Lochau, den 28ten November, 1881.
Werthester Bruder und Schwager!
Mit groesster Freude haben wir deinen Brief empfangen und mit ruehrenden Herzen ge= lesen, [?] dieweil [/?] du in der weiten Ferne keine Zeit [insertion:] ungeachtet [/insertion] vorueber gehen laesst. Ich will da= her meinen innigsten Dank zu dir schicken fuer diesen Glueckwunsch zu meinen Geburts= tag. Sogleich in demselben Monat also am 29ten Oktober ist uns ein Toechterlein geboren, welche wir am 13ten November taufen liessen und Barbara nannten. Theuerster Bruder! es wird dich wundern wenn wir unsere Kin= dern ihre Namen alle schreiben jetzt 4 an der Zahl. Diese heissen: der Erste Adam, war am 8ten August 5 Jahre, der zweite Georg war am 26ten April 3 Jahre und der dritte Peter war am 13ten November 2 Jahre alt, wo auch der Vater seinen Geburtstag mit Peter feiern kann. Sie sind Gott sei Dank aber alle gesund und munter. Wir bedauern daher mit Schmerzen Euren Kleinen Georg, der eine so lange Krankheit ausstehen muss und wuen= schen: der allguetige Gott moege doch bald seine
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Gesundheit wieder herstellen.
Innigstgeliebter Bruder! was die Mitte= rung gegenseitig betrifft, wie du bemerkt hast, dass Ihr einen so heissen Sommer ge= habt, ist bei uns gerade das Gegentheil; bei uns was es immer kalt, nur in der Heuernte hatten wir eine schoene warme Woche, und wieder Anfangs in der Getreideernte hatten wir auch einige schoene Wochen, wo wir das Korn, 9 Schack Gersten und 2 Schack Weizen eingeaerndet hatten; aber 6 Schack Gersten, 8 Schack Weizen und 3 Schack Haber [*another term for "Hafer", meaning "oats" in English*] wurden grau und zum Theil ausgewachsen, denn es trat Regenzeit ein; auch hatte der Wind von die Weizen sehr viel ausgeklopft, so dass der Same teilweise auf dem Felde blieb. Ueberhaupt war die Getreide= ernte in diesem Jahr etwas geringer als im verflossenem. Im vorigen Jahre hatten wir etwas ueber 44 Schack und in diesem Jahre etwas ueber 37 Schack. Wir wollen aber deswegen nicht klagen, denn
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von Koernern ist es besser; wir haben in die= sen Jahr ueber 400 Mark Gersten verkauft. die Heu= Grummet= und auch die Kartof= fel=Ernte war sehr reichlich.
Unvergesslicher Bruder Schwager und Schwaegerin Wir begingen jetzt die heilige Adventszeit, welche uns die Ankunft unsers Herrn Jesu, am Weihnachtsfest feiern und wuenschen Euch Allen recht gesunde und vergnuegte Feiertage auch ein:
gesegnetes, glueckliches neues Jahr und die Gesundheit auch sogar neues Glueck und neues Leben woll Euch Gott aus Gnaden geben.
Was uns anbelangt, so sind wir Gott sei Dank alle gesund und schliessen unser Schrei= ben in die besten Hoffnung, dass es Euch bei guter Gesundheit antrifft, wie es uns verlaesst.
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Lebet wohl und vergesset nicht Eure
Euch unvergessliche Schwester und Schwager Johann und Anna Muench.
Noch die herzlichsten Gruesse von uns an Euch so weit entfernten innigstgeliebten Bruder Schwager und Schwaegerin in Amerika.
Auch muss ich noch bemerken: das gedrukte Blaettchen, wie du geschrieben hast, war nicht in Euren Brief zu finden.