland und Deutschland, einschließlich Oberbayern. Ich lebte ein Jahr in Freiburg, und ein paar Jahre in Kiel und Schleswig-Holstein, wo tatsächlich einige meiner deutschen Abstammungen liegen.
Als ich in der Hochschule war, haben mich meine Eltern - die kein deutsch sprechen – gebeten, alte Familienbriefe und Postkarten zu übersetzen. Diese Briefe und Karten waren in Kurrentschrift geschrieben, was ich nicht lesen konnte. Daraufhin habe ich mir die Kurrentschrift mit Hilfe meines Großvaters, der Kurrentschrift in seiner amerikanischen Grundschule gelernt hatte, selbst beigebracht.
Ich habe zuerst Sütterlinschrift gelernt, weil mein Großvater auch diese Schriftart zuerst gelernt hatte. Er hat mir seine alten Schulbücher gegeben, in Sütterlinschrift geschrieben waren, und ich nutzte diese, um zu üben und zu lernen. Das wunderbare an Kurrentschrift ist, dass man auch anderen Schriftarten lesen kann, sobald man einen Stil gelernt hat. Das wiederum ermöglicht es, Briefe aus mehreren Regionen und mit verschiedenen Dialekten zu lesen.
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„Unter den ersten dutzend Briefen und Dokumenten, die ich transkribiert habe, befand sich eine Familienpostkarte [aus der Gemeinde Flensburg]. Die meisten Buchstaben und Wörter konnte ich erkennen, aber irgendwie sah alles aus wie falsch geschriebenes Deutsch. Es war aber überhaupt kein Deutsch, sondern richtig geschriebenes Dänisch! Ich hatte nicht bemerkt, dass dieser Teil meiner Familie mehr dänisch als deutsch gesprochen hatte. Englisch, Deutsch und Dänisch sind sehr ähnliche Sprachen, aber definitiv nicht gleich.“ |
Die Schrift von manchen Schreibern ist nicht so klar und identifizierbar wie bei anderen. Die Buchstaben „a,“ „e,“ und „o“ sind manchmal besonders schwierig zu erkennen, weil sie beim Schreiben einiger Leute identisch erscheinen. Deswegen ist es essenziell den Kontext der Briefe zu verstehen und vor allem den Zeitraum zu beachten, in dem sie geschrieben wurden. Ich habe gelernt, die Angewohnheit eines Schreibers zu bemerken; wie zum Beispiel bestimmte grammatische Fehler oder die Art Poesie zu beschreiben. Sobald ich eine schreibende Angewohnheit identifiziert habe, ist es weniger wahrscheinlich, dass ich später in dem Schreiben davon überrascht werde.
Einer der lohnendsten Aspekte Menschen dabei zu helfen etwas über ihre Briefe zu lernen, ist das Aufleuchten ihrer Gesichter, nachdem sie ihre solange weggesperrten Briefe tatsächlich lesen können. Dieses „freischalten“ hat mich dazu gebracht, die Webseite, auf der ich den größten Teil meiner Arbeit mache, als „Schalte deine Geschichte frei“ zu bezeichnen.
Die Arbeit mit Handschrift macht den größten Teil meiner Arbeit aus. Das hat das Projekt von Anfang an attraktiv gemacht hat. Die Möglichkeit, Transkribierende zu unterrichten und zu beraten, hat mich ebenfalls sehr angesprochen. Ich war ein Professor für deutsche Linguistik für mehrere Jahre und habe unter anderem an der University of Pittsburgh und der University of Southern Indiana gelehrt. Ich habe es immer geliebt zu unterrichten. Besonders mag ich die „Aha“-Momente der Schüler zu sehen. Ich gebe gerne meinen Schülern kleine Hinweise, bis sie den Punkt erreichen, an dem sie die Briefe selbst identifizieren und verstehen können. Sobald sie diesen Punkt erreicht haben, unterrichten sie sich im Wesentlichen selbst, was für mich als Lehrer sehr lohnend ist. Ich lasse mich dabei von Rimsky-Korsakov inspirieren, ein berühmter Komponist und großartiger Musiklehrer. Er hat am Anfang von jedem Kurs gesagt: „Zuerst werde ich reden, und ihr hört zu. Dann werde ich weniger sprechen, und ihr werdet mehr und mehr tun. Am Ende werde ich kaum noch reden.“ Das ist der Weg zu lehren, wie ich es sehe. Am Anfang hatte ich befürchtet, dass ich mich bemühen wüsste, Anfänger auf den neuesten Stand zu bringen, war aber erfreut zu sehen, dass die Transkribierenden bereits sehr gut waren, wenn es um Kurrentschrift ging. Ein weiterer Vorteil des German Heritage in Letters Projekt ist für mich, dass ich alle Arten von Briefen sehe, die ich normalerweise nicht sehen würde.
Außerhalb der Sprachen arbeite ich ehrenamtlich und erstelle und pflege nachhaltige Wanderwege in den südlichen Appalachen, in denen ich derzeit lebe. Die Arbeit, an der ich beteiligt bin, wird es ermöglichen, dass diese Wanderwege in 100 Jahren immer noch in gutem Zustand sind.
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Stefan Israel (bottom right) conferring with a group of volunteer German Heritage in Letters transcribers in an online meeting |
Stefan Israel discussing his participation in a group of volunteers who keep North Carolina hiking trails in good condition (photograph courtesy of WLOS-TV) |