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Emma Hilgard (von Xylander) to Henry Villard, December 2, 1867

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Author

Emma Hilgard (von Xylander)

Recipient

Henry Villard

Date

December 2, 1867

Origin

Nürnberg, Bavaria

Description

Letter from Emma Hilgard von Xylander to her brother, Henry Villard, December 2, 1867.

Type

letter

Language

German

Tags

1860-1869, transcription under review

Source

Henry Villard Papers, MS Am 1322

Collection

Henry Villard Family Letters

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Emma Hilgard (von Xylander) to Henry Villard, December 2, 1867.” Henry Villard Papers, MS Am 1322, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/575

Original text


[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

Montag d. 2./12. 67. Abends.-

Mein lieber Bruder!

Sehr erfreut sind wir, fortwährend so gute Nachrichten über Dein Befinden zu bekommen, u. hoffentlich bleibt daßelbe auch so gut bei der jetzt eingetretenen kalten Temperatur. - Bei Euch ist es zwar wohl viel milder, - hier haben wir [insertion:] hingegen [/insertion] seit 14 Tagen fest gefrorenen Schnee, - u. oft so kalt dabei, - daß man sich kaum wärmen kann; Tante spürt sehr die Kälte, - kann bei dieser Luft natürlich nicht ausgehen, - u. fühlt da ihr Leiden, doppelt schmerzlich; u. doch hat sie eigentlich wenig Zeit, daran zu denken, - sie ist fast nie allein, des Nachmittags u. Abends, - die Bekannten sind alle äußerst aufmerksam, finden es so behaglich bei Tante, daß sie stets gerne wiederkommen; gestern Nachmittag, - waren auch Julius u. Großmutter wieder auf länger bei ihr, - Ersterer zum 1ten Male seit Fanny weg ist; wir plagten ihn deßhalb gehörig, - so ein junger Onkel, - u. verführerische Nichte ist nicht so ohne Bedenken. - Heute, konnte ich gar nicht zu Tante gehen, - schon das 3te Mal in 8 Tagen, - daß ich so unwohl bin, - daß ich gar nichts leisten kann. -

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

u. doch ist nun, nichts ach! gar nichts mehr von den theuren Zügen vorhanden. - Die schönen Blumen auf dem Grabe, sind gleich ihm erstorben, - kalter Schnee bedeckt die theuere Stätte; sie, werden wieder erwachen, doch ihn sehen wir nicht mehr, - nie mehr, - er, der nur Liebe u. Güte war, - ach! alles Leid, - die ganze Fülle des Jammers liegt in dem Gefühle. - Doch hinweg, - mit diesen trüben Gedanken, - laß mich zu Euch zurückkehren, - bei denen unser Gedenken so wie ist, - zu denen kommen zu dürfen, - jeder Brief, mit den verlockenden Beschreibungen mehr Sehnsucht erweckt. - Das leidige Geld, - es erlaubt es nicht; so heißt es schön vernünftig sein, [insertion] zufrieden [/insertion] mit dem, was man in seiner nächsten Nähe hat - Du fragst nach M. Esebek's Adresse, u. doch weiß ich nicht einmal ob sie schon in Paris ist; sie hat mir auf den letzten Brief, den ich ihr vor 5 Wochen nach Bamberg schrieb nicht geantwortet, u. weiß ich nun gar nicht wo ich sie suchen soll. - daß Ihr so angenehme amerikanische Freunde in Paris gefunden habt, freut mich ganz besonders für Fanny, - die sonst wohl manchmal nach ihrer Heimath, Heimweh haben mögte, - wenn Du so sehr beschäftigt bist; schade, daß Fanny nun nicht hier ist, es folgen Schlag auf Schlag, schöne Conzerte u. Opern, -


[page 1, top margin, upside-down (end of letter):]

Laßt bald wieder von Euch hören, - Briefe erfreuen so sehr, - ich schreibe wenn ich Stoff habe, - doch unser derzeitiges Leben, - bietet dessen zu wenig. - Gute Nacht nun lieber Heinrich, - einen Kuß Dir u. Fanny von Eurer Emma.

[/page 1, top margin, upside-down (end of letter)]

[page 2, left hand side]

Die, mich, gleich Dir so plagende Migraine stellt sich jetzt lästig oft bei mir ein, - u. zwar in den letzten Tagen so heftig, daß ich fürchtete ernstlich krank zu werden; gottlob löst sich nun seit gestern die Sache in einen schauderhaften Schnupfen auf, - der heute hoffentlich den Höhepunkt erreicht hat, - denn Mund u. Nase sind so angegriffen davon, daß ich mich vor Niemand sehen lassen kann. - Trotz meinem Unbehagen, habe ich doch die nothwendigsten Gänge machen können, - die das herannahende Christfest eben immer erheischt; Ich werde suchen nach Möglichkeit Tantens Wünsche meinerseits zu erfüllen, - u. ich nebst kleinem Hand- arbeiten, - noch fehlendes in die Haushaltung, was sie sich wünscht schenken, - [insertion:] unter [/insertion] anderem auch einen Käfig mit Kanarienvogel, der in die Mitte des Blumentisches placirt wird. - von Richard, hat sie sich schöne [insertion:] geschliffene [/insertion] Gläser u. Cristalbecher gewünscht, - so wie, einen Tischteppich; von Dir, möchte sie am liebsten eine Standuhr in Bronze, - vergoldet, - nicht sehr groß. - Ich weiß nun nicht was Du für Tante auszugeben gesonnen bist. - habe aber, - als sie diesen Wunsch laut werden ließ, - mich gleich nach Uhren umgesehen, - u. recht hübsche vergoldete gefunden im Preise von 30 - 36 fl.

[page 3, right hand side]

Ist Dir das nicht zu viel, - so schreibe es mir bald, - ich acquirire dann eine solche Uhr, - u. Du schickst mir bei Gelegenheit das Geld, - was ja nicht pressirt. - Sie hat sonst keine Wünsche geäußert, - ob ein illustrirtes Druckwerk ihr behagen würde, - kommt eben auf dessen Inhalt an, - Du wüßtest da wohl am besten Rath, - ich meine aber, die Uhr sei ein schönes Geschenk u. das einfachste, - u. ihr willkommen, sonst hätte sie nichts davon gesagt, - ich dachte nicht daran, - u. sie sagte schon früher; "Heinrich soll mir ja keine unnöthige Kostbarkeit schenken, - das einzige was ich mögte, wäre eine Uhr. " -

Ich denke gar nicht gerne an Weihnachten, - wünsche das Fest vorbei; welcher Contrast mit dem verfloßenen Jahre wo wir alle vereint waren; gerade in solchen Stunden fühlt man ja am tiefsten die Verluste, - die uns die Zeit geschaffen, - u. wie klein ist jetzt der Kreis unserer Lieben ob Richard kommt ist noch zweifelhaft, - wenn nur nicht auch diese Hoffnung uns geraubt wird, der Lichtpunkt auf den wir seit Wochen blicken. -

Denke, lieber Heinrich, morgen sind es schon 3 Monate daß sie uns den besten Vater hinaus getragen haben, - auf Nicht mehr Wiedersehen. - Welch grauenvoller Tag; - so frisch lebt das Trauerbild der letzten Wochen des theuren Verblichenen in uns, - als wenn es gestern gewesen

[page 5]

In der Musik, sind wir doch gewiß den Franzosen voraus, - u. die Bülow's Conzerte in denen nur Beethoven verschlungen wird, - sollen wie Frida sagt, - unbeschreiblich schön sein. - Letztere, geht ganz in Musik auf, - ist nun mit Frau v. Anns sehr intim geworden, - u. täglich musiziren sie zusammen. -

Ich lasse mir von den Bekannten, - von den Genüssen, die die Außenwelt bietet erzählen, - genieße nichts daran, - u. nur, um das ewige Einerlei, - (was mein, Zerstreuung bedürfender Körper nicht ertragen kann) manchmal zu unterbrechen, - bitte ich Nachmittags oder Abends Bekannte zu mir, - höchstens 6 - 8 Personen. - Es sind mehrere Offiziere die mit uns in Nürnberg befreundet waren hierher gekommen, - u. die finden sich manchmal bei uns ein, - sehr viel auch Fleschung mit Frau, Anns, Durig etc. - auch mit Bauers komme ich häufig zusammen, - d. h. ich komme zu ihnen, - sie scheuen mit Recht meine Treppen.

[page 6]

Habt ihr denn in den Zeitungen von dem grauenhaften Mord gelesen, der in der Amalienstraße verübt wurde, in demselben Hause, - wo Vater früher wohnte, - neben dem Zimmer des Hptm. Lautenschläger? Um den [Insertion:] österreichischen [/insertion] Grafen Chorinsky heirathen zu können, - hat eine junge 25 jährige Ungarn, - dessen von ihm, - getrennt hier lebenden Frau, - mit Blausäure vergiftet, kam zu dem Zwecke eigens aus Wien hierher, - wo hin sie auch unbegreiflicher Weise nach dem Morde gleich wieder rückkehrte, - u. wo sie auch arretirt wurde; ein gleiches Schicksal traf den Mann der Ermordeten, - der zur Beerdigung seiner Frau hierher kam; u. sitzt dieser Herr, - österreichischer Offizier, nun hier in der Frohnfeste. - Dieses Ereigniß bildet hier fast nur das Tagesgespräch, - u. drängt alles Andere in den Hintergrund. - Die Organisationsarbeiten sollen rüstig vorwärts schreiten u. hofft man, daß sie längstens bis Frühjahr in's Leben tritt. -

Sehr, freuen wir uns Alle auf Fanny's nächsten Brief, der uns sagen soll wie ihr Vater ankam, u. die mit gebrachten Sachen gefielen. - Mister Frank, bitte ich, wenn Ihr schreibt bestens von mir zu grüßen. - Hast Du Robert's Brief bekommen? - derselbe ging am nämlichen Tage ab, als Deiner an mich ankam. - Er sieht mit Sehnsucht der Antwort entgegen. -

[right margin:]

Doch nun lebt wohl , - haltet Euch auch ferner gut, - arbeite nicht zu viel, - u. sei mit Fanny von Tante, Robert u. mir bestens gegrüßt. -

[/right margin]


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