Kirchheim d. 12 Okt 1874
Liebe theure Schwester!
Du wirst denken ich könnte gar gestorben sein weil ich so gar lange nicht schreibe, es diesmal verschidene Ursachen daran schuld: Ich war letzten Frühling bad [bald] 4 Wochen recht unwohl Marile kam ende April in das Wochenbett & weil ich es versprochen hatte über diese Zeit wider zu ihr zu kommen so mußte ich eben das Werk trotz aller Schwache angreifen den die Leuthe sind hir so rar daß man sie immer lange voraus bestellen muß Die
erste Woche ist es mir recht sauer geschehen aber dann kam es nach & nach besser & der Appetitt kam wider ich konnte Gott nicht genug danken für den gnädigen Beistand, die Marie hatt dieses mal ein Büble bekommen er ist ein recht liebes gedeihliches Kind und hatt in der Taufe den Namen Max erhalten
Marile konnte den kleinen wieder stillen jetzt bekommt er nur noch bei der Nacht so lange
die Marie noch im Bette lag ist ihr Mann krank geworden in folge von überanstrengung es fehle im [ihm] im Magen & Unterleib
und hattest schon etwas daran wenden können es freut mich recht daß Ihr von Gott so gesegnet seid und dieses Jahr seien die Ernten im Amerika wider so gut gewesen was hatt die l. Pauline für einen Sommer gehabt bessert sich Ihr Ärmchen nicht auch allmälich hir wird seit neuerer Zeit bei vielen Krankheiten besonders auch bei Lähmungen der Lebensmangnetismuß angewendet & zwar mit dem besten Erfolg das geschiht durch eine Person welche viel mangnetische Kraft diese streicht mit der Hand den kranken Theil von oben nach unten es ist wirklich eine Person welche an den Krücken gehen muß in solcher Behandlung wenn diese Gesund wird dan mußt du mit der l. Pauline nachsten Sommer kommen der l. Alexander hatt nun schon ein schönes Einkommen auch freue ich mich mit Euch Eltern daß Eure l. Kinder auch die schmale Bahn betretten haben welche zum ewigen Leben führt. Julie hatt mir auch seit langer Zeit wider geschrieben & mir das Bild von ihrer Johanna geschikt welches auf uns Alle einen guten Eindruck machte Sie ist hübsch & hatt
etwas entschidenes in ihren Zügen wir meinen Sie habe etwas von den Erotischen
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Wir hatten heuer ein sehr ergibiges Jahr an Brodfrüchten Obst & Wein das Obst fehlte bei uns schon seit 1867 seither spärlich und dismal war auch schon die Hoffnug verlohren, weil wir im Mai noch anhaltend kalt hatten aber der Herr hatt gezeigt was Er kann
und daß der Herr wahrhaftig kommt mit den heiligen und seine Gläubigen hir auf der Erde erretten wird, mit den Heiden ist eine große rührigkeit auf der Insel Madagaskar ist eine große Erwekung diese Insel in Ostafrika ist so groß wie Deutschland dort ist ein großes verlangen nach Bibeln 3 bis 4 Tagreisen weit kommen Sie zur Hauptstadt um Bibeln zu bekommen
und sagen nach diesem Wort Gottes wollen Sie leben kurz das Wort Gottes ist lebendig unter Ihnen.
Schreibe mir auch ob Ihr diesen Sommer schon gebaut habet, der Bruder von Jahn Schwab. Frid. Schwab ist diesen Frühling gestorben in Peoria an
Schlundverengerung er habe im waren Sinn des Wortes verhungern müssen, voriges jahr war Er und seine Frau auf Besuch bei ihren Verwanten & da haben Sie mich auch besucht.
nun lebe wohl l. Schwester es grußt dich nebst dem l. Andereas und Deinen l. Kindern auf das herzlichste
Deine treue Schwester B. Tritschler
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recht viele grüße von der Marie an Euch l. Alle
per Steamer Hamburg
oder Bremen
Mrs.Charlotte v. Hoeflin
Washington jllinois
paid
[German cancellation stamp:]
[illegible]M U/TECK